Neuer congstar-Chef: "Wir greifen an - congstar ist wieder da!"
06.09.2011 11:43
100 Tage im Amt: congstar-Geschäftsführer Martin Knauer im Interview mit teltarif.de
Von
 Der neue congstar-Geschäftsführer Martin Knauer
Er ist nun ziemlich genau 100 Tage im Amt: Zum 1. Juni dieses Jahres
übernahm Martin Knauer (47) die Geschäftsführung des
Telekom-Discounters congstar. Sein etwas glücklos
agierender Vorgänger Alexander Lautz hatte das Unternehmen zuvor Ende März
verlassen und ist nun für den Geschäftsbereich "Connected Car" bei
T-Systems zuständig. Wir hatten die Gelegenheit, Martin Knauer am Rande
der IFA in Berlin für ein Interview zu treffen. Der Telekom-Manager stand
uns dabei bereitwillig und offen Rede und Antwort.
Knauer: "Sitze im driver's seat"
Der Grund, warum er seinen vorherigen Posten bei der Deutschen Telekom ("Vice President ICT Business
Europe") verlassen hat und zu congstar gewechselt ist, sieht Knauer vor allem in der veränderten
Rolle: Er wolle wieder unmittelbare unternehmerische Verantwortung übernehmen, sagt der Manager.
"Ich sitze hier im driver's seat. Man kann richtig was bewegen in dieser Aufgabe", sagt er. Dabei
macht Knauer keinen Hehl daraus, was die Muttergesellschaft Deutsche Telekom von ihm erwartet: "Ich
bin zum Geschäftsführer berufen worden, um congstar erfolgreich zu machen." René Obermann habe erst kürzlich seine Solidarität zu congstar
bekundet: "Wir stehen zu congstar", soll der Telekom-CEO bekräftigt haben.
Weggang von Alexander Lautz: "Ganz normaler Zyklus"
Auch aufgrund der diversen Probleme in der jüngsten Vergangenheit - etwa
bei der Rechnungslegung oder dem Kundenservice - sei es ein schweres Jahr für congstar gewesen.
Seine Aufgabe sei es nun, "das kurzfristig zu drehen". Dabei sei man aber auf einem guten Weg, die
aktuelle "Comic-Kampagne" mit den animierten Menschen laufe äußerst erfolgreich. Dass sein Vorgänger
Alexander Lautz aufgrund der Probleme der Vergangenheit seinen Hut habe nehmen müssen, glaubt Martin
Knauer indes nicht: "Der hat drei, dreieinhalb Jahre gemacht. Das ist ein ganz normaler Zyklus." Er
selbst wolle den Posten des Geschäftsführers aber gerne länger bekleiden: "Ich kann mir vorstellen,
congstar länger zu machen. Der Minimum-Zeitraum sind drei bis fünf Jahre."
Zielsetzung: Zwei Millionen Kunden bis Ende des Jahres
 Die aktuelle congstar-Werbekampagne (Screenshot)
Martin Knauer präsentierte uns gegenüber auch wieder eine aktuelle Kundenzahl. Zuletzt hatte das
Unternehmen im April 2009 mitgeteilt, mehr als eine Million Kunden
gewonnen zu haben. Nun gab Martin Knauer bekannt, derzeit habe man "weit über 1,5 Millionen
aktive Kunden". Und prognostiziert selbstbewusst: "Dieses Jahr schaffen wir die 2-Millionen-Marke."
Dies wolle man auch durch neue Vertriebswege - so etwa durch eine neue Kooperation mit The Phone House - erreichen.
Im Mobilfunkbereich will Knauer mit congstar vor allem auf neue Postpaid-Produkte setzen. Vor allem
bei günstigen Tarifbundles - wie dem kürzlich eingeführten Smart-100-Tarif - sieht der Telekom-Manager Wachstumschancen.
Das auch vor dem Hintergrund, dass Postpaid-Kunden bei congstar mehr als doppelt soviel Umsatz
(ARPU) machten wie Prepaid-Kunden. Im Prepaid-Segment gelte
hingegen: "Unser Prepaid-Geschäft läuft."
Selbsteinschätzung: "Sind ein Marken-Discounter"
Knauer sieht congstar als "Marken-Discounter", der sich von extrem günstigen Discountern wie
klarmobil, discoTEL oder anderen absetze.
Marken-Discounter, zu denen Knauer auch Marken wie Fonic, simyo, Blau oder o.tel.o zählt,
definierten sich über eine bessere Qualität - auch und vor allem beim Kundenservice. Dabei glaubt
Martin Knauer daran, dass der Anteil der Discount-Kunden im
Mobilfunk von derzeit rund 18 auf 30 Prozent steigen werde.
DSL "macht momentan wenig Spaß"
Schwierig sei die Situation indes bei den DSL-Produkten, muss Martin
Knauer einräumen. Wir konfrontierten den neuen congstar-Geschäftsführer auch mit dem enormen
Preisunterschied zu (Discount-) Mitbewerbern wie 1&1, die
DSL-Doppel-Flat-Pakete bis zu 10 Euro pro Monat günstiger anbieten als congstar. "Dieses Jahr
haben wir keinen Vermarktungsfokus auf DSL. Das ist ein Mitnahmeprodukt", sagt Knauer. Allerdings:
Im vierten Quartal werde man eine "Neubewertung des DSL-Geschäfts" vornehmen - auch deshalb, weil
man "das Thema lange nicht angefasst" habe. Testweise verkaufe man DSL-Doppel-Flat-Pakete derzeit über Affiliate- und
Vertriebspartner bereits für 19,99 Euro statt 29,99 Euro pro Monat (Mindestvertragslaufzeit: 24 Monate).
"Das Thema [DSL] macht moment wenig Spaß", gibt Knauer zu. Im Moment könne sich congstar nicht als
DSL-Discounter im Konzern Deutsche Telekom positionieren. Daher müsse man "gemeinsam mit der Telekom
eine Entscheidung treffen"; seitens Knauer ist hier jedoch eine Umorientierung überfällig. "Diese
Diskussion müssen wir im Konzern führen", bestätigt der neue congstar-Chef.
Endlich: Call by Call und Preselection für All-IP-Anschlüsse kommt zum 1. Oktober
Eine wichtige Information für viele congstar-Kunden konnten wir - nach einem langen Streit zwischen Bundesnetzagentur
(BNetzA) und Telekom - in Erfahrung bringen: Die Möglichkeit,
Call by Call und Preselection auch bei All-IP-Anschlüssen der Telekom-Tochter nutzen zu können, wird zum
1. Oktober implementiert. Dabei können Kunden Call by Call dann ganz "normal" - sprich: per
Eingabe einer Vor-Vorwahl beim Wählen - in Anspruch nehmen und müssen keine zusätzlichen
Einstellungen in ihrem Router vornehmen. Wie berichtet, war dieser
Umsetzung eine lange Auseinandersetzung zwischen Bundesnetzagentur und dem Konzern Deutsche Telekom
vorangegangen.
Zum Abschluss des Interviews zeigte sich der neue congstar-Chef - der den Telekom-Discounter
zusammen mit dem zweiten Geschäftsführer Guido Scheffler leitet - noch einmal kämpferisch: "Wir
greifen an - congstar ist wieder da!"
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