2000: Rekordzuwächse im Mobilfunk, Kleinkrieg im Festnetz

Stichworte des Jahres: UMTS-Euphorie, Großhandelsflat fürs Internet, der Trick mit den Ortgesprächen
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Die erste TK-Nachricht des Jahres 2000 war, dass der befürchtete Millennium-Bug weitgehend ausfiel. Bis auf vereinzelte Probleme in den Mobilfunknetzen war vom teilweise recht hysterisch angekündigten Y2K nicht viel zu bemerken. Nach dem rasanten Kundenwachstum im Jahr zuvor war es im Grunde auch kein Wunder, dass die Netzkapazitäten nicht mehr ausreichten, wenn sich alle Teilnehmer gleichzeitig per Handy ein gutes neues Jahr wünschen wollten.

Wuchernder Tarifdschungel im Mobilfunkmarkt

Ein Grund für dieses Wachstum waren die Millionen von Prepaid-Handys, die über die Ladentische gingen - und das, obwohl die Minutenpreise bei Prepaid-Karten etwa für Gespräche in andere Mobilfunknetze fast zwei Mark betragen konnten. Andererseits konnte man am Wochenende bereits für 15 Pfennig pro Minute ins Festnetz telefonieren. Insgesamt kamen die Mobilfunk-Preise kräftig ins Trudeln - auf der CeBIT 2000 wurden die Prospekte der Mobilfunker täglich mit Rotstift nachgebessert. Am Ende pendelten sich die Tarife auf 15 Pfennig pro Minute in der Cityzone ein. Dafür versuchten die Mobilfunk-Anbieter durch den Spagat zwischen Billig-Tarifen in bestimmten Bereichen und ansonsten sehr hohen Preisen ihre Subventionen für die vielen Handys wieder hereinzuspielen. Der Tarifdschungel trieb deshalb gerade im Mobilfunk schrille Blüten. Aus diesem Grund führte teltarif.de im Laufe des Jahres den Profilrechner für den Mobilfunk ein, mit dem die Nutzer ein individuelles Profil für ihre Mobilfunk-Nutzung erstellen und den für sie vorteilhaftesten Tarif ermitteln können.

Die UMTS-Euphorie und erste Schritte beim mobilen Internet

Außerdem sorgte das Kürzel UMTS für Furore. Bei der größten Auktion der deutschen Wirtschaftsgeschichte boten die sechs Bewerber Mannesmann Mobilfunk, T-Mobil, VIAG Interkom, E-Plus/Hutchison, Mobilcom/France Télécom und die Group 3G für die deutschen UMTS-Lizenzen die Rekordsumme von 98 807 200 000 Mark. Dabei lernte das mobile Internet gerade erst laufen: WAP entwickelte sich nach einigen Startschwierigkeiten besser als erwartet, VIAG Interkom startete als erster Anbieter in Deutschland GPRS im Regelbetrieb. teltarif brachte im Oktober 2000 unter wap.teltarif.de ein eigenes Angebot zur mobilen Nutzung heraus.

Das leidige Problem mit dem SIM-Lock, also der Bindung eines Handys an eine bestimmte SIM-Karte oder einen bestimmten Anbieter, erregte auch im Jahr 2000 schon Unmut. Aktuell wird diese Praxis mit der verschärften Anwendung der Handy-Sperre für andere SIM-Karten beim iPhone neu diskutiert.

Typische Handys im Jahr 2000 waren beispielsweise das Nokia 7110, das Siemens C35i, das Ericsson T18s, das Bosch 909 Dual S oder das Philips Savy Vogue. An interessanten Neuvorstellungen gab es mit dem Nokia 6210 das erste Bluetooth-Handy der Finnen, das Kommunikations-Terminal Communicator 9210 und das besonders ausdauernde Xenium 9@9 von Philips. Schließlich ging mit der Abschaltung des C-Netzes in der Nacht zum 31. Dezember 2000 die analoge Ära im deutschen Mobilfunk zu Ende.

