Krypto-Handy

Telekom dementiert Aus von abhörsicherem Handy

Ein umgebautes Samsung-Galaxy-Handy älterer Bauart sollte in hoher Stückzahl als abhörsicheres Handy in der Bundesregierung genutzt werden. Doch das Gerät fiel bei den Mitarbeitern durch. Laut NDR wird die Produktion eingestellt, Telekom dementiert.
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Auch die Chefin hat sich gegen das Samsung-Handy entschieden: Angela Merkel nutzt das umgebaute Z10.Auch die Chefin hat sich gegen das Samsung-Handy entschieden: Angela Merkel nutzt das umgebaute Z10. Die Deutsche Telekom wird die Produktion ihres abhörsicheren Krypto-Handys SiMKo3 offenbar einstellen. Das berichtet der NDR in seinem Hörfunkprogramm NDR Info. Die Telekom ziehe damit Konsequenzen aus dem stockenden Absatz des Geräts. Ein Konzernsprecher bestätigte dem NDR demnach, dass die für das sogenannte "Merkel-Handy" zuständige Unternehmenstochter geschlossen werden solle, sagte aber nichts zu den Gründen.

Update 10:55 Uhr: Telekom dementiert

Die Deutsche Telekom hat gegenüber der Nachrichtenagentur dpa die Einstellung des Krytohandys dementiert. Eine Berliner Tochterfirma, in der die Technologie für die sichere Kommunikation mit dem Simko3 entwickelt wird, werde zwar geschlossen, zugleich wechselten Entwickler zur Telekom. "Es ist eine Strukturveränderung, die nicht bedeutet, dass wir das Produkt einstellen", sagte ein Sprecher. Simko3 soll weiter lieferbar sein. [Ende des Updates]

Die Telekom hatte im vergangenen Jahr nach Bekanntwerden der NSA-Affäre einen Rahmenvertrag mit dem Bundesinnenministerium abgeschlossen. Demnach sollte der Konzern gemeinsam mit dem Düsseldorfer Konkurrenten Secusmart die Bundesregierung mit Krypto-Handys ausstatten. Insgesamt war ein Vertragsvolumen von 10 000 Geräten vorgesehen. Doch offenbar sind die Telekom-Geräte, die auf der so genannten Microkernel-Technik beruhen, unter Regierungsmitarbeitern nicht sonderlich beliebt.

Bislang wohl nur 600 Geräte verkauft

Aus Sicherheitskreisen erfuhr NDR Info, dass bisher lediglich etwa 600 Krypto-Handys der Telekom an die Bundesregierung verkauft worden seien. Sie basieren auf alten Galaxy-Geräten von Samsung. Nutzer beklagen, dass die Geräte in der Handhabung zu langsam seien und über zu wenig Speicherplatz verfügten. Stärker nachgefragt seien die abhörsicheren Geräte der Düsseldorfer Firma Secusmart. Diese basieren auf nachgerüsteten Geräten des Typs Z10 des kanadischen Herstellers Blackberry.

Die Bundesregierung steht damit vor einem Problem. Denn im Sommer war bekannt geworden, dass Blackberry Großbritannien die Düsseldorfer Secusmart übernehmen will. Blackberry bekäme durch den Kauf Zugriff auf eben jene Technik, mit der sich deutsche Politiker vor Abhörangriffen schützen wollen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte, dass derzeit im Wirtschaftsministerium geprüft werde, ob eine Übernahme durch Blackberry die Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik gefährde. Großbritannien gehört mit den USA zur Allianz der sogenannten "Five Eyes", die Geheimdienstinformationen untereinander austauschen. Mittlerweile sind etwa 2 500 Geräte mit Secusmart-Technik in deutschen Ministerien und Behörden im Einsatz.

Ministerium: Zusammenarbeit mit der Telekom geht weiter

Die Bundesregierung wolle auch künftig mit der Telekom in Sachen Krypto-Telefonie zusammenarbeiten, erklärte der Ministeriumssprecher weiter. Wie eine solche Zusammenarbeit aussehen soll, ist jedoch unklar. Denn derzeit steht nicht einmal fest, ob die Telekom an der Microkernel-Technik festhalten wird. Auf Nachfrage des NDR erklärte ein Telekom-Sprecher man prüfe derzeit mit Partnern "die Weiterentwicklung zukünftiger Lösungen für die sichere mobile Kommunikation". In jedem Fall werde der Konzern aber weiter in den Bereich der Krypto-Telefonie investieren. Unter anderem wolle man künftig Mittelstands- und Privatkunden stärker ansprechen.

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