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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 15.02.2012 |
Editorial: Ich mach' mir mal 'nen Verband15.02.2009
18:15 Medizinische Hilfe für finanzielle Probleme?
DSL wird zunehmend zum schwierigen
Geschäft. Die besten Kunden sind längst versorgt, der Preiskampf
um neue Kunden wird immer härter und alternative Technologien
(Breitbandkabel,
UMTS/HSPA) drücken in den
Markt. Die in der IT-Branche übliche
Strategie, dem Preisverfall dadurch zu begegnen, dass man dem
Kunden immer leistungsfähigere Produkte verkauft, verfängt im
DSL-Bereich ebenfalls kaum: Viele Kunden sind mit den Standard-Anschlüssen
im Bereich von 2 bis 6 MBit/s zufrieden, und zahlen allenfalls
moderate Aufpreise für höhere Bitraten.
Nun fordert der härter werdende Kampf ein erstes Opfer. Nein, noch gibt keiner der vielen Anbieter auf, aber dem Branchenverband Breko der regionalen Anbieter geht es an den Kragen. Er zerbricht über dem Streit, wohin die Regulierungspolitik der Bundesnetzagentur künftig gehen soll, insbesondere bei der Nutzung der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) der Deutschen Telekom. "TAL-Miete rauf" fordern die Anbieter wie Netcologne und M-net, die zumindest zum Teil eigene Kupfer- oder Glasfaserkabel bis zum Kunden legen. Sie sehen andernfalls ihre eigenen Investitionen gefährdet. "TAL-Miete runter" fordern die Unternehmen, die zwar eigene Vermittlungs- und Breitbandtechnik aufbauen, die letzte Meile aber immer noch von der Telekom mieten. Diese müssen aufgrund des DSL-Preisverfalls einen immer höheren Anteil der monatlich eingenommenen Grundgebühren für Vorleistungen der Telekom aufwenden. Da der Breko von den "runter"-Unternehmen dominiert ist, blieb den "rauf"-Unternehmen nichts anderes als der Austritt und die Gründung eines konkurrierenden "Bundesverband Glasfaseranschluss". Der lachende DritteZwei halbe Verbände, die zudem in wichtigen Fragen unterschiedliche Positionen vertreten, werden auf der politischen Bühne deutlich an Einfluss verlieren. Lachender Dritter ist somit die Deutsche Telekom, die sich sicher sein kann, dass die Bundesnetzagentur bei der anstehenden Neufestsetzung der TAL-Miete diese kaum oder gar nicht senken wird. Aber auch ohne die Verbandsteilung wäre keine dramatische Senkung der TAL-Miete zu erwarten. Bei der letzten Neufestsetzung der Anschlussmiete betrug die Reduktion nicht einmal 1,5 Prozent. Warum sollten es dieses Mal mehr werden? Das angesetzte Kostenmodell ist unverändert, das für den Festnetzbau benötigte Personal und Material ist in den letzten Jahren teurer geworden, die dagegen gerechneten Effizienzsteigerungen sind nur in geringem Umfang möglich. Damit sind der Bundesnetzagentur die Hände gebunden, wenn sie nicht ihre eigenen früheren Entscheidungen in Misskredit bringen will. Ein neuer Wind und damit auch deutliche Preisschritte sind frühestens nach einem Wechsel des Chefs zu erwarten. Vor diesem Hintergrund erscheint die Breko-Selbstzerfleischung umso unsinniger. Bei anderen Themen, etwa dem Kampf gegen Vorratsdatenspeicherung oder die im Vergleich zum Festnetz massiv überhöhten Mobilfunk-Terminierungsentgelte, sollten die Interessen der bisherigen Mitglieder auch weiterhin gleichgelagert sein. Allerdings entnimmt man der aktuellen Diktion von Peer Knauer, Chef von Versatel, einem der größten Mitgliedsunternehmen des Breko, dass ihm das Wasser bis zum Hals steht und nur eine großzügige Senkung der TAL-Miete ihn retten könnte. Solcher Druck ist keine gute Voraussetzung, um Konsens-Entscheidungen im Verband zu treffen, und so erklärt sich wohl der unlösbare Streit. Aller schlechten Dinge sind vierZusammen mit dem VATM und den klassischen IT-Verband Bitkom gibt es nun vier bundesweite Interessenvertretungen für die Telekommunikationsbranche. Für Politiker ist das eine gute Nachricht. Denn egal, welches Ziel sie verfolgen, wird sich schon ein Verband finden, der dieses mit unterstützt. Und selbst Entscheidungen gegen die geschlossene Verbandsfront könnten künftig einfacher werden, wenn die Öffentlichkeit die vielen Bundesverbände nicht als Fürsprecher einer Branche, sondern als untereinander zerstrittene Vertreter der Interessen einzelner Unternehmen wahrnimmt. Die Politik sollte die Chance nutzen, und sich bei ihren Entscheidungen wieder stärker von der Sache und geeigneten Experten leiten lassen. Und dabei nicht vergessen, dass die Verbraucher meist die allerschlechteste Lobby haben. Gerade in der Telekommunikation, in der beispielsweise viele Nutzer aus Angst vor Kostenfallen vor neuen Diensten zurückschrecken, kann ein mehr an sinnvollem Verbraucherschutz am Schluss auch den Unternehmen dienen. Weitere Editorials
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