Digitalradio

Privatradios wollen trotz steigender DAB+-Nutzungszahlen an UKW festhalten

Erstmals sollen 2016 über eine Million Digitalradios mit DAB+ innerhalb eines Jahres verkauft werden. Die regionalen und lokalen Privatradios wollen trotzdem an UKW festhalten und bekräftigen dies in einem Positionspapier.
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Privatradios wollen Bestandsgarantie für UKWPrivatradios wollen Bestandsgarantie für UKW Digitalradio auf Aufwind: Laut Angaben der Gesellschaft für Consumer & Home Electronics (gfu) wurden im Jahr 2015 950 000 Digitalradios mit DAB+ im deutschen Einzel- und Onlinehandel verkauft. Das bedeutet ein Plus von 32 Prozent im Vergleich zum Jahr davor (2014), wo 720 000 Geräte über den Ladentisch gewandert sind. Für dieses Jahr erwartet die gfu aufgrund immer stärkerer Zuwächse einen Absatz von fast 1,2 Millionen Geräten. Bestätigt sich die Prognose, würden erstmals innerhalb eines Jahres über eine Million Radios mit dem digital-terrestrischen Radio verkauft.

Seit 2011, dem Neustart des digital-terrestrischen Radios mit DAB+, wurden insgesamt 2,7 Millionen digitalradiotaugliche Geräte verkauft. Insgesamt nutzen aber noch weit mehr Menschen DAB+, denn in die Zahlen fließen weder Verkäufe aus dem Ausland, etwa über Onlineshops bei Amazon und eBay, noch finden Digitalradios in Fahrzeugen ab Werk Berücksichtigung. Schätzungen zufolge besitzen inzwischen über fünf Millionen deutsche Haushalte mindestens ein Radiogerät mit DAB+.

Positionspapier: Privatradios wollen Bestandsgarantie für UKW

Trotz dieser positiven Zahlen fordert der Privatfunk keine erneute Diskussion über einen UKW-Abschalttermin. Einen Wettbewerb unterschiedlicher Vertriebswege, in der auch UKW weiter seinen Platz hat, sieht die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) dagegen für das Radio der Zukunft. Die Verbreitung über UKW sei kein Auslaufmodell, das terrestrische Digitalradio über DAB+ hingegen schaffe Chancen für Angebote, für die in der UKW-Welt kein Platz mehr ist. Zudem bietet das auch mobil empfangbare Internet Chancen für Radioanbieter, die Funktion als Tagesbegleiter für eine große Zahl treuer Hörer mit den individuellen Ansprüchen der Onlinewelt zu verknüpfen. "Die Zeiten, in denen eine Verbreitungstechnik alle Hörer erreicht, neigen sich dem Ende zu", fasst der APR-Vorsitzende Felix Kovac die absehbare Entwicklung zusammen.

In einem Positionspapier des Radioverbandes heißt es, einzelne Unternehmen und ihre Gesellschaften hätten durchaus unterschiedliche Ansichten zu einzelnen Vertriebswegen. Wer beispielsweise mit neuen bundesweiten massenattraktiven Angeboten an den Start gehen will, brauche zwingend DAB+. Lokale und regionale Angebote bräuchten dagegen dauerhaft die UKW-Verbreitung, für die seit Jahresbeginn 2016 erstmals ein Wettbewerb der Senderbetreiber gilt. Daher fordert der Verband eine langfristige Bestandsgarantie für die UKW-Verbreitung und das Ende jeglicher Bestrebungen den UKW-Hörfunk in Deutschland abzuschalten. "Und alle sind im Internet mit Streams, Webseiten und bieten Apps mit individuellen Zusatzangeboten an", beschreibt Kovac das vielfältige Bild der heutigen Radiolandschaft.

In ihrem Positionspapier appelliert die APR an die medienpolitisch Verantwortlichen der Länder, bewusste Entscheidungen für die Fortentwicklung des Hörfunks zu treffen. Die Diskussion dürfe nicht allein technisch geführt werden. Es gehe darum, für die einen neue Chancen beim Digitalradio zu eröffnen, ohne den anderen die Existenzgrundlage zu nehmen. "Das ist kein fauler Kompromiss, sondern die Schlussfolgerung aus der Erkenntnis, dass beim Radio ein Wettbewerb an Infrastrukturen mit jeweiligen Vor- und Nachteilen entsteht", so Kovac.

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