Skype & Co

"Für Call by Call gibt es keinen adäquaten Ersatz"

Für die heutigen mehr als 5 Millionen Call-by-Call-Nutzer gibt es keine Alternativen, ist sich die Branche einig. Die Kunden nehmen keine Alternativ-Produkte an. Auch seien Skype & Co nicht mit echten Telefongesprächen vergleichbar.
Aus Köln berichtet
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Skype & Co sind keine Alternativen für Call by CallSkype & Co sind keine Alternativen für Call by Call Die Zukunft von Call by Call ist derzeit aufgrund einer Märkte­empfehlung der EU-Kommission gefährdet. Diese Märkte­empfehlung ist entscheidend für die regulierten Vorleistungen in den Mitgliedsstaaten, ergo müsste sich auch Deutschland daran halten. Doch in Deutschland ist Call by Call und Preselection ein ungewöhnlich starker Markt, wie TK-Experte Torsten J. Gerpott in einer umfang­reichen Studie des Marktes analysierte. Eine Abschaffung des Dienstes würde die Verbraucher wie von uns gestern berichtet mindestens 600 Millionen Euro jährlich kosten. Doch Alternativen sehen die Beteiligten der Branche nicht, wie auf einer Veranstaltung in Köln auf Initiative verschiedener Call-by-Call-Anbieter deutlich wurde. Die machen sich stark für einen Fortbestand des Dienstes.

Der Markt für Call by Call ist unbestritten geschrumpft. Für viele ehemalige Call-by-Call-Kunden spielt der Dienst keine Bedeutung mehr, weil sie entweder mit Handy- oder Festnetz­flatrates telefonieren, Callthrough-Produkte nutzen oder auf Skype und WhatsApp-Call gewechselt sind. Doch für die heutige durch­schnittliche Call-by-Call-Nutzerschaft (2014 noch mehr als 5,1 Millionen Haushalte) sind dies zumeist keine Alternativen, da diese Kunden nach Gerpotts Erhebung keinerlei Internet-Affinität besitzen und selbst die Benutzung von Handys aufgrund des hohen Durchschnittsalters (72 Jahre) oft nicht als Alternative gilt.

Kunden nehmen keine Alternativen an

In die Kritik gerieten auch Dienste wie Skype oder WhatsApp Call. Diese unterliegen nicht dem deutschen Fernmelde­geheimnis, berichtete Peter Schaar als ehemaliger Bundesdaten­schutz­beauftragter. Für ihn sind diese sogenannten OTT-Dienste (Over-The-Top-Dienste, die eine bestehende Datenleitung für ihre Zwecke nutzen) kein Ersatz zu einer echten Telefonleitung. Es sei zwar nicht möglich, das komplette TKG auf diese Dienste anzuwenden, gewisse Mindestregeln sollten jedoch selbstverständlich sein. Das sei aber bei Skype & Co nicht der Fall, weswegen man hier auch nicht von einem adäquaten Ersatz für Telefonate ins Ausland reden könne.

Ferner haben diese OTT-Dienste bei der bisherigen CbC-Nutzerschaft eine geringe Akzeptanz, weil sie die Nutzung eines Computers oder Smartphones voraussetzen und somit einen Internetzugang benötigen. Dieser ist bei den Kunden jedoch in der Regel nicht vorhanden und oftmals auch nicht gewünscht. "Zudem muss auch bedacht werden, dass bei Skype und anderen Diensten auch das Gegenüber einen Internetanschluss haben und gerade online sein muss", heißt es zudem aus der Branche. Das sei bei vielen Gesprächspartnern auch ein Problem.

Auch Mobilfunk-SIM-Karten, die sich an Kunden mit einem Migrations- oder Flüchtlingshintergrund richten (im Branchenjargon Ethno-Discounter genannt), seien keine wirklich Alternative. Am Rande der Veranstaltung schätzen Teilnehmer diese Tarife zum Teil als zumindest fragwürdig ein, wenn es um die AGB und ihre Konditionen geht. Oftmals seien die tatsächlichen Tarife auch auf den Webseiten schwer aufzufinden.

Call by Call sollte nicht eingestampft, sondern ausgebaut werden

"Die heutigen Call-by-Call-Kunden haben sich über Jahrzehnte an den Dienst gewöhnt und können sich auch nicht mehr umgewöhnen", resümierte Kai Petzke, Gründer und Geschäfts­führer von teltarif.de als Teilnehmer der Diskussions­veranstaltung in Köln. Es sei ein extrem wichtiges Produkt, das Vorwählen der Call-by-Call-Nummer sei für sie viel einfacher, als sich einen Handy-Tarif mit für sie passenden Konditionen herauszusuchen. Zudem sollte man nach Ansicht von Petzke eins nicht vergessen: "Call by Call ist der Grund für den Preisverfall, der 1998 eingesetzt hat, als wir noch 60 Pfennig pro Minute für ein Ferngespräch zahlen mussten." Nach seiner Ansicht solle Call by Call "nicht eingestampft, sondern sogar ausgebaut werden", wie er mit Blick auf die nicht mögliche Nutzung von Call by Call für Gespräche von alternativen Festnetz­anbietern, Kabelnetz­betreibern und Handynetzen sagte.

"Bündelprodukte, wie sie manche Anbieter schnüren, sind keine vollständige Alternative zu den Call-by-Call-Diensten", sagt auch die ehemalige Vize-Präsidentin der Bundes­netzagentur und heutige Geschäfts­führerin von WIK Consult, Dr. Iris Henseler-Unger. "Ein Wegfall der Regulierung hätte negative Folgen vor allem für den Wettbewerb im Endkundenmarkt." Sie befürchtet steigende Kosten für Telefonate ins Ausland und in die Mobilfunknetze. Deswegen empfiehlt auch WIK eine weitere Regulierung des Marktes 2, in dem Call by Call und Preselection reguliert werden.

Negative Folgen für die Kunden und den Gesamtmarkt befürchtet auch Ali Ünlü, Geschäftsführer der 010012 Telecom. Er berichtete bei der Veranstaltung jedoch weniger als Geschäftsführer seines Unternehmens, sondern eher als Berichterstatter der Kunden mit einem Migrationshintergrund. Er untermauerte dabei das zuvor schon angesprochene Bild von Kunden, die sich über Jahre an eine Nummer gewöhnt haben und diese nutzen. "Mobilfunk-Alternativen werden von den Kunden oft nicht angenommen." Oft müssten sich auch die Kinder darum kümmern, wie ihre Eltern telefonieren.

Welche Mehrbelastungen auf Verbraucher zukämen, würde Call by Call regulatorisch abgeschafft, hat Professor Torsten J. Gerpott in einer ausführlichen Studie zusammengefasst.

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