Rückschlag

Blackberry verkauft weniger Smartphones als erhofft

Aktie stürzte um bis zu 20 Prozent ab und 64 Millionen Euro Verlust
AAA

Das Blackberry Z10 ist der Hoffnungsträger für den angeschlagenen HerstellerHoffnungsträger: Das Blackberry Z10 Die von Grund auf neu entwickelten Blackberrys verkaufen sich schlechter als gedacht. Das kanadische Unternehmen mit dem deutschen Manager Thorsten Heins an der Spitze lieferte in seinem ersten Geschäftsquartal (bis Anfang Juni) rund 6,8 Millionen Smartphones aus. Vom Finanzdienstleister Bloomberg befragte Analysten hatten mit knapp 7,5 Millionen Stück gerechnet. Die Aktie stürzte heute vorbörslich um bis zu 20 Prozent ab.

Zusätzlich auf die Stimmung drückte ein Verlust von unterm Strich 84 Millionen Dollar (64 Mio Euro). Auch hier hatten die Börsianer mit besseren Zahlen gerechnet. Das Unternehmen hatte dank eines harten Sparkurses zwischenzeitlich die Verlustzone verlassen, in die es nun wieder stürzte. "Wir stehen immer noch am Anfang dieser Produkteinführung", erklärte Firmenchef Heins am Sitz in Waterloo.

Heins hatte im Januar die ersten Modelle mit dem Betriebssystem Blackberry 10 vorgestellt: das Z10 mit einem großen berührungsempfindlichen Bildschirm sowie das Q10 mit der klassischen Blackberry-Tastatur. Im Mai kam das günstigere Q5 hinzu, das vor allem für Schwellenländer gedacht ist. Jedoch dauerte es länger als von Analysten erwartet, bis die Smartphones tatsächlich im Laden verfügbar waren. Im Vorjahreszeitraum hatte Blackberry von seinen damaligen Telefon-Modellen noch 7,8 Millionen abgesetzt.

IDC: Windows Phone auf Rang drei

Nach Angaben der Marktforschungsfirma IDC hat Microsofts Windows Phone sich inzwischen an Blackberry vorbei auf Rang drei der beliebtesten Smartphone-Betriebssysteme geschoben. Mit einem Marktanteil von jeweils rund 3 Prozent liegen jedoch beide Systeme weit abgeschlagen hinter Googles Android und Apples iOS. Im Vorjahreszeitraum verbuchte Blackberry den Angaben zufolge noch einen doppelt so hohen Marktanteil.

Dabei gab es zwischenzeitlich durchaus Anzeichen, dass Blackberry vorankommt. So konnte das Management zahlreiche Entwickler überzeugen, Apps für das neue Betriebssystem zu erstellen, um Kunden einen Wechsel zu Blackberry schmackhaft zu machen. Zudem konnte Blackberry für seine neuen Smartphones bessere Preise als für die Vorgängermodelle erzielen. So stieg der Umsatz des Unternehmens zuletzt um 9 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Auf der Negativseite stehen hohe Marketingausgaben, um die neuen Modelle bekanntzumachen. Blackberry schaltete für sein Z10 etwa Fernsehwerbung in den USA.

Auch im zweiten Geschäftsquartal rechnet Blackberry mit einem operativen Verlust. Der scharfe Wettbewerb am Smartphone-Markt werde anhalten, erklärte die Firma. Der Sparkurs soll deshalb beibehalten werden. Heins hatte angekündigt, 5000 von einst 16 500 Stellen zu streichen. Immerhin hat Blackberry ein dickes Finanzpolster: Die Kanadier können auf Bares und kurzfristige Anlagen von 2,8 Milliarden Dollar zurückgreifen, um ihren Umbau zu bewerkstelligen.

Mehr zum Thema Quartalszahlen