Breitband-Acker

Breitband auf dem Feld: Erntemaschinen synchronisieren Daten über Telekom-LTE

Breitband nicht nur im Büro, zuhause und im Auto, sondern zukünftig auch in der Landwirtschaft: Vernetzte Ernte­maschinen und Kuhställe synchro­nisieren Daten per LTE mit Telekom-Servern, um Prozesse zu optimieren.
Aus Berlin berichtet
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Breitband auf dem Feld: Erntemaschinen synchronisieren Daten über Telekom-LTEVernetzte Erntemaschinen und Kuhställe synchronisieren Daten per LTE mit Telekom-Servern Warum sollten Netzbetreiber außerhalb von Städten und Dörfern investieren, wenn dort niemand wohnt und keine wichtigen Verkehrswege verlaufen? Die Landwirtschaft könnte zukünftig ein Grund dafür sein. Auf der Herbsttagung der deutschen Breitbandinitiative hat Hans-Peter Grothaus vom Erntemaschinen-Hersteller Claas ein innovatives Projekt vorgestellt, das der traditionelle Maschinen­hersteller momentan zusammen mit der Deutschen Telekom in Sachsen-Anhalt durchführt.

Die Landwirtschaft ist schon seit Jahren eine Branche, die immer wieder in technische Innovationen investiert hat, doch die Vernetzung hat dabei bislang keine führende Rolle gespielt. Der Preisdruck wächst allerdings, und darum muss auch die Agrarwirtschaft über vernetztes Arbeiten nachdenken.

Weizen- und Rhapsernte mit vernetzten Erntemaschinen

Im Rahmen des aktuellen Projekts werden Vernetzungs­möglichkeiten bei der Weizen- und Rhapsernte sowie bei der Heuernte getestet. Auf den Erntemaschinen, die immer noch von Landwirten gefahren werden, befinden sich unzählige Sensoren, die beispielsweise den Korntank­füllstand, die Position oder die Fahr­geschwindig­keit der Erntemaschine protokollieren und diese Daten über LTE-Sendemasten in die Telekom-Cloud übermitteln. Dort werden die Daten in Echtzeit aufbereitet und wieder zurück auf alle momentan auf dem Feld arbeitenden Erntemaschinen übertragen. Auf dem Mähdrescher kann der Landwirt die Daten dann auf einem fest installierten Tablet abrufen.

Auch bei Heupressen kann das System zum Einsatz kommen: Wenn das Heu eingesammelt und der Ballen fertig ist, sagt das System: "Anhalten, Ballen abladen und Position an Abholer senden". Dann kann die Erntemaschine weiterfahren und außerhalb des Feldes wird ein Traktor mit Anhänger in Bewegung gesetzt, der den Heuballen abholt. Auch eine Koppelung mit Wetter-Beobachtung und -Analyse ist denkbar, damit bei aufziehenden Unwettern die Maschinen rechtzeitig die Arbeit abbrechen können.

Eine weitere Anwendungsform wäre der vernetzte Kuhstall, man könnte von der "Smart Cow" sprechen. Hier werden der Zustand des Kuhstalls und der Kühe protokolliert. Das System steuert dann die Futterzugabe für Kühe oder benachrichtigt den Landwirt, wenn mal wieder Melken oder Ausmisten angesagt ist.

Ziele und Herausforderungen vernetzter Landwirtschaft

Breitband auf dem Feld: Erntemaschinen synchronisieren Daten über Telekom-LTEVernetzte Erntemaschinen Das Ziel der ganzen Geschichte hat wie immer einen wirtschaft­lichen Hintergrund: Prozessoptimierung, bessere Performance und höhere Gewinnspannen. Man könnte sogar Mitarbeiter mit weniger Ausbildung die Erntemaschinen fahren lassen, weil das System so einfach steuerbar sein soll: "Da können Sie einen Lehrling draufsetzen", sagte Hans-Peter Grothaus während der Präsentation.

Doch die Heraus­forderungen bei der vernetzten Landwirtschaft sind nicht zu unterschätzen: Heterogene Maschinen­flotten und uneinheitliche Standards sind nur zwei der Probleme. Unerlässlich ist eine bessere Netzabdeckung auf dem Feld, bisher steht das Thema bei Netzbetreibern noch nicht so im Fokus bei unbewohnten Gebieten.

Auch Sicherheits­fragen gilt es zu klären und klar an die Landwirte zu kommunizieren: Landwirte sind traditionell sehr konservativ und werden sicherlich kritisch nachfragen, ob ihre ganzen Erntedaten in der Cloud wirklich sicher sind.

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