Für Bastler

So geht's: Android-Smartphones und -Tablets zum DAB+-Radio machen

Mit einer App und einem USB-Empfänger kann man Digitalradio über DAB und DAB+ auch mit Android-Smartphones und -Tablets hören. Wir haben die Applikation Wavesink Plus getestet.
AAA
Teilen (75)

Viele ärgern sich darüber, dass es auch fünf Jahre nach dem Start des Digitalradios DAB+ keine Smartphones oder Tablets gibt, die das digital-terrestrische Radio integriert haben. Wer oft unterwegs ist, ein Smartphone ohne UKW-Empfang besitzt, nur an Ortssendern interessiert ist und dabei nicht überall Zugriff auf WLAN-Netze hat, verbraucht unnötig Highspeed-Datenvolumen für das Hören von mobilen Internetradio-Stationen. Eine noch relativ junge App schafft nun Abhilfe.

DAB+ auf Smartphones für unter 20 Euro nachrüsten

Nutzer können Handy zum DAB-Plus-Empfänger machenNutzer können Handy zum DAB-Plus-Empfänger machen Wavesink Plus gibt es in der aktuellen, verbesserten Form seit dem vergangenen Jahr. Die App schafft es, terrestrisches Radio von USB-Empfängern mit dem Chipsatz RTL2832U von Realtek auch auf Smartphones und Tablets mit Android ab Version 4.0 hörbar zu machen. Mit der App kann der User nicht nur analoges UKW-Radio, sondern auch Digitalradio in den Modi DAB, DAB+ und DRM+ (in Deutschland außerhalb von Tests noch nicht im Einsatz) hören. Neben dem USB-Empfänger, den es schon zu Preisen ab 6 Euro versandkostenfrei im Online-Handel gibt, benötigt der Nutzer ein USB-OTG-Kabel (ab 1 Euro im Handel) sowie - je nach Entfernung zum nächsten Sendemast – eine externe Antenne, die häufig im Lieferumfang des Sticks schon vorhanden ist.

Kostenlose Probier-Version spielt nur UKW-Stationen

Die App gibt es bei Google Play in einer kostenlosen Trial und einer kostenpflichtigen Vollversion. Mit der Trial-App kann der Nutzer prüfen, ob sein Gadget den Anschluss eines solchen Sticks überhaupt erlaubt, sprich, der Empfänger erkannt wird und das Smartphone oder Tablet in den USB-Host-Modus wechselt. Funktioniert es (was leider nicht bei allen Gadgets der Fall ist), gibt die USB-Buchse des Smartphones oder Tablets die notwendige 5-Volt-Versorgungsspannung für den Stick aus. Außerdem kann der Nutzer in der Trial-Version prüfen, welche Radiostationen er empfängt. Die Senderliste wird mit über UKW und DAB/DAB+ empfangenen Stationen gefüllt, abspielbar sind jedoch nur die UKW-Stationen. Bei den DAB/DAB+-Stationen sieht der Nutzer Senderkennung, Slideshow und die Feldstärkenanzeige, und kann so Rückschlüsse auf den Empfang vor Ort ziehen. Es ist also in jedem Fall ratsam, die Trial-Version auszuprobieren, bevor man in die Vollversion investiert. Den notwendigen Treiber für den Chipsatz RTL2832U gibt es kostenlos bei Google Play, ist er auf dem Gadget noch nicht installiert, wird er von der Wavesink-Plus-App automatisch verlinkt.

Ist der Digitalradio-Empfang möglich, kann der Nutzer die Vollversion zum Preis von 12,90 Euro im Google Play Store kaufen. Nach dem ersten Start und dem Anschluss des Dongles an das Gadget führt die App zunächst einen Suchlauf durch und ordnet alle empfangenen Radiostationen - egal ob UKW, DAB oder DAB+ - in eine gemeinsame Programmliste. Diese steht bei jedem Neustart der App wieder zur Verfügung. Bei Ortswechsel ist es freilich möglich den Suchlauf (automatisch oder manuell) neu zu starten, anschließend wird die Programmliste aktualisiert.

Empfang von Stick und Antenne abhängig

Die Empfangsleistung ist vom verwendeten USB-Empfänger und der Antenne abhängig. Bei unserem Versuchsaufbau haben wir mit einem preisgünstigen 6 Euro-Stick und einer kleinen aufgesteckten Mini-Antenne (siehe Foto) im westlichen Rhein-Main-Gebiet im Gebäude 36 und außerhalb sogar 71 Programme empfangen. Die weiter entfernten Nicht-Ortssender kamen jedoch nur mit Tonaussetzern an. Während einer Fahrt im Bus blieb das Signal im Innenstadtbereich von Mainz völlig störungsfrei und stabil. Auch der Klang hat uns überzeugt und war wesentlich besser als beim Tivizen-Dongle für Apple-Gadgets. Der Akku unseres Smartphones - ein Sony Xperia Z - hielt bei Dauerbetrieb mit dem Dongle knapp über vier Stunden bei ausgeschaltetem Bildschirm. Das ist in jedem Fall weniger als bei DAB-Pocket-Radios, deren Akkus im Schnitt sieben Stunden halten.

Während uns der Digitalradio-Empfang positiv überrascht hat, kamen bei UKW nur die starken Ortssender an, und selbst das vor allem im Innenstadtbereich nicht immer störungsfrei. Immerhin bietet die Wavesink-Plus-App im UKW-Bereich RDS mit Radiotext, bei schlechter werdendem Empfang steuert sie wie ein Autoradio Alternativfrequenzen an - sofern diese vorhanden und empfangbar sind.

Fazit: Mobile Einsatzmöglichkeiten beschränkt

Alles in allem hat uns die App überzeugt, obwohl sie in der Vollversion nicht gerade preisgünstig ist. Dennoch sind die mobilen Einsatzmöglichkeiten beschränkt, denn nicht jeder möchte oder kann mit einem solchen Dongle am Smartphone und zusätzlicher Antenne herumlaufen. Wer häufig auf Reisen ist, nicht immer Zugang zum WLAN hat und kurz einmal die Nachrichten oder eine Sportübertragung im Hotel oder auf einer Parkbank hören möchte, ohne dabei das Highspeed-Datenvolumen zu belasten, für den bietet sich die App jedoch an.

Teilen (75)

Mehr zum Thema Zubehör