Editorial: Verpasst die DFL der Bundesliga den Todesstoß?
24.07.2011 16:53
TV-Sportrechte sollen zerstückelt vergeben werden - Worst Case für die Zuschauer
Von
 Verliert Sky die exklusiven Broadcast-Rechte?
Für die Zeit ab der Fußball-Bundesliga-Saison
2013/2014, also in zwei Jahren, steht
die Vergabe der Fußballrechte an. In dieser Woche sind durch einen Zeitungsbericht
Informationen durchgesickert, welche Pläne die Deutsche Fußball-Liga als
Organisator der Bundesliga für diese TV-Rechte hat. Kurz zusammengefasst: Es wird, wenn
es so kommt wie berichtet, nichts so bleiben, wie es die Zuschauer aktuell gewohnt sind.
Und am Ende sind es genau die Zuschauer, die sprichwörtlich in die Röhre schauen und
sich möglicherweise von der Liga abwenden. Auf Basis der durchgesickerten Informationen
wollen wir Ihnen Szenarien zeigen, die auf diese Ausschreibungen folgen könnten.
Wichtig dabei: Die genauen Aktionsbedingungen sind aktuell noch nicht bekannt. Durch
diese könnten sich die Szenarien durchaus noch ändern.
Seit jeher wird die Bundesliga von Premiere bzw. seinem Nachfolger Sky übertragen.
2006 überraschte die DFL die Branche und die Zuschauer bereits einmal
mit einer Vergabe an einen anderen Veranstalter. Arena scheiterte nur wenige Monate nach dem
Start, Premiere/Sky hatte wieder die Rechte. Lediglich auf die Rechte für die IPTV-Übertragung
musste der Münchener Pay-TV-Sender bei der vergangenen Ausschreibung verzichten. Sie gingen an
die Telekom. Broadcast per Satellit und Kabel sowie Web-TV blieben als gesamtes Paket bei Sky.
Zerstückelung der Liga
Die neuen Pläne sehen vor, dass der Spieltag in insgesamt zehn Scheiben zerlegt wird.
Die 1. Liga wird in drei Spiel-Pakete mit jeweils drei Verbreitungswegen aufgeteilt, so dass
es alleine für die 1. Bundesliga neun Bieterpakete gibt. Nach dem Zeitungsbericht wird
die 2. Liga aber nur als ein einziger Block für alle Verbreitungswege angeboten.
Wie genau diese Blöcke aussehen, lesen Sie in unserer
Meldung von dieser Woche.
Hier liegt auch genau eine der beiden enormen Schwachstellen der offiziell noch nicht
bekannt geben Pläne. Angenommen, Sky würde sich die sechs entscheidenden Pakete
für Kabel/Satellit und Web-TV (für Sky Go) buchen und die
Telekom böte erneut für Liga total! auf
die drei verbleibenden IPTV-Slots - wo bliebe die 2. Liga? Bietet Sky, wären die IPTV-Rechte
für Sky voraussichtlich wertlos. Böte die Telekom, könnte sie nichts mit den Broadcast-Rechten machen.
Sicherlich wäre eine Sublizenzierung möglich. Fraglich ist jedoch, ob die
beiden Firmen, die sich zuletzt zumindest öffentlich immer wieder gestritten haben, hier zu
einer Einigung kommen und ob es überhaupt ein Interesse gibt, dem Konkurrenten die
Rechte zu überlassen - auch wenn dieses Geld in die Kasse bringt.
Drei unterschiedliche Sender für einen Spieltag
 Verschiedene TV-Sender könnten ab 2013 die Liga live übertragen
Das andere Problem: Theoretisch ist es möglich, dass - betrachten wir einmal nur den
klassischen Broadcast-Bereich - Sky zwar weiterhin das Top-Spiel der Woche und vier
Spiele am Samstagnachmittag, ein Sonntagsspiel sowie die Konferenz live überträgt.
Die Rechte für die restlichen Samstagsspiele und ein
weiteres Sonntagsspiel könnte sich jedoch ein anderer
Sender sichern. Da es noch ein drittes Paket gibt, könnte das Freitagsspiel und
ein in bestimmten Szenarien mögliches drittes Sonntagsspiel bei einem weiteren, dritten
Sender ausgestrahlt werden. Möglich wäre zudem auch noch, dass die 2. Liga an einen weiteren
vierten Anbieter geht.
Für die Zuschauer bedeutet das im schlimmsten Fall: Drei unterschiedliche Pay-TV-Veranstalter
haben sich die Rechte gesichert. Um alle Spiele sehen zu können, muss der Kunde in diesem
Worst-Case-Szenario bei drei Pay-TV-Anbietern unterschreiben. "Kaum jemand will aber alle
Spiele sehen", werden viele sagen. Das mag stimmen, doch schon wer nur die Spiele
seines Lieblingsvereins sehen will, der wird seinen Verein mal in Lizenzpaket A, mal in B und
mal in C wiederfinden und müsste so alle drei Pakete abonniert haben. Gleiches gilt
natürlich auch für IPTV, wo das Ganze noch deutlich drastischer wäre. Denn
gingen die drei Pakete an drei unterschiedliche IPTV-Anbieter, würde sich niemand drei
unterschiedliche IPTV-Anbieter ins Haus holen.
DFL will mehr Geld für seine Vereine aus den Rechten holen - auf dem Rücken der Fans
Die Zerspaltung der Rechte - kommt sie so, wie dargestellt -
wird dazu führen, dass der Gesamtpreis des Rechtepaketes
steigen wird. Das liegt alleine darin begründet, dass kleinere, neue Anbieter beispielsweise
den Preis für das Paket C in die Höhe treiben könnten, um auf dem Bundesliga-Markt einen
Fuß in die Tür zu setzen. Sky wird seinerseits aber vermutlich alles daran setzen, seinen
Kunden weiterhin ein Gesamtpaket zu bieten und die Exklusivität der Bundesliga zu halten.
Das alles wird den Preis in die Höhe treiben.
In der Konsequenz werden dann wohl auch die Preise für den Endkunden steigen.
Doch schon heute bemängeln viele Fans, dass ihnen die Abo-Preise zu hoch sind.
Würden diese noch weiter steigen, wird die Zahl der Abonnenten sicherlich zurückgehen.
Das hat zur Folge, das weniger Zuschauer die Liga verfolgen. Damit würde die DFL
der Bundesliga und ihren Vereinen einen Bärendienst erweisen. Denn weniger Zuschauer
würden sich dann in der Folge auch auf die Sponsorenverträge auswirken. Deren Vertragshöhe
würde zurückgehen, der vermeintliche Gewinn aus den Vertragsrechten wäre dahin und die Fans
wären verloren. Die Rechtevergabe könnte so zu einem Todesstoß der Liga werden.
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