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Auf dem Prüfstand: Asus Eee PC 1016P im Test

Von Sebastian Jentsch
AAA

Für 440 Euro ist der Asus Eee PC 1016P, das Business-Netbook von Asus, zu haben. Warum denn so teuer? Nur, weil es eine matte Displayanzeige hat? Nein, denn die Ausstattung nicht der übliche Standard. Zwei Gigabyte DDR3-Arbeitsspeicher und Windows 7 Professional (nicht Starter!) sind an Bord. In unserem Hands-On schauen wir uns die Qualitäten des 1016P genau an. Sind Verarbeitung, Display, Eingabegeräte und die technische Ausrüstung den hohen Preis wert?

Asus Eee PC 1016P

Asus Eee PC 1016P Business-Netbook Test Hands-On Ein Netbook für den Geschäftsmann? Es gibt viele Gründe, die gegen Netbooks im geschäftlichen Bereich sprechen. Das sind vor allem die wenigen Anschlüsse, das Nicht-Vorhanden-Sein von Docking-Lösungen und natürlich die geringe Leistung. Dennoch gibt es Fälle, in denen Netbooks für den Einsatz vollkommen ausreichen und mit ihrer Handlichkeit und der starken Laufzeit angemessen sind. Wenn wir bei Geschäftsmann einmal nicht an Jemanden mit Anzug und Krawatte denken, dann fallen viele Szenarien ein. Mobile Datenerfassung eines Technikers, sporadisches E-Mails checken einer Reisekauffrau oder das Aufzeigen von Produktfotos durch einen Handwerker.

Diese Leute haben gemeinsam, dass sie ein robustes und tendenziell nüchternes Gerät wünschen. Die Anzeige muss auch unter Sonnenlicht ablesbar sein und die Eingabegeräte sollten gut bedienbar sein. Wir sagen euch, ob das Eee PC 1016P diese Bedingungen erfüllt.

Hartes Plastik – ein stabiles Gehäuse

Material und Haptik sind insgesamt gediegen, haben aber den Kunststoff-Charme nicht abgelegt. Wo sind aber die Aluminium-Applikationen wie etwa beim Eee PC 1018P? Es ist nur die Einfassung der Tastatur aus einem gebürsteten, schwarz lackierten Aluminium. Diese Platte ist Teil der Base Unit, was selbiger eine sehr gute Festigkeit verleiht.

Asus Eee PC 1016P Business-Netbook Test Hands-On

Die Bodenplatte aus einem strukturierten Kunststoff fühlt sich relativ glatt an. Das Gehäuse ist auch dann noch stabil, wenn wir den Akku entnehmen. Die Handballenauflage besteht aus einem glatten und harten Kunststoff. Die Fläche des Deckels sieht wie gebürstetes Aluminium aus, es ist jedoch ein Kunststoff mit einer Hairline-Struktur. Das silberne Asus-Logo ist eingebettet.

Der dicke aber sehr steife Deckel hat eine gegen mittleren Druck unempfindlichen Fläche. Die Unterseite des 1016P ist ebenfalls nicht eindellbar. Die Scharniere bewegen sich straff, weshalb wir beide Hände zum Öffnen brauchen. Der maximale Aufklappwinkel liegt bei zirka 130 Grad.

Tippen mit kernigem Druckpunkt

Die Pro-Punkte der Eingabe sind der deutliche Hub, der kernige Druckpunkt und der feste Anschlag. Die Fläche der Eingabe gibt nirgends nach. Leider sind einige Tasten rechts zu winzig und gedrängt (Shift, Pfeiltasten, Bindestrich). Schnell kommt es zu Vertippern, speziell mit großen Händen.

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Das Multitouch-Pad (Elan V7.0) bietet Gestensteuerung, die manipuliert werden kann. Leider haben wir keine Möglichkeit, eine horizontale und/oder vertikale Scrollbar zu aktivieren. Traditionsbewusste-User werden sich daher an das Rollen mit zwei aufgelegten Fingern gewöhnen müssen. Die Touch-Fläche ist relativ glatt. Die Maustasten mit einem sehr geringen Hub sind für die schnelle Bedienung ein Hindernis, das Feedback ist höchst unbefriedigend.