Der Trick mit dem Call-by-Call im Ortsnetz

Im Festnetz lösten neue Call-by-Call-Discounter die bisherigen Spitzenreiter wie 01051 oder 3U ab. Neue Namen wie Super24, Teledump oder One.Tel tauchten auf den Spitzenplätzen der Tariftabelle auf. Die Preise für Festnetz-Ferngespräche innerhalb Deutschlands sanken im Durchschnitt auf 5,5 Pfennig pro Minute, Auslandspreise unter 10 Pfennig wurden realistisch.

Im Juni 2000 startete der lange angekündigte Pauschal-Tarif der Telekom, der gegen einen Aufpreis von 15 Mark auf die monatliche Grundgebühr kostenloses Telefonieren und Surfen an Sonn- und Feiertagen ermöglichte und sich T-ISDN XXL nannte. Die Wettbewerber waren wenig begeistert und fühlten sich unter Druck gesetzt. Hohe Wellen schlug der findige Trick des Düsseldorfer Anbieters Teledump, das Monopol der Telekom für Ortsgespräche zu knacken: Über spezielle Einwahlnummern stellte Teledump günstige Call-by-Call-Verbindungen innerhalb eines Vorwahlbereichs her. Außerdem gab es etliche Aktionen, bei denen kostenloses Telefonieren und Surfen angeboten wurde, daher richtete teltarif eine eigene Service-Seite für Kostenlos-Angebote ein.

Kampfpreise für T-DSL

Kurz vor Jahresende kam die vehement geforderte Großhandelsflatrate für Internet-Anbieter tatsächlich. Aber der große Wurf war damit noch nicht erfolgt. Auch die Großhandelsflatrate war noch immer relativ teuer und das Problem mit den Powerusern blieb weiterhin an den Providern hängen. Insbesondere unter den kleineren Internet-Anbietern grassierte das so genannte Flatrate-Sterben.

Alternative Internet-Zugänge per Kabelmodem wurden zwar diskutiert, doch auch hier saß die Deutsche Telekom am längeren Hebel. Mit der Erweiterung des Kabelnetzes um den Rückkanal hatte die Telekom es nicht eilig - sie setzte ihrerseits auf DSL und warb mit umstrittenen Tiefstpreisen für ihr eigenes DSL-Angebot. Für 49 Mark im Monat gab es eine T-DSL-Flatrate zum DSL-Anschluss, der monatlich 29,89 Mark kostete. Dennoch verfügten Ende 2000 nicht einmal eine halbe Million Surfer über den schnellen Internetzugang - das Interesse der Kunden überstieg die Kapazitäten der Telekom deutlich. Im Dezember 2000 warteten mehr als eine Viertelmillion Kunden auf die Bearbeitung ihres Antrags.

Was sonst noch passierte

Tk-Statistik Deutschland 2000
Festnetzanschlüsse 39,7 Mio.
Anteil der Festnetzanschlüsse
bei Wettbewerbern
der Deutschen Telekom
0,8 %
Mobilfunk-Anschlüsse 48,1 Mio.
Breitbandanschlüsse 0,16 Mio.
Verbindungsminuten
Mobilfunk pro Tag
67 Mio.
Quellen: teltarif.de, VATM
Außerdem wurde im Jahr 2000 die Bezahlung kleiner Geldbeträge per Telefon-Anruf über eine 0190-0-Nummer möglich. Die Abrechnung konnte sowohl nach Zeit als auch pro Anruf erfolgen - so konnte beispielsweise eine bestimmte Summe für einen guten Zweck gespendet werden. Allerdings eröffnete dieser Dienst auch windigen Geschäftemachern ganz neue Möglichkeiten.

Im Mai startete mit paybox ein erstes mobiles Bezahlsystem für die Benutzung mit dem Handy. Außerdem bot Callrewards WebPhone im Sommer kostenlose Ferngespräche über das Internet an. Damit war der erste Schritt für die weltweite Internet-Telefonie getan. Außerdem war 2000 das Jahr der ersten globalen Viren-Epidemien, die sich in Windeseile per Internet ausbreiteten und Millionen von Computern infizierten - ILOVEYOU dürfte der bekannteste Vertreter seiner Art gewesen sein, der nicht nur zahlreiche Nachahmer fand, sondern auch einem neuen Industriezweig die Existenzgrundlage verschaffte - den Antiviren- und Sicherheitssoftware-Spezialisten.

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