Digitalradio

Megaradio, Deluxe Radio und ERF Pop starten über DAB+ in Berlin

Bundesweite DAB+-Programme jetzt auch in Ober- und Niederbayern
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Unter anderem Deluxe-Radio startet die DAB+-Ausstrahlung in Berlin.Unter anderem Deluxe-Radio startet die DAB+-Ausstrahlung in Berlin. Eine regelrechte Aufschaltungswelle im Digitalradio gibt es aktuell in Berlin. Mit Megaradio, Deluxe Radio und ERF Pop sind alleine in der vergangenen Woche drei weitere Privatradios in der Hauptstadt und dem brandenburgischen "Speckgürtel" im Digitalradiostandard DAB+ gestartet. Laut teltarif.de-Informationen stehen zwei weitere Sender vor einer Aufschaltung, so dass der Multiplex (Kanal 7B) in Kürze vollständig gefüllt sein könnte. Insgesamt sind nun bereits 38 Hörfunksender via DAB+ in Berlin empfangbar - mehr als über UKW.

Das aus Bayern stammende Megaradio strahlt ein Pop- und Rockmusikformat mit aktuellen Hits und Klassikern aus, bei Deluxe Radio, einem Ableger des Fernsehsenders Deluxe Music, stehen Contemporary Jazz, Soft Soul und Swing auf der Abspielliste.

ERF Pop bald in weiteren Landesmuxxen?

ERF Pop transportiert einen Musikmix aus christlicher und weltlicher Popmusik sowie kleine pointierte Beiträge. Im Abendprogramm präsentiert der Sender des Evangeliumsrundfunks (ERF) auch längere Themensendungen. Eigentlich sollte das Programm im bundesweiten Multiplex senden. Hierzu wollte der ERF seine vorhandenen Kapazitäten ("CUs") für zwei Programme (ERF Plus und ERF Pop) aufteilen. Dies untersagten jedoch die Landesmedienanstalten, da bei den bundesweit verbreiteten Sendern eine klangliche Mindestqualität eingehalten werden soll. Nun geht ERF Pop also offenbar in landesweiten Multiplexen auf Sendung. Neben Berlin besitzt der ERF auch Zulassungen für seinen Pop-Ableger in Thüringen und Sachsen, und auch im Heimatland Hessen werde aktuell eine Verbreitung geprüft, wie teltarif.de aus ERF-Kreisen erfuhr.

Hintergrund für die vielen Aufschaltungen in Berlin ist möglicherweise eine große Marketingkampagne unter dem Motto "Neue Berliner Luft", die am 1. Juli starten soll: Das Projektbüro Digitalradio hat hierfür an 20 Plätzen digitale Citylightboards gemietet, die bis zu drei Millionen Kontakte pro Woche ermöglichen sollen.

Bundesmuxx in Teilen Ober- und Niederbayerns

Pünktlich zum Start der Ferien ist jetzt auch eine der wichtigsten Urlaubsregionen Deutschlands mit den Programmen des bundesweiten Multiplexes versorgt: Die Programme des Deutschlandradios und zehn Privatsender werden nun vom fast 1 900 Meter hohen Wendelstein in den Nordalpen ausgestrahlt. Die Sendeanlage versorgt weite Teile Ober- und Niederbayerns, unter anderem die Städte Rosenheim und Traunstein sowie die Chiemsee-Region. Auch auf der vielbefahrene Autobahn A8 (München-Salzburg) sind die bundesweiten Hörfunksender nun fast durchgängig zu hören.

Kontroverse um UKW-Abschalttermin

Eine Kontroverse gibt es aktuell um einen möglichen UKW-Abschalttermin. Mehrere skandinavische Länder wollen noch in diesem Jahrzehnt aus der analogen UKW-Verbreitung aussteigen, in Großbritannien soll ein verbindliches Datum in Kürze festgelegt werden.

Willi Schreiner, Geschäftsführer der DRD Digitalradio Deutschland GmbH brachte in einem Interview mit dem Branchendienst "text intern" das Jahr 2018 ins Spiel. Das sorgt vor allem bei den großen UKW-Privatradios für Aufruhr. "Wenn du den Sumpf trocken legen willst, darfst du nicht die Frösche fragen. Genau diejenigen, bei denen es über UKW gut läuft, werden aber momentan gefragt", sagte Schreiner. "Wenn Herr Schreiner die 'Frösche' zitiert, so können wir entgegnen, dass es eben diese 'Frösche' sind, die die Forderung nach einer Abschaltung von UKW zugunsten von DAB+ für nicht realistisch halten - im Sinne der Verbraucher und auch vor einem klaren rechtlichen Hintergrund", erwiderte der Geschäftsführer des niedersächsischen Privatradios Radio ffn, Harald Gehrung, gegenüber dem "Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk". Er halte einen Abschalttermin von UKW für "nicht tragbar und zudem wirtschaftlich unsinnig", außerdem gebe es bereits heute UKW-Lizenzen, die über das Jahr 2018 hinaus gingen.

Gehrung verweist zudem auf die Situation in den Haushalten. "Es gibt derzeit rund 350 Millionen UKW-Endgeräte und ca. 300 000 DAB+ Empfangsgeräte" und auch die "preislich deutlichen Unterschiede zwischen beiden Gerätetypen" verdeutlichten, dass eine UKW-Abschaltung "nicht im Ansatz im Sinne des öffentlichen Interesses" wäre und einzig und allein auf einer "unrealistischen Forderung der Digitalradio-Lobby beruht".

Widersprüchliche Zahlen zu DAB+-Verbreitung

Die Zahlen, mit denen Gehrung argumentiert, sind jedoch anzweifelbar, denn die Industrieverbände GfK und gfu ermittelten bereits bis Ende 2012 rund 500 000 verkaufte Digitalradio-Geräte in Deutschland, laut einer Prognose der gfu sollen es 2013 weitere 650 000 werden. Die Ein-Millionen-Grenze dürfte bereits erreicht sein, denn in die Statistiken der GfK und gfu fließen nur Käufe aus Deutschland ein. Inzwischen gibt es jedoch einen globalen Onlinemarkt, viele Anbieter aus Großbritannien oder Fernost verkaufen auch Digitalradio-Geräte nach Deutschland. Auch die Preisunterschiede zwischen reinen UKW-Radios und Geräten mit zusätzlichem DAB+-Empfang sind längst nicht so gravierend wie von Gehrung dargestellt. Häufig beträgt der Aufpreis in der Kompaktklasse (Taschen- und Kofferradios oder Radiowecker) nur noch zehn bis 20 Euro, bei Midi- und HiFi-Anlagen muss der Kunde aktuell im Schnitt rund 50 Euro mehr für DAB+ in Kauf nehmen.

Dass die UKW-Platzhirsche alles dafür tun um eine positive Entwicklung des Digitalradios zu verzögern, hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Zum einen müssten die Sender die Kosten eines Parallelbetriebs (UKW und DAB+) selbst finanzieren, damit kämen erhebliche Mehrkosten auf sie zu. Zum anderen bedeutet DAB+ auch mehr Konkurrenz. Den "Platzhirschen" geht es wirtschaftlich gut, seit rund eineinhalb Jahren legt Radio bei seinem Anteil am Werbekuchen unaufhaltsam zu, während die Einnahmen bei Zeitungen und Online rückläufig sind. Die Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks könnte den bislang sehr geordneten Hörfunkbereich jedoch aufbohren und den Kuchen neu verteilen, was den etablierten Sendern freilich missfällt.

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