Anga Cable

Einführung von DVB-T2 in Deutschland weiter fraglich

Netzbetreiber wäre startklar, aber Frequenzmangel als Bremse
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DVB-T2 auf der Anga CableDVB-T2 auf der Anga Cable Die Weiterentwicklung des digital-terrestrischen Fersehens (DVB-T) stand auch im Mittelpunkt der diesjährigen Fachmesse Anga Cable, die in dieser Woche in Köln stattgefunden hat. So informierte der Netzbetreiber Media Broadcast an seinem Stand über über die Einführung des DVB-T2-Standards und das mögliche Zukunftsszenario. Unter anderem stellten die Verantwortlichen die Ergebnisse eines Testbetriebes in Singapur vor, den der Netzbetreiber jüngst als technischer Berater und Projektmanager für Aufbau, Planung und Betrieb realisierte. Man sei vom zukunftsweisenden hohen Potenzial des DVB-T-Nachfolgers überzeugt, hieß es am Messestand. Auch mehrere Geräte-Hersteller präsentierten auf der Messe Lösungen und Receiver, die den DVB-T2-Standard bereits unterstützen.

Die Vorteile von DVB-T2 im Vergleich zum bisherigen Standard: Den Veranstaltern bietet sich eine kostengünstigere Verbreitung durch effizientere Frequenznutzung an, in einen DVB-T-Kanal passen mit DVB-T2 sieben TV-Programme in Standardauflösung (SD) statt bisher maximal vier. So könnten sich auch kleinere private Veranstalter eine digital-terrestrische Ausstrahlung leisten. Die ausgestrahlten Signale würden robuster, vor allem am Rande der Empfangsgebiete gibt es weiniger Störungen. Für den Verbraucher gäbe es zudem eine Steigerung der Benutzerfreundlichkeit aufgrund schnellerer Umschaltzeiten. Bei identischem Bandbreitenbedarf können außerdem mehr Programme in gleichzeitig besserer Qualität gesendet werden. So ist auch die Übertragung des hochauflösenden Fernsehens (HD) möglich. Ein gravierender Nachteil wäre freilich, dass alle bisher verkauften Receiver wertlos werden, die Verbraucher müssten sich neue Hardware anschaffen.

Digitale Dividende 2 könnte für Frequenzmangel sorgen

Es ist außerdem völlig offen, ob DVB-T2 in Deutschland überhaupt eingeführt werden kann. Das Vorhaben könnte - sollte es nicht einen harten Switch von DVB-T auf DVB-T2 geben - an fehlenden Frequenzen scheitern. Einer der Knackpunkte könnte die so genannte Digitale Dividende 2 sein. Im Vorfeld der Anga Cable hatten die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) und der Rundfunkrat des WDR sich darum gesorgt, dass bei einer weiteren Umwidmung von Rundfunkfrequenzen für den Mobilfunk, wie sie auf der vergangenen Weltfunkkonferenz diskutiert wurde, die Belange des Rundfunks als öffentliches Kulturgut zu stark vernachlässigt würden. Auf der Konferenz fiel die Entscheidung, weitere Frequenzkapazitäten für die gleichberechtigte Nutzung von Rundfunk und Mobilfunk freizugeben. Dieser in anderen Regionen der Welt sinnvolle Beschluss dürfe laut WDR und LfM in Deutschland nicht zur Anwendung kommen. Zuvor hatten bereits die Deutsche TV-Plattform und das Institut für Rundfunktechnik (IRT) vor einem weiteren Frequenzverlust für das digital-terrestrische Fernsehen gewarnt.

Neue Programme im Norden

AnixeAnixe Unterdessen steigt zunächst das Programm-Angebot im herkömmlichen DVB-T-Standard, vor allem in Norddeutschland. In seiner Sitzung am 13. Juni hat der Medienrat der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) neue Veranstalter zugelassen. In Hamburg kann das jugend- und musikorientierte Programm iM1 täglich 24stündig im TV-Kanal 46 verbreitet werden. In Schleswig-Holstein wurde der Teleshoppinganbieter QVC Deutschland an den Standorten Kiel (Kanal 57) und Lübeck (Kanal 59) lizenziert. Zuvor sind im Raum Hannover/Braunschweig die Fernsehsender Anixe, Bibel TV, HSE 24 und QVC auf einem neuen DVB-T-Multiplex auf Sendung gegangen. Damit wuchs das Programmangebot in der Region von 24 auf 28 Sender an.

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