Neue Video-Plattform

Gemeinsames Videoportal von ARD und ZDF kommt dieses Jahr

Kritiker warnen vor Quersubventionierung durch GEZ-Gebühren
Von mit Material von dpa
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Gemeinsames Videoportal von ARD und ZDF kommt dieses JahrGemeinsames Videoportal von ARD und ZDF kommt dieses Jahr Das gemeinsame Videoportal von ARD und ZDF soll noch in diesem Jahr starten. Damit wollen die beiden Fernsehanstalten im Markt der Streaming-Videotheken im Internet mitmischen. Vor allem deutsche TV- und Kinofilme sollen dort zu sehen sein. Kritiker warnen vor einer Quersubventionierung durch GEZ-Gebühren.

Die bisherigen Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten zeigen hauptsächlich Nachrichten, Serien, Reportagen und Hintergrundberichte - und dies entsprechend der rundfunkrechtlichen Vorgaben nur für einen begrenzten Zeitraum. Hochwertige deutsche und internationale Kino- und Fernsehfilm-Produktionen soll nun das neue Portal unter einer Oberfläche als Streaming-Angebot vereinen. Der Arbeitstitel für die neue Plattform lautet "Germany's Gold".

Viele Privatfirmen sind beteiligt

Die Kosten für das neue Portal belaufen sich nach Informationen des Handelsblatts auf einen "niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag". Da die Rundfunkanstalten direkt keine Beteiligung an einem solchen Unternehmen halten dürfen, realisieren sie diese über ihre Tochterfirmen. Auf diesem Wege sollen sowohl ARD als auch ZDF je 33 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Der slowakische Filmproduzent und Rechtehändler Jan Mojto, der die Filmbibliothek von Leo Kirch verwaltet, soll weitere 17 Prozent der Anteile bekommen. Die verbleibenden 17 Prozent sollen sich verschiedene deutsche Medienproduktionsfirmen teilen.

Bei bisherigen Video-on-Demand-Angeboten kommen deutsche (TV-)Produktionen bislang nicht immer gebührend zur Geltung. Maxdome und Lovefilm halten in ihren Video-on-demand-Angeboten zwar auch einheimische Produktionen zum Abruf bereit, aber bei Anbietern wie Apple, Hulu und Netflix - das demnächst in Deutschland starten könnte - dominieren US-Produktionen.

Das Unterfangen stößt besonders bei den Privatsendern auf Kritik - ihnen war vom Kartellamt die Gründung einer gemeinsamen Videoplattform untersagt worden. Bei den Plänen von ARD und ZDF hatte die Behörde nach Abschluss ihrer Prüfung jedoch keine Probleme entdeckt. Einige ARD-Gesellschafter können sich aber vorstellen, die Privatsender am neuen Gemeinschaftsportal zu beteiligen.

Finanzierung: Keine GEZ-Gebührengelder, sondern selbsttragendes Portal

Kritiker befürchten, dass die öffentlich-rechtlichen Sender einen Teil der Rundfunkgebühren für den Aufbau des neuen Portals abzweigen könnten - um dies zu verhindern, müssten die Aufsichtsbehörden die Verwendung der zugewiesenen Finanzmittel streng kontrollieren. Das Videoportal soll sich langfristig selbst tragen. Die Finanzierung könnte außer durch verschiedene Abo-Modelle auch durch ein Pay-per-View-Modell erfolgen, bei dem der Nutzer keine monatliche Grundgebühr, sondern pro Filmabruf bezahlt.

Darüber hinaus planen die Verantwortlichen, auch kostenlose Filme und Serien anzubieten, die durch Werbung finanziert werden. Entscheidend für den Erfolg des Projekts wird auch sein, für welche Plattformen das Angebot realisiert wird und ob von Anfang an beispielsweise Apps für mobile Betriebssysteme bereit stehen.

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