Breitband-Internet

Breitband-Investitionsindex: Ländliche Regionen weit hinterher

Am schlimmsten sind Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg betroffen
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Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind besonders von schlechter Breitbandversorgung betrofMecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind besonders betroffem Die strukturellen Voraussetzungen für den Breitbandausbau in Deutschland sind unterschiedlich verteilt. Fast alle kreisfreien Städte haben gute Ausbauvoraussetzungen, während insbesondere großflächige, dünn besiedelte Landkreise weit abgeschlagen sind. Dies zeigt der erste Breitband-Investitionsindex (BIIX), den der Verein Breitband-Investitionsindex (BIIX e.V.) im Netz veröffentlicht hat.

Der Verein hat den Breitband-Investitionsindex aus dem Produkt von Einwohner pro Quadratkilometer und Hauptverteiler pro Quadratkilometer gebildet. Zur Auswertung wurden Daten aus 413 Kreisen (davon 102 kreisfreie Städte, neun Stadtkreise und eine freie Hansestadt) herangezogen. Die 112 Städte sind bis Platz 167 vollständig im Ranking zu finden. Der erste Landkreis mit einer besseren Versorgungsvoraussetzung ist Mettmann auf Platz 53, gefolgt vom Main-Taunus-Kreis auf Platz 71. Landkreise landen fast durchgängig auf den hinteren Plätzen, ab Rang 168 sind ausschließlich Landkreise, aber keine Städte mehr vertreten.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Die beste Kennzahl unter den deutsche Städten konnten beim BIIX in dieser Reihenfolge München, Herne, Berlin, Stuttgart und Bochum vorweisen. Bei den Landkreisen sind ganz besonders Mettmann, der Main-Taunus-Kreis, der Regionalverband Saarbrücken, Offenbach und der Ennepe-Ruhr-Kreis gut versorgt. Von den zehn am schlechtesten versorgten deutschen Landkreisen liegen neun im Osten der Republik. Insbesondere Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind im ländlichen Bereich betroffen. Am schlimmsten getroffen hat es laut BIIX die Landkreise Mecklenburg-Strelitz, Müritz, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz und Uckermark. Der unattraktivste Landkreis in den westlichen Bundesländern ist Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen.

Kennzahl gibt Auskunft über zu erwartende Erlöse beim Breitbandausbau

Der BIIX soll die Ausbauvoraussetzungen für Investitionen in schnelle Internet-Zugänge zeigen. Je höher die Kennzahl ist, umso geringer ist der Aufwand und umso höher sind die zu erwartenden Erlöse beim Breitbandausbau anzusetzen. Die Spanne der Kennzahlen, die der Breitband-Investitionsindex ausweist, reicht von 0,43 (sehr negativ) bis 773,13 (sehr positiv).

"Mit dem BIIX wird erstmalig dargestellt, wie die Ausbauvoraussetzungen in den einzelnen Regionen Deutschlands in der Realität aussehen. Das ist für Bewohner, Verwaltung und Investoren eine gute Orientierung", behauptet Dr. Martin Fornefeld, Vorsitzender des BIIX e.V. und Geschäftsführer der Düsseldorfer Unternehmensberatung MICUS Management Consulting. Das Nachfrageverhalten der Nutzer ist aktuell noch nicht in die Ergebnisse eingeflossen, dies soll erst in einer weiteren Stufe im Index berücksichtigt werden. "Die Anwendungsmöglichkeiten des BIIX sind vielfältig. So können künftig Fördermittel gezielter eingesetzt werden. Dabei sind die Top-Regionen sicherlich eigenwirtschaftlich zum schnellen Internet aufrüstbar", erläutert Prof. Nico Grove von der Bauhaus-Universität Weimar und 2. Vorsitzender des BIIX e.V. die Anwendungsbereiche des Index.

Zu erwartende Erlöse wichtigeres Kriterium als Nutzerinteressen?

Der BIIX zeigt relativ klar, welche - insbesondere ländlichen - Regionen momentan bezüglich Breitband noch unterversorgt sind. Es stellt sich aber die Frage, welche Reaktionen das Ergebnis bei den Netzbetreibern und Investoren auslöst. Sicherlich mag der eine oder andere Investor gerne in den Breitbandausbau investieren, wenn er in den BIIX-Ergebnissen eine positive Kennzahl für den zu erwartenden Erlös vorfindet.

Allerdings bergen die Ergebnisse auch die Gefahr, dass Regionen, für die der BIIX eine besonders niedrige Kennzahl angesetzt hat, dauerhaft aus dem Blickfeld der Breitbandanbieter verschwinden. Aus dieser Sicht wäre es durchaus wünschenswert, unbedingt bei einer Neuauflage des BIIX die Nutzerinteressen aus den unterversorgten Regionen in das Ergebnis einfließen zu lassen, damit nicht überwiegend wirtschaftliche Überlegungen das Ergebnis mitbestimmen.

Außerdem gilt es, in ländlichen Regionen nicht nur die Interessen der Einwohner zu berücksichtigen, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung und den Tourismus im Auge zu behalten. Denn bei einer leistungsfähigen Anbindung ans Breitbandnetz werden auch ländliche Regionen für die Ansiedlung von Unternehmen und Besuche von Breitband-verwöhnte Touristen aus Großstädten interessant.

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