Spartanisch ausgerüstet: kein UMTS integriert

Die Anschlüsse des Asus Eee PC 1016P bieten nur das, was jedes Consumer-Netbook auch bietet. VGA, Ethernet-Port, Kensington-Lock, 3 mal USB 2.0, Kartenleser, sowie Kopfhörer- und Mikrofon-Stecker, um alle zu nennen. Das Bluetooth-Modul spricht den neuen Standard 3.0+HDR. Am Kabel (Ethernet, Gigabit LAN) oder per Funk (DraftN) können mit den maximalen Datenraten gesendet werden.

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Für ein UMTS-Modul befindet sich nur die Vorbereitung (SimCard-Schacht) unter dem Akku. Unseren 3G-Laufzeittest haben wir mit dem UMTS-Stick durchgeführt.

Die Webcam kann Fotos lediglich mit 0.3 Megapixeln aufnehmen und ihre Qualität (320 mal 340 Pixel, Farbstich) ist schlecht. Das Rauschen im Bild ist stark. Die Farben wirken blass und nicht real. Manchem wird der mechanische Verschluss der Webcam gefallen. Durch diese analoge Sperre wird die Webcam spionagesicher.

Kein HD-Ready aber Auflösung bis 1.152 mal 864 Pixel

Die native Auflösung beträgt 1.024 mal 600 Bildpunkte (WSVGA). Zu wenig Übersicht für ein Business-Gerät. Asus verschafft dem Nutzer beim Betrachten komplexer Websites oder Anwendungen aber eine Erleichterung. Die Bildschirmauflösung kann interpoliert auf 1.152 mal 864 beziehungsweise auf 1.024 mal 768 Pixel eingestellt werden. Das Bild ist jetzt mehr oder weniger stark verzerrt, aber mobicroco.de passt übersichtlicher auf die Anzeige.

Asus Eee PC 1016P Business-Netbook Test Hands-On
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Die gute Helligkeit des matten TFTs ist eine Stärke in der Sonne. Wir sehen stets ein klares Bild, es sein denn das Licht fällt aus bestimmten, ungünstigen Winkeln ein. Reflexionen gibt es auf Grund der Entspiegelung gar keine.

Die Blickwinkel erleben wir als ungewöhnlich breit. Horizontale Abweichung ist bis nahe an 90 Grad möglich. Die Farben bleiben konstant. Vertikal geht es nur bis ungefähr 20 Grad gut. Asus Eee PC 1016P Business-Netbook Test Hands-On Asus Eee PC 1016P Business-Netbook Test Hands-On Asus Eee PC 1016P Business-Netbook Test Hands-On

Atom N455 mit DDR3 Turbo

Der Eee PC 1016P arbeitet auf einem Single-Core Intel Atom N455 (1.66 GHz, FSB 667 MHz, L2 512 KB) mit integrierter GMA 3150. Hyper-Threading stellt Anwendungen wie schon beim N450 einen virtuellen Kern zur Verfügung. Der TDP liegt bei geringen 5.5 Watt (inkl. Speichercontroller für DDR2/DDR3 und GMA 3150. Die DDR3-Unterstützung ist der einzige Unterschied zum N450. 2.048 MB DDR3 Hauptspeicher sitzen auf einem einzigen Speicher-Sockel. Der ist über die Bodenplatte auswechselbar.

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Was bringt der üppige DDR3-Speicher (2 GB)? Siehe dazu unseren Vergleich DDR2 versus DDR3, welchen wir auf Basis des Eee PC 1016P gemacht haben.

Nicht Wechselbar ist die 250 GB Festplatte von Seagate (5.400 RPM). Sie erzielt im HD-Tune einen Datendurchsatz von 61 MB/s (sequentielles Lesen). Das liegt unter dem Durchschnitt aktueller 2.5-Zoll Notebook-HDDs. Die GMA 3150 ist im Prozessor integriert und schafft nur 149 3DMarks06. Sie beherrscht keine HD-Dekodierung. Hochauflösende Videos können zum Teil nicht ruckelfrei abgespielt werden (für 720p reicht es gerade noch).

