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Paybox ist wieder da - mobiles Bezahlen im Test

Mobiles Bezahlen funktioniert in vielen Ländern
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Spricht man von mobilem Bezahlen in Deutschland, dann denken viele langjährige Mobilfunkkunden an Paybox. Das war seinerzeit das erste funktionierende und relativ weit verbreitete mobile Bezahlsystem, mit dem man nicht nur Klingeltöne, sondern auch Taxis bezahlen oder ohne Umweg über das Bankkonto Geld zwischen Menschen austauschen konnte - die Handynummer reichte, und wer auch diese nicht nennen wollte, konnte mit einer virtuellen Handynummer arbeiten.

Paybox war in einigen Ländern, etwa in Österreich, sehr erfolgreich. Um Paybox Deutschland wurde es still. Hierzulande wollten die Mobilfunk-Netzbetreiber ein eigenes Bezahlsystem einrichten, das allerdings bislang scheiterte. Paybox selbst konzentrierte sich auf die Dienstleitung Mobiles Bezahlen, das sie für interessierte Netzbetreiber oder Service-Provider weltweit aufbauten und einrichten, inklusive aller notwendigen Prozesse im Hintergrund. Paybox ist in der arabischen Welt seit langem etabliert, auch im asiatischen Raum und seit kurzem werden in Afrika Paybox-Dienstleistungen angeboten.

teltarif konnte in Barcelona ein Testsystem der Moneybank of Africa testen. Dazu kauft man sich einen Rubbelgutschein beim Händler vor Ort. Ähnliches kennt man von den Aufladekarten für Prepaid-Handys. Dann rubbelt man den Code frei und schreibt mit dem Handy eine SMS mit dem Text "LOAD xxx" (xxx steht für den jeweiligen Rubbelcode) und sendet sie an die Rufnummer des Anbieters.

Geld überweisen per SMS

Kurz darauf bekamen wir zwei SMS zurück. In der ersten wurden wir als Kunde der Moneybank of Africa begrüßt und erhielten unsere PIN und ein Kennwort. In der nächsten Nachricht wurde uns mitgeteilt, dass das Konto mit 500 nigerianischen Nairas (knapp 3 Euro) aufgeladen sei.

Der Transfer des Geldes zu anderen Leuten ist auf diese Weise ganz einfach, sie müssen dafür nicht Kunde bei der mobilen Bank sein. Eine SMS mit PAY 55 +491771234567 1234 (wobei +491771234567 die Nummer des Empängers und 1234 die eigene PIN wäre) reicht, um den Betrag von 55 (Naira) an den Empfänger zu schicken. Die eigene Zahlung wird mit einem Buchungscode quittiert, der dafür geeignet ist, zu prüfen, ob das Geld auch angekommen ist. Den aktuellen Kontostand erfährt man per SMS mit dem Text BAL gefolgt von der PIN. Je nach Netz und Anbieter können Transaktionen auch via USSD-Codes (z.B. *123#) ausgelöst werden.

In Deutschland ist vor einiger Zeit mpass gestartet. Die technische Plattform für dieses System liefert Paybox, die Akquisition der Händler machen o2 und Vodafone jedoch selbst. Ein Händler, der bei o2 unterschreibt, wird automatisch auch Akzeptanzstelle von Vodafone und umgekehrt. Mit T-Mobile und E-Plus laufen noch Verhandlungen über eine direkte Anbindung. Bis dahin können sich Kunden dieser Netze direkt bei mpass anmelden. In Kürze will mpass auch das Aufladen von CallYa- und LOOP-Karten ermöglichen.

SMS von der Bank

Auf dem Mobile World Congress (MWC) wurde der Kauf von Paybox durch den Datenbankspezialisten Sybase 365 bekannt gegeben, der inzwischen auch einer der größten SMS-Dienstleister weltweit ist. So werden SMS-Nachrichten vom Club Nokia oder von Banken, die ihre Kunden informieren möchten, über Sybase verschickt. In Deutschland ist es noch unüblich, dass sich eine Bank per SMS meldet, in anderen Ländern erinnern SMS an das Erreichen der Überziehungsgrenze ("Möchten Sie einen Kredit?") oder an andere wichtigen Dinge. In Deutschland ist das noch Neuland.

Das Handy als Konto-Ersatz

Die GSMA Weltorganisation hat das Programm MMT (Mobile Money Transfer) beendet und das neue Programm MMU (Mobile Money for the unbanked) gestartet. Hier sollen Menschen in den "emerging Markets" der dritten und vierten Welt, die über kein eigenes Bankkonto verfügen, mit Bankdienstleitungen über das Handy versorgt werden.

Derzeit kann man bei Vodafone CallYa Guthaben von Karte A auf Karte B verschieben, etwa wenn der Vater seiner Tochter etwas Geld auf die leere Karte überweist, wenn sie im gleichen Netz wie der Vater ist. Denkbar wären aber auch Modelle, wo Vater bei T-Mobile, die Tochter aber bei o2 ist und der Geldtransfer trotzdem via SMS funktioniert. "Mobiles Bezahlen mit NFC (Near Field Communication) wird uns seit Jahren versprochen, wann kommt es denn wirklich?" fragen sich in Insider gegenüber teltarif.de. Immerhin bleibt die Hoffnung, dass mobiles Bezahlen doch noch abhebt. Paybox ist jedenfalls wieder da.

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