Digital Radio

Autoradios für den DAB+-Empfang nachrüsten

Pocket- und Mini-Digital-Radios können bestehendes Autoradio ergänzen
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Der DAB+-Pocket-Empfänger DA9011 von Philips in Aktion.Der DAB+-Pocket-Empfänger DA9011 von Philips in Aktion. Alle Spiele der Fußball-Bundesliga live in voller Länge bei 90elf, Rockmusik bei Radio Bob, heiße Techno-Beats bei sunshine live, Entspannungsmusik bei Lounge FM? Das am 1. August gestartete Digitalradio (DAB+) hat mit seiner großen Auswahl an neuen Sendern und Formaten bereits zahlreiche Fans gefunden. Viele wollen die neue Radiovielfalt auch unterwegs im Fahrzeug nutzen, doch genau hier hört der Spaß zumeist auf: Das bestehende Werksradio kann noch kein DAB+ empfangen, der Austausch des Autoradios durch einen DABplus-tauglichen DIN-Empfänger ist aber nicht möglich, weil das Gerät fest integriert ist und auch wichtige Funktionen wie die Anzeige der Klimaanlage, Gebläseeinstellungen und andere Dinge mit überträgt. Doch es gibt einfache Möglichkeiten, jedes Autoradio in wenigen Minuten für Digitalradio nachzurüsten - und das zu einem Aufpreis von lediglich zwischen 50 und 75 Euro. teltarif.de erklärt, wie es geht und hat die Möglichkeiten ausgetestet.

Weitgehend Störungsfreier Empfang mit Pocket Radio Philips DA9011

Viele Autoradios verfügen über einen AUX- oder einen USB-Eingang. Hierüber ist es nicht nur möglich einen MP3-Player oder ein Smartphone, sondern auch ein DAB-Radio anzuschließen. In unserem Fallbeispiel haben wir den bereits vorgestellten Pocket-Empfänger DA9011 von Philips, den es zu Preisen ab 50 Euro im Handel gibt, an den AUX-Eingang unseres Testwagens (ein SEAT Altea XL) angeschlossen und sind eine zirka 50 km lange Strecke von Wiesbaden über die Autobahn A3 nach Limburg/Lahn gefahren. Das Gerät ist kompakt und kann problemlos im Fahrzeug abgelegt oder mit einem Magneten oder einer Klemme am Armaturenbrett befestigt werden. Da der Empfänger mit einem Litium-Ionen-Akku betrieben wird, benötigten wir lediglich ein Audio-Kabel, mit dem wir eine Verbindung zwischen Kopfhörerausgang des Pocket-Empfängers und dem AUX-Eingang des Autoradios hergestellt haben. Als Hörfunksender haben wir Absolut Radio gewählt, ein exklusiv über DAB+ im bundesweiten Multiplex verbreitetes Programm. Das Ergebnis hat uns positiv überrascht: Auf unserer Fahrt durchs hügelige Taunus-Land hatten wir nur einen kurzen Aussetzer in einer Talsenke zwischen Bad Camberg und Limburg, ansonsten war die Empfangsqualität auch ohne Außenantenne (das Audiokabel fungiert als Antenne) stets einwandfrei und auch die Soundqualität ließ nicht zu wünschen übrig.

Etwas lästig war lediglich die Bedienung über das kleine Drehrad des Philips-Radios. Senderwechseln bei hoher Geschwindigkeit ist nicht ratsam, da man schnell die Kontrolle über sein Fahrzeug verlieren kann, der Bediener sollte vor Fahrtantritt also einen Sender auswählen und diesen bis Fahrtende hören oder bei gewünschtem Wechsel des Programms einen Parkplatz ansteuern. Wer neben dem AUX- auch noch einen USB-Anschluss in seinem Fahrzeug besitzt, kann den Akku des Philips DA9011 auch unterwegs wieder aufladen, bei voller Aufladung sind bis zu zehn Stunden Musikgenuss möglich.

