Mobile Fusion

Editorial: Verabschiedet sich RIM von seinen Blackberrys?

Hersteller erkennt mit Mobile Fusion Marktmacht von iPhone und Android an
Kommentare (213)
AAA

Springen wir einige Jahre zurück: Das iPhone war gerade mal angekündigt, von Smartphones mit dem Google Betriebssystem Android wussten weltweit vielleicht eine handvoll Menschen - der Blackberry von Research in Motion (RIM) war des Managers Liebling und Statussymbol. Bekanntermaßen hat sich diese Wahrnehmung bis heute komplett gedreht: iPhone, Samsung-Galaxy-Modelle und andere Android-Smartphones sind in vielen Chefetagen hoffähig und weit verbreitet.

Nach Auswertung namhafter Marktforscher landet RIM einen wirtschaftlichen Misserfolg nach dem anderen. Im vergangenen Sommer sank der Marktanteil der Blackberry-Reihe nach Schätzungen von Gartner von 15,4 Prozent im Vorjahreszeitraum auf nur noch elf Prozent. Auch bei den Geschäftszahlen wirkt sich diese anhaltende Schwäche im Hardwarebereich negativ aus: Im abgelaufenen Quartal verzeichnete RIM erstmals seit neun Jahren einen Umsatzrückgang. Gleichzeitig wuchs die Popularität des Apple iPhone und Android-Modellen weiter.

RIMs vergeblicher Kampf an der Hardware-Front

Schwenkt Blackberry zurück auf den Software-Weg?Schwenkt Blackberry zurück auf den Software-Weg? Dem Erfolgspfad der Konkurrenzsysteme hat RIM seit Jahren nur ein für sich genommen gut laufendes Modell entgegenzusetzen. Der Blackberry-Klassiker Bold, das Smartphone mit großem Display, toller QWERTZ-Tastatur und wenig Spielereien, erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit bei Viel-Schreibern und -Mailern. RIM erneuert und verbessert die Modellreihe von Zeit zu Zeit, so wie zuletzt mit dem Blackberry Bold 9900.

Auf der anderen Seite fällt es RIM schwer, Modelle mit zeitgemäßer Touchscreen-Technik zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten. So fällt nicht nur das Testurteil der Fachmedien zur Torch-Reihe durchwachsen aus, sondern findet auch beim Käufer auf vermeintlich wenig Resonanz. Auch der Versuch sich ein ordentliches Stück vom boomenden Tablet-Markt abzuschneiden, misslang. Nach einer Erfolg versprechenden Präsentation zu Jahresbeginn auf der CES dauerte es zum einen zu lange bis das Tablet auf den Markt kam, zum anderen war das System in den Funktionen zu sehr beschnitten und dafür zu teuer. Ergebnis des Leidens: Wenige Monate nach Markteinführung verschenkte RIM das Tablet Blackberry Playbook in großen Stückzahlen an Entwickler und verramschte das Tablet schließlich im Weihnachtsgeschäft für gerade einmal 40 Prozent des Ausgangspreises.

Fokus auf Software folgerichtig

Folgerichtig besinnt sich Research in Motion wieder mehr auf den Unternehmensursprung und die eigene Stärke in der Softwareentwicklung. RIM erwarb hier im Frühjahr nicht nur das deutsche, auf das Management mobiler Endgeräte spezialisierte Unternehmen Ubitexx, sondern entwickelte daraus die in dieser Woche vorgestellte Softwarelösung Mobile Fusion.

Mit der neuen Plattform zum Gerätemanagement lassen sich neben Blackberrys auch die Konkurrenzprodukte von Apple und Google steuern. Das Programm übernimmt unter anderem die Konfiguration und das Geräte-Management sowie eine Nutzer- und Gruppenverwaltung. Außerdem können Daten auf verschwundenen Smartphones und Tablets vom Rechner des Administrators aus gelöscht, Programme installiert oder Passwörter verwaltet werden. Mit der Software können ebenso Zugriffe auf das Netzwerk sowie Internet-, WLAN- und VPN-Verbindungen gesteuert werden.

Der Fokus auf den Unternehmensursprung Software klingt Erfolg versprechend, hat doch RIM bei vielen System-Administratoren der Unternehmen immer noch ein Stein im Brett, wenn es um die sichere Einbindung der Smartphones und Tablets in das Unternehmensnetzwerk geht. Hier haben die vermeintlich viel schickeren Smartphones von Google und Apple noch Defizite, auch wenn sie heute des Managers neue Lieblinge sind. Blackberry-Hersteller RIM muss freilich in den nächsten Monaten zwei weitere Probleme der Vergangenheit in Griff bekommen: Größere Softwareausfälle wie im Herbst müssen wirksam ausgeschlossen werden und RIM muss die versprochenen Liefertermine einhalten und diese nicht wie zuletzt leider häufiger geschehen wiederholt reißen.

Weitere Editorials

Mehr zum Thema RIM