Nach dem Boom-Jahr
2000, in dessen zweiter Hälfte
allerdings die so genannte Dotcom-Blase zu platzen begann, kann man das folgende
Jahr 2001 rückblickend getrost als das Jahr der Katerstimmung bezeichnen. Die
Internet- und Telekommunikations-Euphorie
wich grauer Ernüchterung, weil viele Geschäftsmodelle, in die man im Überschwang viel
Geld investiert hatte, nicht funktionierten. Doch nicht nur windige Geschäftsideen
gerieten in den Strudel der allgemeinen Depression - es traf auch eine Reihe
keineswegs virtueller Telekommunikationsunternehmen. Ein aufsehenserregender Fall in
Deutschland war die
Abschaltung von
TelDaFax, eines der ersten Unternehmen, die im
liberalisierten Festnetzmarkt antraten. Doch es traf auch andere, etwa
Star Telecom,
One.Tel,
Atlantic Telecom
und Internetanbieter wie
Callino. Die Pleitemeldungen wurden
zur Routine, so dass teltarif 2001 mit "Der Nächste bitte..." titelte.
Doch es traf nicht nur die Großen, auch zahllose kleine Anbieter mussten wieder
aufgeben. Und auch an Unternehmen wie teltarif ging diese Pleite-Welle in der
ITK-Branche nicht spurlos vorüber. Plötzlich wurde die Abkehr von der eben noch
gefeierten
Kostenlos-Kultur im Internet gefordert.
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Festnetz und Internet
Mobilfunk und Handys
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10 Jahre TK-Liberalisierung
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Mobilfunk: Exklusiver Cappuccino, GPRS und Multimedia

Was den Mobilfunk betrifft, war der Start des eigens für
den Erwerb einer UMTS-Lizenz gegründeten Unternehmens
Quam symptomatisch für das Jahr 2001: Trotz erheblicher
Anlaufschwierigkeiten konnte der als "Deutschlands
exklusivste Cappuccino-Bar" verspottete Newcomer innerhalb kurzer Zeit zahlreiche
Kunden überzeugen. Trotzdem
verschwand Quam kaum ein Jahr später in den
Annalen der Mobilfunkgeschichte.
Als erfolgreicher erwies sich eine ganz andere Neuerung, die im Jahr 2001 endlich
Einzug in die deutschen Mobilfunknetze hielt: GPRS. Der
General Packet Radio Service erhöhte die Geschwindigkeit für Datenübertragungen in den
Mobilfunknetzen von bisher schlappen 9,6 kBit/s bis 14,4 kBit/s auf
53,6 kBit/s - was damals als "Highspeed im mobilen Internet" galt. Im Laufe des
Jahres ging GPRS bei allen deutschen Netzbetreibern in den Regelbetrieb, erste
GPRS-Handys waren das Motorola Timeport P7389i oder das
R600. Nokia stellte im November 2001 sein erstes
Multimedia-Messaging-Handy vor: Das Nokia 7650 mit
Kamera, Bluetooth und
MMS-Funktion. Man ging damals davon aus, dass der überaus
erfolgreiche Short Message Service (SMS) bald durch
Multimedia-Nachrichten abgelöst würde, sofern nur die
entsprechenden Geräte dafür vorhanden wären. Zwar gibt es heute kaum noch Handys, die
MMS nicht unterstützen, versendet werden aber nach wie vor hauptsächlich SMS - und
das, obwohl sie in der Regel noch immer nicht besonders günstig sind.
Bei UMTS war die Katerstimmung in der Branche besonders spürbar - die hohen Kosten
für die Lizenzen drückten und der Netzaufbau erwies sich als komplizierter und teurer
als erwartet. Wenn auch der neue Regulierungs-Chef Matthias
Kurth das Gejammer der Mobilfunker über die hohen Lizenz-Kosten
übertrieben fand. Weit vor der Einführung des neuen
Mobilfunkstandards wurden aber die eigentlich für UMTS vorgesehenen Rufnummerngassen
geöffnet, weil die verfügbaren Mobilfunk-Nummern langsam
knapp wurden. T-Mobil nahm die Rufnummerngasse 0151 in Betrieb,
D2 Vodafone aktivierte die 0152 für Telefonnummern,
die mit der Zahl 0 beginnen.
DSL: Schnelles Internet und lange Wartezeiten

Nach der Einführung von Kampfangeboten im Jahr zuvor
war DSL auch im Jahr 2001 sehr begehrt: Die
Deutsche Telekom konnte den zweimillionsten T-DSL-Kunden
begrüßen.
Weniger gut lief das DSL-Geschäft bei den Wettbewerbern. Wer versuchte, den langen
Wartezeiten für T-DSL bei der Deutschen Telekom zu entgehen, indem er sich an einen
Konkurrenten wandte, etwa an Arcor, hing genauso in der
Warteschleife. Gerade im Osten Deutschlands scheiterte
der DSL-Ausbau häufig an den Glasfaserkabeln, die dort bis
ins Haus verlegt wurden.
Dort, wo DSL verfügbar war, versuchten neue Internetprovider wie
Synnet Internet Services ihr Glück.
Voraussetzung für die Nutzung dieser Angebote war ein DSL-Anschluss bei der
Deutschen Telekom. Mit Sync-City DSL beispielsweise
konnte man für 25,90 Mark im Monat zeitlich unbegrenzt surfen, der enthaltene
Traffic war aber auf heute lächerlich anmutende 500 Megabyte pro Monat beschränkt.
Festnetz: Erste Kombi-Produkte

