Vorsicht

Sicherheit im Chatroom: Nicht jeder Bekannte ist ein Freund

Gerade Jugendliche sollten bei neuen Kontakten vorsichtig sein
Von mit Material von dpa
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Sicherheit im Chatroom: Nicht jeder Bekannte ist ein FreundSo chatten Jugendliche sicher Soziale Netzwerke bieten für Menschen aller Alters­klassen die Möglichkeit, mit Freunden und der Familie weltweit in Kontakt zu bleiben. Aber auch neue Bekannt­schaften sind in der virtuellen Welt schnell geknüpft. Während viele Kontakte sicherlich harmlos sind, gibt es aber auch immer wieder Vorfälle, bei denen das Gegenüber fragwürdige Absichten hat.

Gerade für junge Leute stellen die Chatrooms ein gewisses Risiko dar. Verstehen sie sich mit jemandem gut, wollen sie denjenigen vielleicht persönlich treffen. Das kann aber schnell in die Hose gehen und sogar gefährlich werden. Denn hinter dem netten Jungen oder dem lustigen Mädchen können sich ganz andere Personen verbergen, als die, die erwartet werden.

Ganz alleine sollten sich Jugend­liche deshalb nie mit einem völlig Fremden treffen, sagt Dilek Atalay von der Initiative Klicksafe.de. "Im Netz weiß man nie, ob die Identität der Wahrheit entspricht", erklärt sie. Deshalb sollten Jugend­liche nicht alles glauben, was im Chat geschrieben wird. "Im Internet darf man lügen, dass sich die Balken biegen", sagt Beate Krafft-Schöning von der Initiative NetKids. So wie man selbst schwindeln kann, können aber auch alle anderen schwindeln.

Gewisses Maß an Skepsis ist von Vorteil

Meldet sich beispiels­weise jemand, der in einer Großstadt wohnt, sei das für jemanden aus einem kleinen Dorf verlockend, sagt Krafft-Schöning. Wenn die Person dann ein ansprechendes Profilbild hat und angibt, Geld und ein Auto zu haben, übe das auf junge Mädchen einen großen Reiz aus. Denn junge Menschen fallen oft auf bestimmte Fantasiebilder herein. Deshalb sollten sie auf kleine Details achten: "Kommt der Jugendliche zum Beispiel aus Düsseldorf und die unbekannte Person aus Hamburg und sie sagt, dass sie zu einem Treffen kommt, sollte man skeptisch sein", erklärt Atalay. Denn fährt jemand so eine weite Strecke nur für ein Kennen­lernen, können dahinter andere Absichten stecken.

Krafft-Schöning kennt solche Szenarien aus ihrer Arbeit an Schulen. Eine 13-Jährige hatte im Internet einen Jungen Ende 20 kennengelernt. Sie vertraute ihm und ließ sich auf ein Treffen ein. Dafür reiste der Junge extra aus einer anderen Stadt an und übernachtete in einer Jugend­herberge. Ohne dass jemand davon wusste, traf sich das Mädchen mit ihm und wurde vergewaltigt. Erst nach einem Jahr konnte sie darüber reden und war jahrelang in Therapie.

Wenn ein Treffen, dann nur in Begleitung

Damit so etwas nicht passiert, empfehlen Atalay und Krafft-Schöning, zu einem Treffen immer einen Erwachsenen mitzunehmen. "Das muss nicht unbedingt ein Elternteil sein", sagt Kristin Langer von der Initiative "Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht". Statt­dessen können Jugendliche beispielsweise ihre erwachsene Cousine mitnehmen. Es sei zwar langweilig, einen Erwachsenen mitzunehmen, aber notwendig. Denn im Ernstfall könne er den Jugendlichen schützen. Die gleich­altrige Freundin ist in einer brenzligen Situation über­fordert. "Sie ist dann zu verdutzt, um die 110 zu wählen", erläutert Krafft-Schöning.

Um sich abzusichern, sollten sich Jugendliche nie bei jemandem zu Hause verabreden. Besser ist laut Atalay ein Café oder ein Lokal. Der Treffpunkt sollte so gewählt werden, dass man Hilfe rufen kann, sagt Krafft-Schöning.

Um zu testen, ob das Treffen in eine falsche Richtung laufen könnte, kann der Jugendliche der Bekannt­schaft im Vorfeld mitteilen, dass er einen Erwachsenen mitbringt. "Sagt er daraufhin das Treffen ab, ist da etwas faul", sagt Langer. Während des Chats heraus­zufinden, wer sich hinter dem Nickname versteckt, sei hingegen schwierig. Jugend­liche können aber darauf achten: Sind es die gleichen Themen, über die man sich mit Freunden unterhält? Benutzt der andere typische Ausdrücke aus der Jugend­sprache?

Vorsicht bei intimen Fragen und zu persönlichen Details

Wenn Fragen nach dem sexuellen Interesse, den Erfahrungen oder der Unterwäsche gestellt werden, sollten die Alarmglocken angehen. Auch wenn Jugendliche die Webcam einschalten sollen, sei höchste Vorsicht geboten, warnt Langer. Sie rät, den Chat zu verlassen und die Person zu blockieren.

Um einen Eindruck zu bekommen, mit wem man schreibt, verschicken viele Jugendliche Bilder von sich. Will man Fotos austauschen, reicht ein Porträtfoto, sagt Krafft-Schöning. Denn darauf könnte man schon erkennen, ob man sich sympathisch sei. Es sollten keine Bikini-, Strand- oder Ganz­körper­fotos verschickt werden.

"Macht pfiffige Bilder", rät Langer. Das könnten Fotos mit Kopf­bedeckung, Sonnen­brille oder Detailaufnahmen sein. Mit Bild­bearbeitungs­programmen könne man viele Effekte erzielen, zum Beispiel ein verschwommenes oder ein schwarz-weißes Bild. Wichtig sei, dass die Person nicht deutlich zu erkennen ist.

Jugendliche sollten im Chat niemals persönliche Daten wie den kompletten Namen, die Adresse und die Telefon­nummer angeben. Denn weiß die Chat­bekannt­schaft zu viele private Details, kann es passieren, dass sie vor der Schule, nach dem Sport oder zu Hause auf den Jugend­lichen wartet. Auch Infor­mationen zu Familien­mit­gliedern, der Schule oder der Höhe des Taschen­gelds gehen niemanden etwas an.

"Denn aus diesen Themen können sich schnell problematische Anknüpfungs­punkte ergeben", erklärt Langer. So könne der Fremde dem Jugendlichen anbieten, ihm für bestimmte Leistungen Geld zu geben. Völlig verstummen müssen sie im Chat aber deshalb noch lange nicht: Unver­fängliche Themen sind zum Beispiel Hobbys, Sport, Tiere, Computer­spiele oder Musik.

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