DVB-T2/DAB+

Österreich und Schweiz haben beim digitalen Rundfunk die Nase vorn

Öster­reich will bis 2017 das digital-terrestrische Fernsehen komplett auf den Standard DVB-T2 umstellen, die Schweiz will Hör­funk­über­tragungen spätestens ab 2024 nur noch im Modus DAB+. Bei der Digi­tali­sierung des Rund­funks scheinen unsere Nachbar­länder inzwischen die Nase vorn zu haben.
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Die DVB-T2-Plattform simpliTV in ÖsterreichDie DVB-T2-Plattform simpliTV in Österreich Wenn es um die Ein­führung neuer, digitaler Rund­funk-Technologien geht, scheinen unsere Nach­barn in Führung zu liegen. Österreich hat bereits den neuen digital-terrestrischen Fernseh­standard DVB-T2 ein­ge­führt und plant noch in diesem Jahr mit der Ab­schaltung erster Sender im alten DVB-T-Modus. In der Schweiz werden in spätestens zehn Jahren Hörfunk­sender terrestrisch nur noch über DAB+ empfang­bar sein.

Österreich: Schluss mit DVB-T in 2017

Der öster­reichische Sender­netzbetreiber ORS will im Jahr 2017 das digital-terrestrische Fern­sehen komplett auf den neuen Standard DVB-T2 umstellen. Das sagte ORS-Sprecher Michael Weber der Tageszeitung "Der Standard". Damit ist das Zeit­alter des alten DVB-T-Standards in der Alpen­republik in spätestens drei Jahren Geschichte.

Bereits Ende 2014 werde die Verbreitung der Sender ORF Sport+, ORF III, Puls 4 und Servus TV (der so genannte Mux C) im alten Modus eingestellt. Für den Empfang von DVB-T2 sind neue Receiver nötig, außerdem werden die Signale "grund­verschlüsselt". Österreicher erhalten die Smartcards kosten­los. Für Zuschauer im deutschen Grenz­gebiet dürfte es dagegen künftig keine Möglichkeit mehr geben, Fern­sehen aus der Alpen­republik terrestrisch zu empfangen.

DVB-T2-Plattform bereits seit 2013 auf Sendung

Unter dem Namen simpliTV hatte die ORS bereits am 15. April 2013 eine DVB-T2-Platt­form gestartet. Insgesamt 40 internationale Sender sind empfangbar, neun davon in HD-Qualität. Auch deutsche Sender wie ARD/Das Erste, ZDF, RTL oder Sat.1 sind über Antenne in der Alpen­republik zu sehen. Das Angebot beinhaltet ein kostenfreies Grundpaket (nach Registrierung) sowie ein kosten­pflichtiges Abonnement (monatlich oder jährliche Zahlweise). Bis zu drei Smartcards erhält der User für maximal drei DVB-T-Geräte.

Auch in Deutschland soll DVB-T2 den alten DVB-T-Standard ersetzen. Bis auf Versuchsaus­strahlungen gibt es bisher allerdings keine Verbreitung im neuen Modus. ARD und ZDF wollen ab 2017 mit der Verbreitung von Signalen in DVB-T2 beginnen - zu einem Zeitraum, wo in Österreich bereits das komplette Antennen­fernsehen auf den neuen Standard umgestellt ist. Ab 2020 wollen die Öffentlich-Rechtlichen nur noch in DVB-T2 senden. Die Privat­sender haben noch nicht endgültig über einen Umstieg entschieden. Wenn, dann dürften die Programme jedoch nur noch mit einer Grund­verschlüsselung und sogar gegen Entgelt zu empfangen sein. Zumindest für eine mögliche Aus­strahlung in HD-Qualität haben die Öffentlich-Rechtlichen bereits entsprechende An­kündigungen gemacht.

DVB-T2-Receiver auch in Deutschland schon zu erwerben

In jedem Fall müssen die Deutschen alle alten Geräte entsorgen, denn der DVB-T2-Standard ist nicht mit dem bisherigen DVB-T-Modus kompatibel. Auf dem Hard­waremarkt sind bereits Receiver oder Sticks zu erwerben, die den DVB-T2-Standard beherrschen (ab rund 40 Euro). Aller­dings handelt es sich zumeist um reine Free-TV-Receiver. So lange nicht klar ist, ob und mit welchem System private TV-Angebote über DVB-T2 verschlüsselt werden und welcher Receiver-Typ dafür notwendig ist, sollte der Kunde also mit der Anschaffung eines Neugerätes warten.

Schweiz will im terrestrischen Radio nur noch DAB+

Auch bei der Digitalisierung des Hörfunks ist uns ein Nachbarland inzwischen voraus. In der Schweiz haben sich Behörden, die öffentlich-rechtliche SRG-SSR sowie Privat­radios darauf verständigt, dass es spätestens im Jahr 2024 terrestrische Hörfunk­über­tragungen nur noch im Standard DAB+ geben soll. Einige Veranstalter wie Radio Energy wollen bereits 2019 aus der analogen UKW-Verbreitung aussteigen.

In Deutschland gibt es bislang keine Festlegung auf ein Ende von UKW. Bisher hat die Politik den Erfolg oder Misserfolg von DAB+ alleine den Kräften des Marktes überlassen. Im Vergleich zur Schweiz, wo Privatradios aktiv für die Digitalisierung eintreten, wollen die großen deutschen Privatradios zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt keine Umstellung auf DAB+.

Der Unterschied zur Schweiz erklärt sich aus den Reichweiten und Markt­positionen: Während Privatradios bei den Eidgenossen größtenteils nur über eine schlechte, nicht flächen­deckende UKW-Versorgung verfügen und mit DAB+ erheblich an Reichweite gewinnen, decken zumindest die großen deutschen Privatsender die Bundesländer komplett über UKW ab. Per Overspill sind die Signale sogar viel weiter zu empfangen als über DAB+. Außerdem scheuen sie die größere Konkurrenz, die durch DAB+ auftritt.

Forderungen nach einem Ende von UKW und einem konkreten Aus­stiegs­termin aus der analogen Versorgung spätestens im Jahr 2025 gibt es bisher nur aus den Reihen des Deutschlandradios, einiger ARD-Anstalten und ganz weniger Privatradios. Ob sie bei der Politik überhaupt Gehör finden, ist fraglich. Das Bundeswirtschafts­ministerium will zunächst mit einem Gut­achten klären lassen ob UKW überhaupt ab­geschaltet werden kann.

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