Strategie

Telekom-Chef: Weiterhin Zukunft für vier Mobilfunknetzbetreiber

Nachfrage nach mobilen Datenübertragungen sei kaum zu bewältigen
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Telekom-Vorstandsvorsitzer René ObermannTelekom-Vorstandsvorsitzer René Obermann Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, René Obermann, sieht in Deutschland durchaus weiterhin eine Chance für vier Mobilfunknetzbetreiber. Dies antwortete er auf eine Frage von teltarif.de in einer telefonischen Pressekonferenz, bei der es um die aktuellen Quartalszahlen ging. In den vergangenen Wochen hatte es wieder vermehrt Berichte über eine mögliche Zusammenlegung der Netze von o2 und E-Plus gegeben.

Telekom in Deutschland: 100 000 iPhone 5 in zwei Wochen verkauft

In Deutschland wurden in diesem Quartal 322 000 iPhones nur durch die Kanäle der Deutschen Telekom über die Ladentheken gereicht, davon alleine 100 000 brandneue iPhone 5 in den letzten beiden September-Wochen.

Aktuelle Umfragen haben gezeigt, dass die Kunden verstärkt Wert auf Netzqualität legen. Auf die Frage der teltarif-Redaktion, wie Obermann den deutschen Markt beurteilt und ob auf Dauer Platz für drei oder vier Netzbetreiber bleibe oder ob es künftig eine gemeinsame deutsche Mobilfunknetzgesellschaft im Hintergrund geben könnte, betonte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, dass er durchaus Raum für vier Netzbetreiber sehe. "Ich weiß nicht, wie meine Wettbewerber das sehen", denn es sei eine "Riesennachfrage" nach mobilem Internet zu erwarten. Das Datenvolumen werde um den Faktor 15-20 steigen.

Telekom will 2,5 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren

Neben dem aktuellen Boom bei Smartphones würden immer mehr Tablets gefragt und im automobilen Sektor funkten immer mehr Fahrzeuge ihre Daten über das Netz, seien es Informationen zur Verkehrslage, im Pannenfall oder für zusätzliche Dienste bei Navigationssystemen, wo aktuelle Daten zur besuchten Region oder dem gewünschten Ziel ins Auto übertragen werden.

Die Deutsche Telekom werde daher rund 2,5 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren, da "die Nachfrage derzeit durch die Decke schießt". Obermann kündigte unter anderem einen verstärkten Ausbau seines WLAN-Hotspot-Netzes nach dem aktuellen Standard IEEE 802.11n an.

Obermann strebt die Marktführerschaft im Mobilfunk an, seine Strategie sei die Führung in Service- und Netzqualität mit höchsten Datenraten. Viele Geschäftskunden hätten das bereits erkannt und würden aus Unzufriedenheit mit den Wettbewerbern wieder zur Telekom zurückkehren. Dabei habe man in der letzten Zeit "im GK-Bereich ein bißchen geschlafen".

Aber auch für den Privatkunden seien viele neue Angebote in Vorbereitung. Auf einer USA-Reise habe Obermann mit vielen neuen möglichen Partnern gesprochen. Wem die hochwertigen Angebote der Telekom zu teuer seien, dem biete sein Unternehmen auch Produkte über eine günstige Zweitmarke (congstar) an.

Im Festnetz werde der Wettbewerb schwieriger, da es hier derzeit auf einen verstärkten Wettbewerb zwischen klassischer Kupfer-Doppelader und dem Koaxialkabel (TV-Kabel) hinauslaufe. Die Kabelgesellschaften erlebten derzeit einen Zulauf und die Konkurrenten der Telekom litten unter Verlusten, während das Geschäft der Telekom stabil bleibe. Obermann hofft, dass es bald eine Entscheidung der Bundesnetzagentur zum Thema Vectoring geben wird. Denn damit stünde eine gute Alternative zur Verfügung, einem Großteil der Bevölkerung bis zu 100 MBit/s Datengeschwindigkeit über Kupfer-Doppelader nach Hause liefern zu können.

USA: Nach Fusion mit Metro PCS harter Wechsel von CDMA auf HSPA und LTE

Es sei schon paradox, so die Telekom: Man habe aktuell mehr Geld in der Kasse, aber weniger Wert in den Büchern. Dies rühre daher, dass die Deutsche Telekom ihr US-Unternehmen nach amerikanischen Vorschriften (IFRS) nun nach dem Aktienwert des Wunschpartners Metro PCS am Tag vor der Bekanntgabe des Fusionswunsches bewerten muss.

Die geplante Fusion in den USA wird technisch spannend, da aktuell die Unternehmen T-Mobile USA und Metro PCS technisch inkompatible Mobilfunktechnik verwenden. Metro PCS und T-Mobile nutzen mit 1700, 1900 und 2100 MHz zwar die gleichen Frequenzbändern, funken allerdings mit unterschiedlichen Standards. Während Metro PCS den CDMA-Standard (EvDO) verwendet und schrittweise ein LTE-Netz ausbaut, hat T-Mobile bislang GSM 1900 und UMTS 1700/2100 genutzt.

In Zukunft liegt der Fokus nur noch auf UMTS/HSPA und LTE. Im Rahmen von Frequenzverschiebungen wurden 95 Prozent des 1900-MHz-Spektrums für UMTS nach HSPA+-Standard mit bis zu 42 MBit/s freigeräumt, was T-Mobile USA bisher auf 1700/2100 MHz anbietet, ferner wird ein 2 mal 20 MHz breites Frequenzband auf 1700 und 2100 MHz mit LTE ausgebaut werden.

Bestands-Kunden von Metro PCS sollen zunächst auf die HSPA-Technik migriert werden und künftig auch LTE nutzen können. Im "Jahr drei" der Fusion würde es dann einen "harten Wechsel" geben, sprich alle bisherigen Metro-PCS Kunden-brauchen dann neue Telefone oder Endgeräte, da die alte CDMA-Funk-Technik abgeschaltet werden wird.

Das begehrte iPhone 5 kann T-Mobile in den USA derzeit nicht anbieten, weil es für die dort verwendeten Frequenzen bislang nicht kompatibel ist. Das habe in den USA zu einem Kundenrückgang von etwa 492 000 Kunden geführt. Zugleich seien aber auch etwa 1,5 Millionen Kunden mit ihren älteren iPhones zu T-Mobile gekommen, weil sie die Netzqualität schätzten. Durch die Zusammenlegung mit Metro PCS, die noch von den dortigen Aktionären und den amerikanischen Genehmigungsbehörden abgesegnet werden muss, ergeben sich hier neue Möglichkeiten "wir arbeiten hart daran, das iPhone 5 zu bekommen".

In den USA hat T-Mobile 365 000 neue Prepaid-Kunden gewonnen, die monatlich im Schnitt für umgerechnet 20 Euro im Monat telefonieren und surfen, Laufzeitvertragskunden geben etwa das Doppelte aus. Kunden der bisherigen Metro PCS liegen derzeit bei etwa 31 Euro im Monat.

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