Auch wenn das Autoradio weder über einen AUX- noch einen USB-Anschluss verfügt kann der Nutzer DAB+-im Fahrzeug genießen. In diesem Fall dient ein UKW-Minisender (im Fachhandel ab etwa 15 Euro) für die Tonübertragung. Der Mini-Sender wird mit dem DAB-Pocket-Empfänger verbunden und bringt den Sound auf eine wählbare, freie UKW-Frequenz, die anschließend im Autoradio eingestellt wird.

Pure One Mini liefert noch bessere Empfangsergebnisse

Als Alternative haben wir anschließend den Empfänger Pure One Mini (ebenfalls ab 50 Euro in Online-Shops) im Auto platziert. Das Gerät ist zwar etwas größer als das Philips-Pocket-Radio, dafür verfügt es jedoch über eine herausziehbare Teleskop-Antenne und die Möglichkeit mittels einem 5,5 Volt-Adapter die Stromversorgung über die Autobatterie zu realisieren. Da der Empfänger vorn im Cockpit keinen Platz fand, haben wir ihn im Kofferraum versteckt und die Teleskopantenne zwischen den Sitzen eingeklemmt. Der Empfänger hat nun ausreichend Halt. Anschließend haben wir wieder eine Audioverbindung zum AUX-Eingang herstellt, zusätzlich haben wir das Gerät über den Zigarettenanzünder im Kofferraum an die Autobatterie angeschlossen. Anschließend sind wir die gleiche Strecke wie bei unserem Test mit dem Philips DA9011 gefahren. Diesmal hatten wir keinen einzigen Aussetzer, die Teleskopantenne sorgte also für eine Empfangsverbesserung. Nachteil ist jedoch, dass wir erneut während der Fahrt keinen Zugriff auf den Empfänger hatten und nicht den Sender wechseln konnten. Ein Vorteil ist dagegen, dass der Pure One Mini sofort startet und den zuletzt gehörten Sender wiedergibt, sobald man die Zündung erneut startet. In jedem Fall ist diese Lösung eine Alternative zum wesentlich teureren Pure Highway (ab 120 Euro in Online-Shops), den der britische Hersteller offiziell als Ergänzung von Autoradios für DAB/DABplus-Empfang auf den Markt gebracht hat. Der Pure One Mini ist zwar größer, hat aber eine ausziehbare Antenne.Der Pure One Mini ist zwar größer, hat aber eine ausziehbare Antenne.

Zu guter Letzt sind wir an den Rand des aktuellen Sendegebiets (die Stadt Montabaur im Westerwald) gefahren und haben unsere In-Car-Lösungen mit einem offiziellen DABplus-tauglichen Werksradio in einem BMW verglichen. Der Philips Pocket-Empfänger kam hier schnell an seine Grenzen, nur an zwei Stellen in der Stadt hatten wir überhaupt noch Empfang. Besser sah es bei unserer Lösung mit dem Pure One Mini aus: Immerhin in der Hälfte des Stadtgebiets war Aussetzer freies Radiohören möglich. Überrascht hat uns, dass das BMW-Werksradio mit Außenantenne im Vergleich dazu auch nicht viel bessere Ergebnisse lieferte, auch hier wimmelte es im Stadtgebiet nur so vor Aussetzern.

Unser Fazit: Wer in einem gut versorgten Gebiet, etwa in einem Ballungsraum, wohnt, kann durch einen Pocket- oder Mini-Empfänger ohne großen Aufwand preisgünstig und störungsfrei Digitalradio in sein Fahrzeug integrieren. Und da die Sendegebiete schon 2012 weiter ausgebaut werden sollen, werden auch die weißen Flächen auf dem Lande immer weniger. In Punkto Bedienkomfort können die von uns getesteten Notlösungen freilich nicht mit echten Autoradios inklusive DAB-Empfang mithalten. Aber die Empfangsleistungen haben uns dennoch positiv überrascht, und eine Möglichkeit, zumindest am mobilen Digitalempfang zu schnuppern und seinen via UKW nicht vorhandenen Lieblingssender zu hören, stellen die kleinen Digitalradios in jedem Fall dar.

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