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Manning vor Gericht: Mutmaßlicher Wikileaks-Informant sagt aus

30.11.2012
10:37

Obergefreiter klagt über schlechte Behandlung im Militärgefängnis

Von mit Material von dpa
Manning vor Gericht: Mutmaßlicher Wikileaks-Informant sagt aus
Mutmaßlicher Wikileaks-Informant Bradley Manning
Der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning hat sich erstmals seit seiner Verhaftung öffentlich zu Wort gemeldet. Der US-Soldat äußerte sich in einer Anhörung vor einem Militär­gericht in Fort Meade (Maryland) zu den Haft­bedingungen nach seiner Festnahme im Mai 2010, wie ameri­kanische Medien berichteten.

Der 24-Jährige hatte damals, als er bis April 2011 im Militär­gefängnis von Quantico (Virginia) einsaß, über Schikane geklagt. Seine Vertei­digung argumentiert, dass die schlechte Behandlung dort ausreichend gewesen sei, um eine mögliche Strafe erheblich zu mindern. Zudem sei durch die Enthüllungen kein Schaden entstanden, weshalb eine Strafe von 30 Jahre Haft für den Ober­gefreiten angemessen sei.

Der junge Soldat wirkte bei seiner Aussage laut Berichten von Zuschauern nervös. Seine Angaben über die Haft­bedingungen sollen die Strategie der Verteidigung unterstützen und einen Prozess vermeiden helfen.

Schwerster Fall von Geheimnisverrat

Dem Ober­gefreiten der US-Armee wird vorgeworfen, während seiner Stationierung im Irak die Internet-Plattform Wikileaks mit Tausenden geheimen Dokumenten versorgt zu haben. Wikileaks hatte die Informationen über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie unzählige vertrauliche Diplomaten­depeschen in den Jahre 2010 und 2011 im Internet öffentlich gemacht.

Insgesamt werden Manning bislang 22 Verstöße gegen Militär­gesetze vorgeworfen. Am schwersten wiegt die Anschuldigung, "den Feind unterstützt" zu haben. Die Washington Post nannte den Vorfall einen der schwersten Fälle von Geheimnis­verrat in der ameri­kanischen Geschichte. Manning droht dafür lebenslange Haft. Ein Prozess ist nach bisherigem Stand für das kommende Jahr geplant.

Medienberichten zufolge hat sich Manning bereit­erklärt, sich in weniger schwer­wiegenden Anklage­punkten schuldig zu bekennen. Das könnte nach Ansicht von Rechtsexperten seine Chance erhöhen, vergleichs­weise glimpflich davonzukommen. Um wegen Unter­stützung des Feindes verurteilt zu werden, müsse die Anklage vorsätz­liches Handeln nachweisen - was schwierig sei. Die zuständige Richterin stimmte den Bedingungen bereits zu, unter denen sich Manning teilweise schuldig bekennen könnte. Aber das sei noch keine Entscheidung darüber, ob das Gericht das Schuld­bekennt­nis an sich akzeptieren werde und die Anklage bereit sei, die restlichen Anklage­punkte fallen zu lassen.

In der Aussage des 24-Jährigen in der Anhörung ging es nicht um die Vorwürfe an sich, sondern aus­schließ­lich um die bisherige Zeit in Unter­suchungs­haft. Manning war im Irak fest­genommen und zunächst rund zwei Monate in Kuwait festgehalten worden. Danach verbrachte er neun Monate in Einzel­haft in einem Militär­gefängnis in Quantico, bevor er schließlich unter etwas gelockerten Haft­beding­ungen in ein Gefängnis in Kansas verlegt wurde.

Während der Haft: Manning habe an Selbstmord gedacht

Dem Sender CNN zufolge schilderte Manning, dass er in Kuwait mehrfach an Selbstmord gedacht habe. "Meine Welt schrumpfte zu diesem Käfig zusammen. Ich dachte, ich werde in diesem Käfig sterben", sagte Manning mit Blick auf die Zelle, in der er damals fest­gehalten wurde.

Besonders beklagte er sich aber über die Haft­beding­ungen in Quantico, wo er wegen mutmaßlicher Selbst­mord­gefahr anfangs ständig unter Beobachtung stand. Er sei 21 Stunden, manchmal bis zu 23 Stunden ohne jede Gesell­schaft gewesen, zitierte CNN Manning.

Anfangs habe man ihm seine Brille weggenommen, ohne die er nicht sehen könne, und wenn er geschlafen habe, dann immer mit Licht außen vom Flur in seinen Augen. Um Toiletten­papier habe er jedes Mal bitten müssen - es sei ihm in seiner Zelle verweigert worden, nachdem ein anderer Häftling es gezielt gekaut und sich dadurch erstickt habe, zitierten weitere Medien aus Mannings Aussage.

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