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VBB-Fahrcard: Bewegungsprofile von Fahrgästen wurden erhoben

Trotz anderer Informationspolitik konnten Berliner Verkehrsbetriebe die Bewegungsprofile ihrer Fahrgäste auslesen.
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Elektronische Fahrkarte zeichnet Bewegungsprofil aufElektronische Fahrkarte zeichnet Bewegungsprofil auf Von Fährgästen mit einer VBB-Fahrcard wurden exakte Bewegungsprofile erhoben, obwohl dieses Vorgehen zuvor ausdrücklich ausgeschlossen wurde. Dies berichtet die verkehrspolitische Zeitschrift SIGNAL in Ausgabe 6/2015.

Nahverkehrs-Pendler im Großraum Berlin-Brandenburg, die über eine VBB-Fahrcard verfügen, können sich mit dieser an Kontrollgeräten in den öffentlichen Verkehrsmitteln als Fahrgast legitimieren. Wie ein aktueller Versuch zeigt, wird dabei auch ein Bewegungsprofil des Nutzers auf die Karte geschrieben. Die VBB-Card verfügt über einen implementierten NFC-Chip zur Datenübermittlung.

So ist die Erhebung der Bewegungsdaten aufgefallen

Wie in dem Artikel weiter berichtet wird, ist die Smartphone-App MyTraq der Schlüssel zur Aufdeckung der Datensammelei gewesen. Mit der Fahrkartenkontroll-Anwendung lässt sich die VBB-Fahrcard per NFC-Smartphone auslesen. Dabei wird allerdings nicht nur die Legitimation für den entsprechenden Verkehrsbereich geprüft, sondern auch das eingangs angesprochene Bewegungsprofil. Zwar werden die einzelnen Stationsnamen nicht im Klartext angezeigt, doch durch eine simple Rechenoperation (die Addition von 9 000 000 zur Haltestellen-Nummer) ergibt die eindeutige Haltestellennummer, die sich mit dem Haltestellen-Tool auf der VBB-Webseite abgleichen lässt. Konkret wurde eine Fahrtstrecke mit der VBB-Fahrcard protokolliert und anschließend per Smartphone-App ausgelesen. Nach der oben beschriebenen Methode konnte anschließend die genaue Strecke samt den Uhrzeiten über den Zeitraum von mehr als 2,5 Stunden herausgearbeitet werden: vom S+U Alexanderplatz bis zur U Turmstraße usw.. Einen solchen Datenabruf samt Bewegungsprofil führen eben auch die Lesegeräte bei Kontrollen durch, erklärt SIGNAL im Artikel.

VBB und Verkehrsbetriebe sprechen sich in der Kundeninfo gegen Datensammelei aus

In einem Info-Dokument zur VVB-Fahrcard lässt sich die kommunizierte Haltung der Nahverkehrsbetreiber nachvollziehen. So heißt es in der Publikation auf die Frage, ob das Verkehrsunternehmen oder der VBB alle Fahrten nachverfolgen kann: "Nein, es ist weder technisch noch organisatorisch möglich, sogenannte Bewegungsprofile auf der Karte oder im System zu speichern. Bei der Kontrolle wird Ihre persönliche Chip-Kartennummer nur gegen eine Sperrliste geprüft, um festzustellen, ob Ihre Fahrtberechtigung noch gültig ist. Es werden keine Daten gespeichert".

Weiterhin wird zu den Datenschutzbestimmungen wie folgt Stellung genommen: "Die (((eTicket-Systeme erfüllen die Anforderungen des Datenschutzes der Länder sowie des Bundes und sind mit dem Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit sowie dem Landesbeauftragten für den Datenschutz und für das Recht auf Akteneinsicht Brandenburg abgestimmt". Die SIGNAL-Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass diese Aussage "damit ganz klar falsch" sei und nicht mit der Praxis übereinstimme.

BVG bestätigt Datenleck und kündigt Nachbesserungen an

Gegenüber der Berliner Morgenpost hatte ein BVG-Sprecher die Bewegungsprofil-Erhebung durch die VBB-Fahrcard-Lesegeräte bestätigt. Da diese nicht beabsichtigt gewesen sei, hätte man den Hersteller des Lesegeräts aufgefordert nachzu­bessern. In der Zwischenzeit würden die Lesegeräte nach und nach vorübergehend abgeschaltet, dies könne allerdings einige Tage in Anspruch nehmen.

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