Stärkerer Breitband-Ausbau

BNetzA: "Entspricht 1 MBit/s den Erwartungen der Menschen?"

Vizepräsidentin fordert TK-Branche zu mehr Breitband-Investitionen auf
Aus Düsseldorf berichtet
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BNetzA-Vizepräsidentin Henseler-Unger fordert TK-Branche zu mehr Breitband-Investitionen aufBNetzA-Vizepräsidentin Henseler-Unger fordert TK-Branche zu mehr Breitband-Investitionen auf Die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur (BNetzA), Dr. Iris Henseler-Unger, hat die Telekom­munikations-Unternehmen auf dem Fachkongress TK Europa zu mehr Investitionen in die Breitband-Infrastruktur aufgefordert. Sie wolle gleich mit den Problemen beginnen, begann Henseler-Unger ihren Vortrag in Düsseldorf und verwies darauf, dass sich die Quote an per Glasfaser versorgten Haushalte in Deutschland im EU-Schnitt nur im Mittelfeld bewege, die Investitions-Summen seit Jahren auf gleichbleibendem Niveau "dümpelten".

Eine "zu harte" Regulierung spiele in punkto zu geringen Investitionen indes keine überragende Rolle - sie mache lediglich rund zehn Prozent aus, sagte Henseler-Unger. Zwar liege die Breitband-Abdeckung mit mindestens 1 MBit/s mittlerweile bei 99 Prozent - aber: "Entspricht eine Bandbreite von 1 MBit/s den Erwartungen der Menschen?"

Henseler-Unger: "LTE-Ausbau ist ein Erfolg"

Sicher sei: Der LTE-Ausbau sei ein Erfolg, die weißen Flecken seien bereits in 12 von 16 Bundesländern geschlossen worden. Der Ausbau "hochleistungsfähiger Breitbandanschlüsse" gehe insgesamt jedoch "nur zögerlich" voran. Treiber seien hier vor allem die Kabelnetzbetreiber, betonte Henseler-Unger. Ende 2011 hätten 11 Millionen Haushalte theoretisch auf einen VDSL-Anschluss zugreifen können. Im Falle von Breitband via TV-Kabel seien es indes 25 Millionen Haushalte gewesen.

"Der bislang erreichte Ausbaustand mit Glasfaseranschlüssen liegt unter dem Potenzial, das selbst bei ungünstigen Annahmen realisiert werden kann. Die Bundesnetzagentur sieht den Wettbewerb als wesentlichen Treiber für die notwendigen Investitionen an und setzt daher auf den Ausbau in einem wettbewerblichen Umfeld", stellte die BNetzA-Vizepräsidentin klar.

Infrastrukturatlas soll Synergie-Effekte ermöglichen

Investitionsanreize will die Bundesnetzagentur indes auch mit dem neuen Telekommunikationsgesetz (TKG) setzen, das vor wenigen Tagen in Kraft getreten ist. Langfristige Regulierungskonzepte ermöglichten den Unternehmen eine bessere Planungssicherheit. Zudem sollen Synergien genutzt werden, indem die Unternehmen den Zugang zu ihren Infrastrukturen ermöglichen und andererseits auch Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und die Eisenbahninfrastruktur mitgenutzt werden können. Hierzu gibt es einen - derzeit auf freiwilliger Basis realisierten - Infrastrukturatlas mit "Daten von derzeit über 500 Infrastruktur­inhabern". Die Freiwilligkeit wird durch das neue TKG (Paragraph 77a) nun aber zur per Gesetz definierten Verpflichtung. Henseler-Unger warb unterdessen erneut für Open-Access-Modelle. "Freiwillige Zugangsangebote können die Auslastung der eigenen Plattform und damit die Profitabilität des eigenen Geschäftsmodells fördern", sagte die BNetzA-Vertreterin. Das zwischen Bundesnetzagentur und Anbietern etablierte NGA-Forum werde weiter fortgesetzt.

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