Angenehmes Grundrauschen

Das 1016P hat einen aktiven Lüfter. Der ist im normalen Betrieb ohne stetige Belastung nur minimal hörbar. Wir messen im Idle-Zustand 31.2 dB(A). Bei kurzzeitiger CPU-Last oder einem 3D-Benchmark steigt die Lautheit auf 34.5 dB(A). Sollte das schon alles sein? Wir machen einen Belastungstest für CPU und GPU (Tool Prime95 + 3DMark05). Die Lautstärke steigt binnen weniger Minuten auf 36.4 dB(A). Dort bleibt die sie konstant. Nach Beendigung der Last tourt der Lüfter binnen Sekunden wieder herunter.

Die Seagate-HDD ist fortwährend durch ein leises Rauschen hörbar. Die Lese- und Schreibköpfe zeigen ihre Aktivität durch ein dezentes Klackern. Insgesamt sind die Geräusche auf einem erfreulich geringen Niveau.

Unbedenkliche Abwärme

Die Unterseite erwärmte sich im Szenario ohne Belastung höchstens auf 32.5 Grad (Durchschnitt 28 Grad). Oben, also auf der Arbeitsumgebung, lagen die Temperaturen bei um die 28 Grad. Unter Belastung sinken die Maximal- und die Durchschnittstemperaturen. Warum? Die vorher angestaute Wärme wird jetzt aus dem kleinen Gehäuse entsorgt. Das geht scheinbar so effektiv, dass die neue produzierte Wärme keinen Einfluss hat.

Fast acht Stunden mobil

Die Laufzeiten des Asus Eee PC 1016P sind sehr gut aber nicht ganz so krass wie bei manchen Consumer-Netbooks. Beim Surfen mit WLAN ist der Akku erst nach 7:53 Stunden leer (Performance Mode Power Saving). Das ist ganz hübsch, denn eigentlich steckt ja nur ein 6-Zellen-Akku mit nur 4.400 mAh dran. Wenn der 10-Zoller nur im Idle steht (Helligkeit minimal), so reicht es für über 9.5 Stunden (576 Minuten, Performance Mode Power Saving).

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Wir wissen, so ein Surf-Stick braucht viel Energie. Mangels eingebauten HSDPA-Moduls setzen wir einen USB-Surf-Stick mit einer EDGE-Verbindung an. Nach 5:20 Stunden (320 Minuten) ist die Session beendet (WLAN und Bluetooth inaktiv).

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Die guten Laufzeiten erkennen wir auch beim niedrigen Idle-Energiebedarf von 7.1 bis 11.1 Watt wieder (je nach Performance Einstellung, Helligkeit, Funkmodule On/Off). Maximal liegt der Verbrauch bei 15.1 Watt (Stresstest). Erfreulich für Energiesparer: Das leichte Netzteil (187 Gramm mit allen Kabeln) zieht bei ausgeschaltetem Gerät nur 0.05 Watt aus der Dose. Im Standby sind es 0.5 Watt.

Fazit: Eee PC 1016P verfehlt knapp die Netbook-Oberklasse

An sich hätte der Asus Eee PC 1016P zu einem richtig guten Netbook – auch für anspruchsvolle Consumer – werden können. Die Anlagen dazu sind mit stabiler, unempfindlicher Verarbeitung, guter Ergonomie, starken Laufzeiten und dem hellen, blickwinkelstarken Display gesetzt. Die WSVGA-Auflösung erscheint gering, aber immerhin sind interpoliert bis zu 1.152 mal 864 Pixel einstellbar.

Leider fehlt bei einem happigen Preis von 440 Euro (in der Variante mit Windows 7 Professional) das integriertes UMTS-Modul. Das ist Pflicht bei einem Netbook mit solch guter Outdoor-Tauglichkeit und dem Business-Ansatz. Erschwerend kommen einige winzige Tasten des Keyboards (rechte Seite), sowie die feedbackschwachen Tasten des Touchpads hinzu. Gerade für ein Business-Netbook sind schnell und einfach bedienbare Tasten und Pads wichtig.

Das Business-Netbook kostet in der Windows 7 Professional Version 429 Euro (2 GB DDR3). Die Windows 7 Starter Version (1 GB DDR3) gibt es für 340 Euro.

Was bringt der üppige DDR3-Speicher (2 GB)? Siehe dazu unseren Vergleich DDR2 versus DDR3, welchen wir auf Basis des Eee PC 1016P gemacht haben.