Datenautomatik

Pro & Contra: Wem nützt die Datenautomatik?

Die Datenautomatik ist nun auch bei den neuen o2-Blue-Tarifen voreingestellt. Wir diskutieren in unserem Pro & Contra: Bringt das automatische Nachbuchen von Datenpaketen dem Kunden oder dem Anbieter den größeren Mehrwert?
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Ab sofort sind die neuen Smart­phone-Tarife von o2 verfügbar. Bei diesen gibt es als Besonder­heit auch die Daten­automatik. Neu ist dieses Verfahren nicht, denn schon Base- und Vodafone-Kunden kennen das Verfahren, bei dem nach dem Verbrauch des zum Tarif gehörenden unge­drosselten Daten­volumens automatisch und kosten­pflichtig weitere Daten­pakete nach­gebucht werden. Nach ihrer heimlichen Einführung wurde die Datenautomatik in eine Zwangsoption umgewandelt. Erst in Folge einer Abmahnung von Base durch die Verbraucherzentrale erhielten die Kunden die volle Wahl­freiheit.

Wir disku­tieren in unserem Pro & Contra: Die Daten­automatik - Irrweg oder Feature?

Pro und Contra

Daniel Molenda
Pro
Daniel Molenda
Zweifellos stand der Marktstart der Daten­automatik unter einem schlechten Stern. Aber sie ist als Zwischen­stufe von Flat­rate und Volumen­tarif zunächst nur ein neutrales Werk­zeug. Es gibt ein größeres Übel, und das hat einen Namen: Die Bandbreiten­drossel. Anstatt die gedrosselte Bandbreite auf ein zeit­gemäßes Maß anzuheben, drücken einige Provider sie sogar unter die üblichen 64 kBit/s.

Mit der Daten­automatik existiert ein Mittel, um punktuell der Drosselung zu ent­gehen. Wem vor gut einem Jahr 500 MB Highspeed-Datenvolumen pro Monat gereicht haben, braucht mittler­weile in der Regel deut­lich mehr. Und wer seinen etwas angestaubten Tarif für den Rest der Laufzeit dem ge­stiegenen Bedarf anpassen will, kann die Daten­automatik buchen, bevor er direkt in die nächst­höhere Daten­option wechselt. So kann er seinen Daten­hunger genauer ein­schätzen. Und wer zu dem Schluss kommt, dass er die höhere Daten­option doch nicht braucht, kann die Automatik wieder ab­bestellen.

Nach der aktiven Buchung der Daten­automatik konnte ich einen Effekt auf meine mobile Internet­nutzung beobachten: Sobald ich wusste, dass es nach Verbrauch des Basis-Datenvolumens teurer statt langsamer werden würde, habe ich eher auf un­nötigen Ver­brauch ver­zichtet. Und ohne die Daten­automatik hätte ich sofort für den Rest der Lauf­zeit eine un­flexiblere Daten­option gebucht, deren Aufpreis pro Mega­byte dem der Daten­automatik ent­sprach.

Eine echte Kosten­falle ist die Daten­automatik zudem nicht. Die an­fallenden Mehr­kosten sind über­schaubar und begrenzt. 2 Euro für 100 MB sind gewiss nicht wenig, aber mancher ist bereit, für eine Tagesflat mit 25 MB 99 Cent zu zahlen. Das Automatik-Volumen steht hingegen für den Rest des Abrechnungs­monats zur Verfügung.

Auf dem Hinter­grund der Geschichte der Daten­automatik hätte es einigen Anbietern besser zu Gesicht gestanden, auf die Vor­einstellung der Option zu verzichten. Denn die Daten­automatik ist ein prak­tisches und flexibles Komfort­merkmal. Akzeptanz gewinnt sie jedoch nur mit Freiwilligkeit.

Markus Weidner
Contra
Markus Weidner
Die Mobil­funk-Netz­betreiber, die die Daten­automatik für ihre Tarife eingeführt haben, werben damit, dass den Kunden so niemals das High­speed-Daten­volumen ausgeht und so stets die volle Per­formance zur Verfügung steht. Das mag eine hübsche Werbe­aussage sein. Diese entspricht aber zum einen nicht der Reali­tät und zum anderen geht so für die Kunden ein Teil der Kosten­transparenz ver­loren.

Auto­matisch nach­gebucht werden drei relativ kleine Daten­pakete. Sobald diese ver­braucht sind, greift dann doch wieder die Daten-Drossel. Bis dahin sind den Kunden aber zusätz­liche Kosten ent­standen, die sie möglicher­weise nicht einkalku­liert haben. So richtig trans­parent ist die mobile Daten-Nutzung schließ­lich nicht. Selbst mir als Viel­nutzer ist es oft nicht klar, wie viel Volumen ich nun ver­braucht habe. Wie mag es dann erst Kunden gehen, die nicht tag­täglich beruf­lich mit der Materie befasst sind?

Wer in drei Monaten hinter­einander bei o2 jeweils die maximal drei Zusatz-Datenpakete komplett aus­geschöpft hat, bekommt zudem dauer­haft gegen Extra-Kosten zusätz­liches monat­liches Daten­volumen auf­gebucht. Unab­hängig davon, dass für betrof­fene Kunden die bereits bestehende Internet-Option ver­mutlich wirklich zu knapp bemessen ist, sollten die Nutzer doch selbst darüber ent­scheiden, ob sie einen höher­wertigen Tarif buchen möchten oder nicht.

o2, Base und Vodafone bieten den Kunden zwar an, der Daten­automatik zu wider­sprechen. Die Frage ist aller­dings, ob normalen Anwendern über­haupt bewusst ist, dass ihre Allnet-Flat in diesem Punkt gar nicht so flat ist, und wie sie gegebenen­falls für einen Kosten­schutz sorgen können.

Kunden­freundlicher wäre es, die Tarife standard­mäßig weiterhin ohne Daten­automatik anzu­bieten. Die auto­matische Nach­buchung zusätz­licher Pakete für die mobile Internet-Nutzung könnte optional eingeführt werden - aus­schließlich für Kunden, die das Feature explizit wünschen. In der Form, wie die Daten­automatik derzeit reali­siert wird, dient sie wohl weniger den Kunden als viel­mehr der Gewinn­maximierung der Netz­betreiber.


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