Sie versprechen Tipps und Beratung auf Tastendruck:
Kunden-Hotlines, die bei großen Markenartiklern in Deutschland längst
zum Standard gehören. Unternehmen vom Tütensuppenhersteller bis zum
Elektronikkonzern bieten Kontaktmöglichkeiten per
Telefon, um Fragen
zu beantworten oder Hilfe bei Benutzungsproblemen zu geben - gerade
angesichts zunehmender Einkäufe im
Internet. Immer wieder entwickeln
sich
Servicenummern aber zum Ärgernis, wie die Verbraucherzentralen
beklagen. Dass lange Warteschleifen, hohe Anrufkosten und monotone
Sprachcomputer Käufer zu verprellen drohen, haben viele Firmen
inzwischen erkannt und geloben mehr Kundenfreundlichkeit.
Besonders im Visier von Verbraucherschützern stehen ausgerechnet
Anbieter technischer Geräte, die teils alles andere als "direkte
Drähte" betreiben. "Fragen Sie einen Freund oder Kollegen, aber bitte
nicht den Hersteller", lautete schon 2002 das nüchterne Fazit der
Stiftung Warentest nach einer Untersuchung der Hotlines von Laptop-Produzenten.
Und auch eine Nachkontrolle im vergangenen Sommer
ergab: Nur die Hälfte der Anfragen zu Problemen mit der Installation
oder dem Betriebssystem konnte die Stimme am anderen Ende der Leitung
ganz oder wenigstens annähernd lösen. Immerhin beurteilten die Tester
erstmals zwei Serviceangebote mit "gut", aber vier mit "mangelhaft".
Qualen am Telefon
Vielfach undurchsichtig sind auch die Kosten für ratsuchende
Kunden, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Herbst bei
einer Stichprobe unter 60 großen Unternehmen feststellte. Während
Bestellnummern meist gratis sind, kamen für speziellere Rückfragen
demnach oft bis zu 1,40 Euro zusammen, zum Teil sogar 9,90 Euro oder
19,90 Euro. Reichlich Nerven kostet viele Anrufer dabei allein schon
die in Callcentern verbreitete Vorsortierung nach Art des Anliegens
mit automatischen Aufforderungen wie "Drücken Sie die 1".
Nachholbedarf in puncto Kundenfreundlichkeit streitet denn auch
die Branche selbst nicht ab. Das Credo zu Qualität müsse in der
Unternehmensphilosophie festgeschrieben werden, sonst komme immer
Halbherziges heraus, heißt es beim Deutschen Dialogmarketing Verband
(DDV), der Dienstleister wie Auftraggeber von Hotlines vertritt.
"Viele Manager scheinen sich nicht bewusst zu sein, dass all die
Qualen, die ein Verbraucher am Telefon durchmachen muss, bis er
endlich eine Antwort auf seine Frage von einem Menschen aus Fleisch
und Blut erhält, schnell und radikal zu einer Entscheidung gegen die
Marke führen können", warnt DDV-Vizepräsident Patrick Tapp.