Digitalradio

30 Prozent aller verkauften Radiogeräte haben DAB+ an Bord

Digitalradios mit DAB+ und Radiomodelle mit Bluetooth-Funktion liegen voll im Trend. Hohe Umsatzzuwächse sorgen dafür, dass die schon tot geglaubten Kofferradios wieder zu neuem Leben erweckt werden.
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Viele halten klassische Radiogeräte nicht mehr für zeitgemäß. Smartphones und Tablets in Verbindung mit Bluetooth-Lautsprechern oder Multiroom-Systemen gelten als designierte Nachfolger der klassischen "Henkelmänner". Umso überraschender ist eine Meldung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Nachdem der deutsche Radiogerätemarkt 2014 bereits recht stabil war, schloss er das Jahr 2015 erfolgreich mit einem Absatzplus von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab – nach Wert lag das Wachstum sogar bei 9,2 Prozent. Höherpreisige Geräte entwickelten sich dabei im Durchschnitt etwas positiver, sodass der Durchschnittspreis für ein Radiogerät 2015 auf 50 Euro anstieg.

Einen der wichtigsten Wachstumstreiber stellen laut GfK digitalradiofähige Geräte mit DAB+ dar, welche ein Umsatzplus von 49 Prozent erreichen konnten. Die durchschnittliche Wachstumsrate liegt somit 2015 etwas höher als noch im Jahr 2014, der Markt konnte erneut an Schwung gewinnen. Auch das Gewicht von Digitalradios innerhalb des Radiogerätemarktes nimmt weiter zu und lag im Dezember 2015 bei knapp über 30 Prozent nach Wert. Das bedeutet, dass inzwischen fast jedes dritte verkaufte Radiogerät in Deutschland neben UKW auch Digitalradio-Empfang mit DAB/DAB+ bietet.

Zwei Millionen verkaufte DAB+-Radios 2016?

30 Prozent aller verkauften Radiogeräte haben DABplus an Bord30 Prozent aller verkauften Radiogeräte haben DAB+ an Bord Spannend ist noch die Frage, was die Steigerungsraten für die absoluten Verkaufszahlen bedeuten, aber laut der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) stehen die endgültigen Ergebnisse für 2015 und die Prognose für 2016 erst Ende Februar fest. Geht man von bisherigen Zahlen aus, wonach die Deutschen im Jahr sieben Millionen Radiogeräte kaufen, könnten in diesem Jahr durchaus über zwei Millionen Digitalradios mit DAB+ über den Ladentisch wandern – sollte der Trend vom Dezember 2015 anhalten.

Darüber hinaus spielt laut GfK die kabellose Übertragung von Musik via Smartphone oder Laptop wie in vielen weiteren Audiomärkten auch bei den Radiogeräten eine immer größere Rolle: Bluetooth-fähige Radiogeräte steigerten ihre Umsätze 2015 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel. Nichtsdestotrotz konnte auch der Umsatz von Radiogeräten ohne Bluetooth 2015 leicht ansteigen.

Werbereduzierung bei ARD-Radios gut für Privatradio-Einstieg in DAB+?

Trotz des Verkaufsbooms halten sich viele kommerzielle Radios beim Thema DAB+ immer noch zurück. In erster Linie spielen finanzielle Faktoren eine Rolle – ein Simulcast von UKW und DAB+ ist teuer und bedeutet in erster Linie zusätzliche Ausgaben ohne Refinanzierungsmöglichkeit. Eine Gesetzesnovelle aus Nordrhein-Westfalen, welche die Werbung im öffentlich-rechtlichen Hörfunk beschränkt, könnte jedoch Privatradios als Anreiz zu einem Einstieg bei DAB dienen. Das hofft zumindest Siegfried Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM).

Er begrüßte im Rahmen der letzten DLM-Sitzung den Beschluss des Düsseldorfer Landtags, im neuen WDR-Gesetz auch eine Reduzierung der Werbezeiten im öffentlich-rechtlichen Radio in Nordrhein-Westfalen festzuschreiben: "Eine Reduzierung der Werbung im öffentlich-rechtlichen Hörfunk ist für den Erhalt der Vielfalt gerade auf der lokalen und regionalen Ebene und für die Zukunftssicherung des privaten Hörfunks unerlässlich." Statt der bisher täglich 90 erlaubten Werbeminuten in drei WDR-Programmen werden ab 2017 nur noch 75 Minuten auf zwei und ab 2019 nur noch 60 Minuten auf einem Programm gestattet sein.

Die DLM hatte laut eigenen Angaben bereits 2011 eine Werbebegrenzung im öffentlich-rechtlichen Hörfunk nach dem Beispiel des NDR gefordert. "Ich hoffe sehr, dass dies bei der nächsten Änderung des Rundfunkstaatsvertrags für alle öffentlich-rechtlichen Sender festgeschrieben wird", so der DLM-Vorsitzende Schneider. Mit den dann neuen finanziellen Spielräumen wäre es für die Privatradios einfacher, auch in die digital-terrestrische Radioverbreitung DAB+ zu investieren.

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