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Apple vorerst ohne Steve Jobs

15.01.2009
16:23

Tim Cook, das "heimliche Genie" von Apple, übernimmt vorerst Konzernführung


Die Welt sorgt sich um Steve Jobs. Bis Ende Juni nimmt der Apple-Mitbegründer eine Auszeit, um sich zu kurieren. Und nicht nur die Börse fragt sich, wie Apple ohne den charismatischen und manchmal auch tyrannisch auftretenden Chef auskommen soll. Nachdem Jobs in einer Mail an sein Team kürzlich einräumte, dass er nicht nur an einem "hormonellen Ungleichgewicht" leidet, sondern ernsthafter erkrankt ist, stürzte die Apple-Aktie an der Wall Street nachbörslich um über zehn Prozent ab.

Das Papier erholte sich aber zum Teil wieder, weil Schnäppchenjäger den niedrigen Kurs nutzten, um günstig einzusteigen. "Der Kurssturz war unumgänglich, weil Jobs das Aushängeschild von Apple ist", sagte Van Baker, Analyst und Apple-Experte bei der Unternehmensberatung Gartner. Viele Beobachter gingen - wohl nicht zu unrecht - davon aus, dass das Wohlergehen von Apple allein vom Wohlergehen von Jobs abhänge. Steve Jobs hat Apple vor dem Absturz bewahrt, die Musikindustrie auf den Kopf gestellt und die USA im Mobilfunksektor wieder nach vorne gebracht. Bei kaum einem anderen Konzern scheint das Schicksal des Unternehmens so sehr von der Person des "Chief Executive Officer" abzuhängen wie bei Apple.

Das "heimliche Genie" von Apple

Tatsächlich ist das Comeback von Apple Ende der 90er Jahre unmittelbar mit seinem Wirken verbunden. Der Apple-Mitbegründer hatte das Unternehmen 1985 im Streit mit Konzernchef John Sculley verlassen und war 1997 von damaligen CEO Gil Amelio zurückgeholt worden. Apple befand sich damals technologisch in einer Sackgasse, verlor gegen Windows 95 und die PC-Hersteller in einem dramatischen Tempo an Marktanteil und hatte kaum noch innovative Produkte im Programm. Mit dem Kompaktrechner iMac, einem neuen Betriebssystem (Mac OS X) und vor allem mit dem iPod schaffte Apple unter Jobs dann die Wende. Inzwischen erreichen die Macintosh-Computer in den USA wieder fast zweistellige Marktanteile. Das Geschäft mit digitalisierter Musik dominiert Apple mit dem iPod und dem Online-Laden iTunes komplett.

Doch hinter Jobs steht noch das "heimliche Genie" von Apple: Tim Cook, der bei Apple in den kommenden Monaten die Zügel vom erkrankten Konzernchef Steve Jobs übernehmen soll, gilt als einer der wichtigsten Architekten des wirtschaftlichen Erfolgs des Computer- und iPhone-Herstellers. Als für das Tagesgeschäft zuständiger "Chief Operating Officer" sorgt er dafür, dass nach der Umsetzung der kühnen Visionen am Ende des Tages schwarze Zahlen in den Büchern stehen. Und das mit Erfolg: Apple sitzt auf Cash-Reserven von fast 25 Milliarden Dollar - ganz ohne Schulden. Das US-Magazin "Fortune" würdigte Cook zuletzt als "das Genie hinter Steve". Die nächsten Monate könnten zeigen, ob der 48-jährige Cook vielleicht auch langfristig der Chefrolle bei Apple gewachsen wäre.

Jobs und Cook: Taten statt vieler Worte

Jobs holte den Compaq-Manager im Jahr 1998 zu Apple - und Cook griff bei dem damals ums Überleben kämpfenden Unternehmen schnell mit Effizienzsteigerungen durch. Er schloss die eigenen Produktionswerke von Apple und setzte auf Auftragsfertiger. Er ließ die Lagerbestände von Monaten auf Tage schmelzen. Das half Apple später immer wieder, bei dem schnellen Modellwechsel in der Elektronik-Branche keine Auslaufgeräte als Altlasten herumliegen zu haben. Zugleich sorgte Cook für reibungslose Lieferungen der verschiedenen Produkte. Zuletzt verantwortete er unter anderem federführend das Geschäft mit dem Erfolgshandy iPhone.

Ähnlich wie der 53-jährige Jobs gilt Cook als öffentlichkeitsscheuer Workaholic, der auch mal E-Mails mitten in der Nacht verschickt - und oft ähnlich schwierig im Umgang ist. Cooks Management-Stil illustrierte "Fortune" mit folgender Anekdote aus den 90er Jahren. Apple-Manager um Cook beraten über ein Problem in Asien. "Das ist schlimm", sagt er. "Jemand sollte sich direkt in China darum kümmern." Eine halbe Stunde später blickt er einem der Anwesenden ins Gesicht und fragt: "Warum sind Sie eigentlich noch hier?". Der Manager fährt direkt zum Flughafen und kauft sich ein Ticket ohne festes Rückflugdatum.

 
Sascha Recktenwald mit Material von dpa
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