Eingeführt wurden auch Kombiprodukte aus
ISDN-Anschluss
und Internetzugang, etwa bei Versatel. In der monatlichen
Grundgebühr von 99,90 Mark war die Internet-Flatrate schon enthalten. Im Ortsnetz
wurden in der Hauptzeit 5,9 Pfennig pro Minute, in der Nebenzeit 2,9 Pfennig
pro Minute in der Nebenzeit berechnet. Ferngespräche ins deutsche Festnetz kosteten zur
Hauptzeit 7,9 Pfennig und ansonsten 4,9 Pfennig pro Minute.
Bei den Call-by-Call-Anbietern sanken die Preise ebenfalls, bei
One.Tel beispielsweise konnte man zwischen 18 und 22 Uhr
für 3,5 Pfennig pro Minute telefonieren. Der Haken: Es wurden 4-Minuten-Einheiten
abgerechnet. "Extremist" im Bereich der langen Abrechnungstakte war allerdings
VarTec, der zwar Auslandsgespräche für 5 Pfennig anbot,
aber jeweils mindestens 20 Minuten abrechnete.
Die Telekom will die Leitung nicht teilen

Im Jahr 2001 verkündete die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post
(heute Bundesnetzagentur) wiederholt, für mehr Wettbewerb
im Ortsnetz sorgen zu wollen - hier verfügte die Deutsche Telekom noch immer über einen
Marktanteil von rund 98 Prozent. Im Mobilfunk erreichten die Wettbewerber der
Telekom bereits 70 Prozent und im Gesamtmarkt 40 Prozent der Umsatzerlöse.
Es sollten aber noch Jahre vergehen, bis die freie Anbieterwahl im Ortsnetz kam - auch
wenn Telediscount einen Erfolg
verbuchen konnte: Das Landgericht Köln wies einen Antrag der Deutschen Telekom auf eine
einstweilige Verfügung gegen Telediscount ab. Das Gericht sah den Umstand, dass bisher
noch kein anderer Wettbewerber auf den Gedanken gekommen war, über die Rufnummer
0190 Call by Call im Ortsnetz anzubieten, nicht als wettbewerbswidriges Verhalten an.
Ein anderer Engpass war die TAL, auch "letzte Meile"
genannt. Auch wenn die Zahl der vermieteten Teilnehmeranschlussleitungen kontinuierlich
stieg - zum Jahresende 2001 auf 600 000 - waren die Wettbewerber mit der Situation
unzufrieden. Für reine Internetanbieter wurde im Verlauf des Jahres das so genannte
Line Sharing zumindest formal möglich - hier kann der
DSL-Anbieter sich die Anschlussleitung mit der Telekom teilen, ohne sie komplett
mieten zu müssen. Weil aber noch Preise festgelegt
werden mussten, ging es dann doch erst 2002 los.
Was sonst noch geschah

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 | Tk-Statistik Deutschland |
 | 2001 |
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 | Festnetzanschlüsse |
 | 39,7 Mio. |
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 | Anteil der Festnetzanschlüsse bei Wettbewerbern der Deutschen Telekom |
 | 1,8 % |
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 | Mobilfunk-Anschlüsse |
 | 56,2 Mio. |
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 | Breitbandanschlüsse |
 | 2,0 Mio. |
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 | Verbindungsminuten Mobilfunk pro Tag |
 | 78 Mio. |
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| Quellen: teltarif.de, VATM |
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Im Jahr 2001 ging sang- und klanglos die Epoche der ISDN-Bildtelefone zuende. Die
1997 eingeführten und mit 1 000 Mark pro Gerät auch teuren Telefone hatten
sich schlecht verkauft. Angesichts von wesentlich günstigeren Software-Lösungen waren
die Geräte wie das
T-View 100 nicht mehr konkurrenzfähig.
Dem Satellitenhandynetz
Iridium wurde mit Hilfe des
US-amerikanischen Verteidigungsministeriums und des Boeing-Konzerns neues Leben
eingehaucht. Die Vermarktung von Iridium begann im
April 2001.
Und schließlich wurde mit den
Anschlägen vom
11. September 2001 deutlich, dass sich die reichen und hochentwickelten
Industrienationen des Westens zu lange in einer trügerischen Sicherheit gewiegt
hatten: Mit modernen Verkehrs- und Kommunikationsmitteln sind nicht nur Freunde,
Sonne und Urlaub, sondern auch Terror und Krieg nicht mehr weit weg. Ein paar Handvoll
zum Sterben bereiter Fanatiker konnten mit entführten Zivilflugzeugen auf dem Boden
der mächtigsten Nation der Erde ein Inferno anrichten. Und nicht nur das World Trade
Center brach zusammen, sondern auch sämtliche Telefon- und Handynetze in und um
New York. Selbst Newsserver in Deutschland waren in den Stunden und Tagen nach dem
Anschlag kaum zu erreichen.
Die Folgen dieser Anschläge sind noch heute überall spürbar, ob es die zeitraubenden
Kontrollen auf den Flughäfen sind, neue Reise- und Gepäckbestimmungen oder gesetzliche
Regelungen wie die
Online-Durchsuchung, die
Überwachung von Telefongesprächen oder die
Vorratsdatenpeicherung.
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