App-Test

Ausprobiert: Internet-Speed in der Bahn selbst messen mit DB Netzradar

Die Internet-Versorgung in der Bahn ist streckenweise beklagenswert schlecht - das wissen die Bahn und die Netzbetreiber bereits. Mit der App "DB Netzradar" können Bahnfahrer nun eigene Netztests durchführen - wir haben die App ausprobiert.
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DB Netzradar - die Netztest-App der BahnDB Netzradar - die Netztest-App der Bahn Viele Bahnfahrer leiden unter der streckenweise beklagenswert schlechten Mobilfunkversorgung entlang der Bahnstrecken, hauptsächlich im Regionalverkehr, aber auch im ICE. Mit Repeatern und den Telekom-Hotspots im ICE hat die Bahn in den vergangenen Jahren den Zustand deutlich verbessert, doch stabile und dauerhafte Breitband-Datenverbindungen bleiben weiterhin Mangelware.

Dies bestätigten auch die von der Zeitschrift Connect vorgelegten Messwerte, über die wir ausführlich berichtet hatten. Die Bahn ist sich des Problems bewusst, kann es aber naturgemäß nur in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern lösen: Die Handy-Netze im ICE sollen besser werden. Für die Erhebung weiterer Messwerte werden jetzt auch die Nutzer eingespannt - hierzu hat die Bahn die App "DB Netzradar" veröffentlicht. Wir haben sie im ICE getestet.

DB Netzradar: Bislang wohl nur wenig verbreitet bei Bahnfahrern

Die App DB Netzradar ist für Android und iOS verfügbar (Download Android / Download iOS) und kann in den entsprechenden Appstores gratis heruntergeladen werden. In den Google Play Store hat die Bahn die App bereits am 20. November eingestellt, aber kaum Werbung dafür gemacht: Bislang wurde die App dort nur etwas mehr als 500 Mal heruntergeladen.

Die App fordert Zugriffsrechte auf die Internet-Verbindung, das GPS-Modul und den Speicher des Telefons. Grundsätzlich können die Tests der Internetgeschwindigkeit überall durchgeführt werden, nicht nur an Bahnhöfen und in Zügen. Die App misst den Speed im WLAN und in den mobilen Datennetzen.

So funktioniert die App DB Netzradar

Speedmessung mit DB NetzradarSpeedmessung mit DB Netzradar Die App DB Netzradar ist relativ schlicht aufgebaut. Beim ersten Start der App muss der Anwender die Nutzungsbedingungen akzeptieren. Der Hobby-Tester stimmt zu, dass alle erhobenen Messdaten automatisch und anonymisiert an die Unternehmen der P3-Gruppe übertragen werden. Die P3 Ingenieursgesellschaft ist bekannt dafür, die umfangreichen Netztests für die Connect technisch durchzuführen. Personenbezogene Daten sollen nicht übertragen werden.

Die App überträgt automatisch den gemessenen Up- und Download-Speed sowie die Paketumlaufzeit, also den Ping. Auch Daten zur Internetverfügbarkeit, zur Dauer des Downloads, zur Signalstärke des Netzes sowie zum Endgerät und Standort des Nutzers werden zusammen mit der Uhrzeit übermittelt.

Einstellungsmenü und automatischer Hintergrund-TestEinstellungsmenü und automatischer Hintergrund-Test Auf dem Homescreen der App hat der Nutzer drei Kacheln zur Auswahl. Unter "Speed Test" kann er - egal ob im WLAN oder mobilen Datennetz - eine aktuelle Messung von Ping, Downstream und Upstream vornehmen. Für den Nutzer werden die ermittelten Werte in der Übersicht bisheriger Tests zum späteren Nachschauen archiviert. Die Testanzeige sieht aus wie ein Tachometer, also wie bei anderen Speedtest-Anwendungen. Vor dem Test kann der Anwender die Zuggattung (ICE/EC/IC/Regio) und auf Wunsch auch die Wagennummer seines Sitzplatzes eingeben.

Die Kachel "Problem melden" führt zu einem Feedback-Formular, mit dem der Bahnfahrer konkrete Netzprobleme melden kann. Zur Auswahl stehen vorgegebene Probleme wie langsame oder gar keine Datenverbindung, schlechte Sprachqualität, Gesprächsabbruch, kein Anruf möglich und kein Netz verfügbar. Anschließend muss der Tester angeben, in welcher Zuggattung er saß. Anschließend sollte übermittelt werden, wie oft das Problem auftrat. Diese Antworten kann der Nutzer dann gemeinsam mit einem Speedtest-Ergebnis oder auch alleine absenden.

