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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 24.05.2013 |
1998: Erste Telekom-Festnetz-Alternativen, Viag Interkom starteteStichworte des Jahres: Internetstreik, Gassenbesetzt und Call by Call
Der 1. Januar 1998 war der Tag, auf den viele Telefonkunden gewartet hatten.
Erstmals war es möglich, auf einfachem Wege über das Netz eines anderen
Anbieters zu telefonieren. Dafür musste der Telekom-Kunde
lediglich eine fünfstellige Ziffernfolge vor die eigentliche Telefonnummer setzen
und schon sanken die Telefonkosten zum Teil deutlich. Das
Call-by-Call-Verfahren war geboren.
19 Pfennig pro Minute kostete damals etwa ein Gespräch ins deutsche
Festnetz, wenn der Kunde die 01019 vorwählte.
Dabei handelte es sich um die Vorwahlnummer von Mobilcom.
Zum Vergleich: Wer im Januar werktags um 15 Uhr
über die Telekom von Berlin nach München telefonierte, der zahlte dafür knapp
53 Pfennig pro Minute. Vormittags waren es mit 60 Pfennig
sogar noch mehr. Für Unmut unter den Kunden sorgten damals nicht nur
die Tarife, sondern auch Tarifbezeichnungen wie RegioCall,
GermanCall oder Short-Distance-Call.
Bei einem derartigen Preisunterschied war es kein Wunder, dass die Kunden sich auf die neuen Billigangebote stürzten. Das Resultat: Die Leitungen waren chronisch überlastet. "Gassenbesetzt" war eines der Phänomene des Frühjahrs 1998. Mobilcom, aber auch andere Anbieter, hatten schlicht zu wenig Kapazitäten bereitgestellt. Besser war die Situation bei Anbietern, die eine Anmeldung für Call by Call verlangten. Diese waren jedoch teurer als die Anbieter ohne Anmeldung. Durch die Anmeldung konnten die Anbieter kontrollieren, wie viele Kunden ihren Dienst nutzen. Es kam bei Anbietern wie Tele2 und Telepassport zu Anmeldestaus und Freischaltungsstopps, weil auch hier die Kapazitäten nicht mehr ausreichten. Wirklich entspannter wurde die Situation erst im Laufe des Jahres mit zunehmender Anzahl der Anbieter und mehr Kapazitäten. Viag Interkom startete NetzbetriebAm 1. Oktober 1998 nahm das vierte deutsche Mobilfunknetz seinen Betrieb auf. Nach T-Mobil, Mannesmann D2 (heute Vodafone) und E-Plus startete Viag Interkom (heute o2) in acht Ballungszentren. Damit Kunden außerhalb dieser Gebiete überhaupt telefonieren konnten, wendete Viag Interkom einen Trick an: Auf der SIM-Karte war eine zweite Identifikationsnummer hinterlegt, die zum Schweizer Mobilfunknetz der Swisscom gehörte. Wie ein Schweizer Roaming-Kunde in Deutschland konnte der Viag-Interkom-Kunde damit alle anderen Netze nutzen, wenn er beim Einschalten des Handys hinter seiner eigentlichen PIN eine "1" eingegeben hatte. Die Tarife waren für damalige Verhältnisse günstig: 99 Pfennig pro Minute zur Hauptzeit, 29 Pfennig pro Minute zur Nebenzeit, solange der Kunde sich im Viag-Netz aufhielt. Bis Ende des Jahres gewann man immerhin 210 000 Kunden. Mobilfunkkosten durch Callthrough senkenTelefonieren über Mobilfunk war 1998 noch sehr teuer. Minutenpreise oberhalb von 1,50 Mark waren keine Seltenheit. Kein Wunder, dass die Kunden versuchten, diese Kosten zu umgehen. Möglich machten dies verschiedene Callthrough-Anbieter, etwa First Telecom. Der Trick bei Callthrough: Der Handynutzer wählt sich auf einer für ihn kostenlosen Nummer ein, erreicht einen Vermittlungscomputer und telefoniert von dort aus zu günstigeren Tarifen weiter. Doch das war den etablierten Anbietern ein Dorn im Auge. Die Telekom schaltete im Juli die wichtigste Einwahlnummer von First Telecom kurzerhand ab. Wir stellten damals einen Ablauf der Ereignisse zusammen. Den damaligen Streitigkeiten war es geschuldet, dass die 0800-Nutzung aus den Mobilfunknetzen später für die Inhaber der Nummern teurer wurde, was dazu führte, dass Callthrough-Dienste über diese Nummern sich schließlich kaum noch lohnten. Was passierte sonst?
Im März 1998 startete teltarif.de mit seiner eigenen Domain. Zuvor war der Informationsdienst auf einem Uni-Server realisiert worden. Ende des Jahres erreichte teltarif.de eine Million Pageimpressions pro Monat. Einen Zugang zum Internet zu Hause hatten noch nicht viele Nutzer, dafür gab es einen regelrechten Boom bei den Internet-Cafés. Für den Hausgebrauch war vielen Nutzern das Internet schlicht zu teuer - einer der Gründe, warum im Herbst 1998 zum Internetstreik aufgerufen wurde. An zwei Sonntagen sollte sich niemand ins Internet einwählen. Ende des Jahres gab es dann die erste Flatrate: Erhältlich war sie mit der Zeitschrift Tomorrow. Eine Einwahl zwischen 19 und 7 Uhr und am Wochenende kostete pauschal 77 Mark im Monat. Doch diese Internetpauschale - damals noch per Modemeinwahl realisiert - war schnell überlastet, eine Einwahl fast nicht möglich. Die Tomorrow-Flat existierte nur bis 1999.
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