Adressknappheit

AVM will IPv6 in Standard-Firmware der FRITZ!Box 7270 integrieren

Neue Internetadressen funktionieren im FRITZ!-Labor schon jetzt
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Der Berliner Hardware-Hersteller AVM plant in den nächsten Monaten, IPv6 fest in die regulären Firmware-Updates der FRITZ!Box Fon WLAN 7270 zu integrieren. Bisher ist die Nutzung des Internetprotokolls der nächsten Generation nur mit experimentellen Firmware-Versionen aus dem FRITZ! Labor möglich. IPv6-Updates für weitere AVM-Router sollen in nächster Zeit folgen, allerdings steht noch nicht fest, ob dies zunächst über Labor-Versionen oder reguläre Firmware-Releases geschehen wird. Zur Zeit bietet AVM zufolge kein deutscher Internetprovider natives IPv6 für Privatkunden, wodurch Interessenten noch auf einen technischen Umweg zurückgreifen müssen.

In den Niederlanden ist man schon einen Schritt weiter. Dort bietet der Provider XS4ALL Angaben von AVM zufolge als erster europäischer Anbieter natives IPv6. Die Niederländer setzen dafür auf die FRITZ!Box Fon WLAN-Modelle 7270 und 7570 mit einer IPv6-fähigen Firmware, wobei letzteres Modell nicht im freien Handel erhältlich ist. Vor der allgemeinen Verfügbarkeit hatte XS4ALL das modernere Internetprotokoll ein Jahr lang getestet. Kunden anderer niederländischer Anbieter ohne native IPv6-Unterstützung bleibt jedoch genau wie ihren deutschen Nachbarn nur die Möglichkeit einer Tunnel-Lösung.

SixXS ermöglicht IPv6 trotz IPv4-Provider

Die FRITZ!Box Fon WLAN 7270Die FRITZ!Box Fon WLAN 7270 bekommt bald IPv6-Unterstützung in der normalen Firmware. AVM setzt für Kunden eines Providers ohne native IPv6-Unterstützung auf 6to4, womit öffentliche 6to4-Relays genutzt werden. Dabei fließen die IPv6-Pakete über einen IPv4-Tunnel bis zum Relay und von dort aus als IPv6-Pakete weiter. Alternativ arbeitet die FRITZ!Box Fon WLAN 7270 auch mit dem Projekt SixXS zusammen, das zur Zeit 39 Server verschiedener Anbieter zu einem Tunnel-Netzwerk zusammenfasst. Über einen IPv4-Tunnel lässt die FRITZ-Box den Datenverkehr des privaten IPv6-Netzwerks zu einem Server aus dem Netzwerk fließen, erst dahinter fließen die Daten wieder über IPv6 ins Internet. Die Adressen der einzelnen IPv6-Geräte bleiben trotz des IPv4-Tunnels erhalten.

In Deutschland stellen momentan NetCologne, SpeedPartner, Easynet und M-net solche Tunnel-Endpunkte zur Verfügung. Die Server sind von Kunden jeden Providers nutzbar und heißen in der Fachsprache Point of Presence (PoP). Nach der Anmeldung bei SixXS erhalten Interessenten nach der Prüfung ihrer Daten ein Konto, worüber die Beantragung eines privaten Adressbereichs (Subnet) möglich ist. Sind diese Daten in den eigenen Router eingetragen, ist der Zugriff auf einen der PoPs möglich.

Tunnel sind lediglich eine Übergangstechnologie

Da sämtliche Daten beim Tunneling über die PoP-Server laufen, wäre prinzipiell eine Überlastung zu befürchten. AVM-Produktmanager Jan Schöllhammer zufolge ist die Gefahr allerdings nicht allzu groß, da die Daten unter anderem auf dem Hin- und Rückweg nicht über denselben Gateway fließen müssen. Trotzdem sei eine native IPv6-Unterstützung die bessere Lösung, Tunnel stellten lediglich eine Übergangstechnologie dar. Der Nutzen von IPv6 für Privatkunden ist noch gering, da es noch nicht allzu viele Internetseiten gibt, die über IPv6 erreichbar sind, so dass die Umsetzung von Seitennamen zu Internetadressen (DNS) zur Zeit häufig nur eine IPv4-Adresse liefert.

An den aktuellen Betriebssystem würde es nicht scheitern: IPv6 ist in Windows Vista und Windows 7 automatisch enthalten, unter Windows XP lässt sich das modernere Protokoll nachinstallieren. Halbwegs aktuelle Linux-Distributionen verfügen automatisch über IPv6-Unterstützung.

IPv4-Adressen werden knapp

IPv6 soll in Zukunft das Problem der immer knapper werdenden IPv4-Adressen lösen. Im Januar hatte die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (IANA) bereits IPv4-Adressbereiche an die regionalen Verteiler freigegeben, die seit Anfang der Achtziger Jahre eigentlich für eine andere Nutzung reserviert waren. Zwischen Experten gibt es eine Diskussion, wie lange es noch genügend IPv4-Adressen geben wird. AVM-Angaben zufolge erhalten beispielsweise private Mobilfunk-Anwender keine öffentlichen IPv4-Adressen mehr.

Die Tagesschau hatte sich am ersten April diesen Jahres bereits den Scherz erlaubt, das Internet müsse wegen Adressmangels weltweit abgeschaltet werden. Auch, wenn es aufgrund technischer Maßnahmen kaum soweit kommen wird, bietet IPv6 neben der Lösung des Adressierungsproblems durchaus Vorteile: Wenn jedes Gerät weltweit adressierbar ist, entfällt die Network Adress Translation (NAT) im Router. So könnten beispielsweise ohne Umwege mehrere Server auf verschiedenen Geräten hinter demselben Router laufen und wären - entsprechende Firewalleinstellungen vorausgesetzt - ohne weitere Umwege erreichbar.

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