Regelmäßige Datenübermittlung und beispielhafte Testergebnisse

In den Einstellungen der App kann der Nutzer festlegen, ob er einen Prepaid-Tarif, eine private Flatrate oder eine Business-Flatrate nutzt. Auch das maximale Highspeed-Volumen des Vertrags kann angegeben werden. Interessant für die Bahn und die Netzbetreiber ist die Funktion "Verbindungstest im Hintergrund durchführen". Hierbei checkt die App regelmäßig auch ohne Zutun des Bahnfahrers die Verfügbarkeit eines Internetzugangs. Welche Datenmenge dabei übertragen wird, geben die Entwickler leider nicht an. Von anderen Netztest-Apps wissen wir, dass ein Netztest gut und gern 20 bis 40 MB Daten verbrauchen kann. Diese standardmäßig deaktivierte Option sollte der Nutzer also nur aktivieren, wenn er über ein hohes monatliches Inklusiv-Datenvolumen verfügt oder das Smartphone überwiegend in WLAN-Netzen nutzt.

Die App DB Netzradar haben wir auf einer Bahnfahrt zwischen Berlin und Fulda auf der ICE-Strecke getestet, und zwar mit dem Telekom-Hotspot im ICE und auch mit dem mobilen Datennetz der Telekom. Unser Vertrag unterstützt dabei maximal 150 MBit/s im Downstream mit LTE, Testgerät war das Oneplus One.

Netzprobleme melden per AppNetzprobleme melden per App Im Telekom-Hotspot, den natürlich immer mehrere Leute gleichzeitig nutzen, konnten wir auf dem flachen Land duchschnittliche Downstreamraten um 4 MBit/s messen. Interessanterweise war manchmal der Upstream doppelt so hoch wie der Downstream, was darauf hindeutet, dass auf unserer Fahrt wohl kein Bahnfahrer exzessive Uploads über den Hotspot vorgenommen hat.

In bergigeren Gebieten und insbesondere in Tunneln sank die Verfügbarkeit und die Datenrate des Hotspot und auch des mobilen Datennetzes oft rapide ab. In den zahlreichen Tunneln der Strecke kamen wir oft nur auf Werte von 80 kBit/s im Downstream und 5 kBit/s im Upstream. Interessant war der Vergleich dann, wenn der Zug stand: Im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe ermittelten wir im Abstand von nur wenigen Sekunden im WLAN-Hotspot einen Wert von 4,6 MBit/s im Downstream und 9 MBit/s im Upstream. Nach dem Umbuchen ins LTE-Netz betrug der Downstream 39,8 MBit/s Down, aber nur 1,7 MBit/s Up. Dies deutet darauf hin, dass der ICE-Hotspot den Nutzern nicht die volle Downstream-Bandbreite erlaubt, sondern eine bestimmte Bandbreite zuteilt, was sehr sinnvoll ist. Offenbar gilt dies aber nur für den Downlink. Der Ping war an dieser Stelle mit 25 ms bei LTE ebenfalls deutlich besser als im Telekom-Hotspot mit 66 ms.

Fazit und Wünsche für weitere Funktionen

Für den Bahnfahrer hat die App in der jetzigen Fassung den Nutzen, dass eine Momentaufnahme des aktuellen Netz-Zustands ermittelt werden kann. "Aktuell" ist natürlich in einem mit 260 oder gar 300 km/h dahinrauschenden ICE tatsächlich als Sekundenangabe zu verstehen - schon nach der nächsten Biegung oder der Einfahrt in einen Tunnel kann das Netz deutlich schlechter werden oder auch ganz zusammenbrechen. Den größten Nutzen aus der App ziehen also momentan wohl die Bahn, die Netzbetreiber und die Netztester von der P3-Gruppe.

Denn für den Bahnfahrer wäre eine Netzprognose in der App deutlich sinnvoller als nur eine für wenige Augenblicke gültige Momentaufnahme. Aktuell gibt es keine Möglichkeit in der App, die Ergebnisse mit anderen Nutzern zu teilen. Einen wirklich wertvollen Nutzen hätte die App, wenn alle von den Nutzern und der P3-Gruppe erhobenen Daten auf einer Kartenansicht als Netzprognose (beispielsweise für die nächsten 10 bis 15 Minuten) angezeigt werden würden. Natürlich ist das auch immer abhängig von der Anzahl der ins Netz eingebuchten Geräte. Doch damit hätte der Bahnkunde immerhin einen Anhaltspunkt, ob es sich lohnt, in den nächsten 10 Minuten Bilder in die Cloud zu laden oder einen kurzen YouTube-Clip zu starten, ohne dass das Netz zusammenbricht.

DB Netzradar ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, die Qualität des Datennetzes zu testen - die Gratis-Apps "RTR-Netztest" und "Floq" haben wir bereits in diesem Artikel vorgestellt.

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