Bitschleuder

Ausblick 2012: 1000fach schneller als ISDN

Geschwindigkeit wird im Breitbandmarkt immer wichtiger
AAA

Waren Kunden in den DSL-Anfangszeiten schon froh, mit 0,768 MBit/s zu surfen, und nicht etwa mit nur 0,384 MBit/s via DSL light oder gar nur 0,064 MBit/s via ISDN, spielt sich heute der Konkurrenzkampf der Tk-Unternehmen in ganz anderen Gefilden ab: Werbespots locken mit 6, 16, 50 oder gar 100 MBit/s. Letztere Zahl wird im Jahr 2012 zu so etwas wie einem Schwellenwert werden: Wer von sich behauptet, "schnell" zu sein, wird schon 100 MBit/s bieten müssen, wenn er verhindern will, dass leistungshungrige Kunden woanders hin abwandern.

Ausblick 2012: 1000fach schneller als ISDNAusblick 2012: 1000fach schneller als ISDN Hier beginnt das Problem der etablierten Festnetz- und DSL-Anbieter auf Basis der Kupfer-Doppelader: 100 MBit/s gehen nur über kurze Strecken. Die zahlreichen großen grauen Outdoor-DSLAMs, die die Deutsche Telekom in den letzten Jahren aufgestellt hat, stehen aber zumeist in einem Raster, das den meisten Kunden nur 25 bis 50 MBit/s ermöglicht. Zwar bauen die großen Festnetz-Anbieter derzeit parallel den Mobilfunk-Turbo LTE auf, der bei guten Empfangsbedingungen 100 MBit/s und mehr schafft. Doch können oder wollen die Anbieter LTE (noch) nicht mit ausreichend großen und bezahlbaren Datenpaketen koppeln: Der Kunde braucht nicht 5, sondern 500 Gigabyte Transfervolumen, wenn er die hohe Geschwindigkeit für mehr als ein paar Minuten am Tag nutzen will!

Anders die (TV-)Breitbandkabel-Anbieter, für die 100 MBit/s oder sogar etwas mehr überhaupt kein technisches Problem mehr sind, und die ihre Netze derzeit zügig hochrüsten. In absehbarer Zeit wird die Maximalbitrate zudem noch weiter steigen. Selbstbewusst werben sie mit ihrer überlegenen Leistung, bieten teils sogar bei Verträgen mit mittlerer Bitrate die maximal mögliche Bitrate im ersten Jahr ohne Aufpreis zum Testen an: Soll sich der Kunde doch ruhig an 100 MBit/s gewöhnen; im zweiten Vertragsjahr wird er sie dann behalten wollen.

Mit ihrer Offensive konnten die Kabelanbieter, trotz kleinerem Ausbaugebiet und bisher nur geringem Anteil am Internet-Breitbandmarkt, im abgelaufenen Jahr ebenso viele Breitbandkunden hinzugewinnen wie die DSL-Anbieter. 2012 wird noch besser für das Breitbandkabel werden. Dem klassischen Festnetz droht hingegen bei der Zahl der Breitbandanschlüsse die Stagnation oder gar ein Rückgang, wie er bereits seit Jahren bei den herkömmlichen reinen Telefonanschlüssen und auch bei den Telefonanschlüssen insgesamt zu verzeichnen ist.

Hohe Investitionskosten für neue Netze

Den Festnetz-Betreibern, allen voran der Deutschen Telekom, bleiben nur zwei Alternativen. Sehr viel Geld in die Hand nehmen, um das Festnetz der Zukunft zu bauen: Glasfaser. Oder den Status quo bewahren und zusehen, wie man immer mehr Kunden an die schnellere Konkurrenz verliert.

Bisher scheint die Telekom eher der Status-quo-Lösung zu folgen: Mit dem Festnetz so lange noch Geld verdienen, wie es für die Kunden reicht. Jedenfalls ist sie mit dem Glasfaser-Ausbau sehr zurückhaltend. Nicht nur wegen der damit verbundenen hohen Kosten, sondern auch, weil sie fürchtet, dank starker Regulierung der Vorleistungen mit den eigenen Fasern auch nicht viel verdienen zu können. Wachsender Druck durch die Breitbandkabel-Anbieter könnte bewirken, dass diese Entscheidung noch einmal überdacht wird. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Telekom sich gegen eine rasche Migration von Kupfer zu Glasfaser entscheidet, zumindest in den Ballungszentren, und damit das Feld der Konkurrenz überlässt.

M-Net ist beispielsweise in München und Erlangen schon kräftig dabei, Fasern in den Innenstädten zu verlegen. Vor kurzem war Halbzeit, bis 2013 soll der Ausbau abgeschlossen sein. In den beiden Städten wird die Telekom schon aus Kostengründen mit Sicherheit nicht in einigen Jahren eigene Fasern parallel verlegen, sondern künftig für die eigenen hochbitratigen Anschlüsse Fasern von M-Net anmieten. Wir dürfen gespannt darauf sein, welche Entgeltanträge sie bezüglich der Regulierung der entsprechenden Vorleistungen bei der Bundesnetzagentur stellt, wenn die Telekom Nachfragerin und nicht etwa Anbieterin dieser Vorleistung ist. 2012 werden weitere Städte bzw. die dort tätigen regionalen Anbieter beschließen, dem Vorbild von M-Net zu folgen, und den eigenen Glasfaserausbau zu wagen.

Wie anders sich die Situation im ländlichen Raum darstellt und welche Perspektiven es hier gibt, erfahren Sie auf der folgenden Seite.

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