Internet-Kriminalität

Cybercops kämpfen gegen Kinderpornos und Betrüger im Internet

"Das Internet ist wirklich ein schwarzes Loch ohne Boden"
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Cybercops gegen Internet-Kriminalität Cybercops gegen Internet-Kriminalität Fieberhaft arbeiten Ermittler in aller Welt daran, Konsumenten und Machern von schrecklichen Kinderpornos auf die Schliche zu kommen. In Bayern haben Internet-Fahnder nun Verstärkung bekommen von Computer- und Wirtschaftsexperten. Seit Anfang August gibt es 52 dieser Cybercops. Sie sind mit normalen Polizisten im Netz unterwegs, um Straftaten aller Art aufzuspüren - egal ob es sich um Gewaltvideos, Hackerangriffe, Betrug oder politisch motivierte Taten handelt.

Ein Jahr lang wurden sie zu Polizisten ausgebildet. Neun von ihnen schieben Dienst in den schlichten Büroräumen des Landeskriminalamtes (LKA). Doch wie geht man damit um, wenn man bisher nur mit Technik zu tun hatte und auf einmal in die Abgründe der Kinderpornografie blicken muss? "Das Bildmaterial, mit dem man hier konfrontiert wird, ist zu 99 Prozent echt, da steckt ein Missbrauch dahinter und das macht es schwieriger, das zu verarbeiten", sagt ein ehemaliger Firewall-Administrator. Er ist vor allem entsetzt über die Flut an pornografischen Bildern. "Ich dachte, dass ist ein kleiner Randbereich in der Gesellschaft, aber die Menge der Daten, die hier verarbeitet werden, hat mich schockiert."

Seinen Chef Bernhard Egger, Leiter des Fahndungs- und Ermittlungsdienstes beim Landeskriminalamt, beschäftigt noch ein anderer Aspekt, wenn er die Urheber dieser Bilder zu finden versucht. "Da schwingt die ganze Zeit die Frage mit: Was macht der Täter jetzt gerade, wie komme ich an den ran", sagt er. "Der Täter hört ja nicht auf, der macht weiter." In die zusätzlichen Cops setzt er deshalb große Erwartungen. Seine Hoffnung nach den ersten 100 Tagen: "Ein gegenseitiges Hochschaukeln." IT-Fachleute, die kriminalistisches Denken entwickeln. Und Kriminalbeamte, die ein besseres technisches Verständnis bekommen.

"Einzige Möglichkeit, Internet sicher zu machen, ist den Bürger zu sensibilisieren"

Doch die Jagd nach Pädophilen ist für die Cybercops nur ein Aspekt ihrer Arbeit. Sie sondieren das Netz auch nach terroristischen oder extremistischen Aktivitäten, sie informieren Kollegen, wenn irgendwo eine ausufernde Facebook-Party droht oder sie kämpfen sich durch den Dschungel von Finanzdaten. Bei Wirtschaftsdelikten sind sie deshalb kaum mehr wegzudenken, müssen doch hier oft besonders große Datenmengen durchforstet werden. Eine mühsame Fleißarbeit, die dank der Computerexperten nun schneller voran geht, wie Abteilungsleiter Jürgen Miller bestätigt. "Das technische Knowhow der Kollegen ist auf dem aktuellsten Stand und aus vieljähriger Berufserfahrung haben sie ganz andere Einfälle."

Auch wenn viele der neuen Beamten mit dem Medium Computer bestens vertraut sind - aus Sicht eines Polizisten sieht der virtuelle Raum gleich ganz anders aus. "Das Internet ist wirklich ein schwarzes Loch ohne Boden", findet nun ein Informatiker, der früher Assistent an einer Hochschule war. Alle Versuche, das Netz zu regulieren, seien deshalb zum Scheitern verurteilt. "Die einzige Möglichkeit, Internet sicher zu machen, ist den Bürger zu sensibilisieren." Da sei noch viel zu tun, etwa beim Online-Banking: "Meine Erfahrung ist, dass es immer wieder eine große Anzahl Leute gibt, die auf einfachste Tricks reinfallen."

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