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Die Ex-Onliner sind im Kommen27.11.2008
10:39 Zukunftsforscher Horx: Internet-Begeisterung stößt an Grenzen
Die Begeisterung für das Internet stößt
nach Einschätzung von Zukunftsforscher Matthias Horx zunehmend an
Grenzen. "Immer mehr stellt sich heraus, dass virtuelle Welten die
realen nur bedingt ersetzen können", sagte Horx in einem Gespräch mit
der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt. "Ein kleiner, aber
wachsender Teil von Menschen, die sehr Internet und digital affin
waren, steigt aus diesem Zustand wieder aus." Viele Firmen hätten E-Mail-freie Tage eingeführt. Rund 2,6 Millionen Menschen bezeichneten
sich Studien zufolge bereits als "Ex-Onliner": Sie verringerten ihre
digitale Kommunikation, um mehr Lebensqualität zu haben.
Bei intensiven Erfahrungen im Internet mit Kontakt-Plattformen wie studiVZ, Facebook und Xing hätten viele gemerkt, "dass ihnen dabei die sozialen Bindungen unter den Fingern zerrinnen, und dass virtuelle "Zombie-Freunde" nicht so verlässlich sind", sagte Horx. Dieses Problem des "digitalen Fake" werde inzwischen in vielen Internet-Foren diskutiert. In immer mehr Restaurants und Cafés seien Handys und Laptops nicht mehr willkommen. "Sie wollen keine Atmosphäre, wo jeder in seinen virtuellen Tunnel schaut, sondern soziale Orte, in denen man sich real begegnet." E-Mail als Zeit- und ProduktionsfresserViele Unternehmen hätten die E-Mail-Flut inzwischen als "Zeit- und Produktionsfresser" erkannt und schalteten bevorzugt freitags den internen Mail-Verkehr ab, sagte Horx. "Stattdessen veranlassen sie die Menschen wieder zum gemeinsamen Tee trinken, weil das viel produktiver ist." "Offline" heißt einer von neun gesellschaftlichen Trends, die Horx und sein Zukunftsinstitut in ihrem neuen Trendreport 2009 vorstellen. Die "Tendenz des digitalen Überdrusses" befruchtet einen anderen Trend, den Horx und seine Wissenschaftler "Club Couture" nennen. "Club-Formationen werden für die Gesellschaft künftig sehr wichtig werden", sagte Horx. Damit seien nicht die Clubs gemeint, in denen sich schon immer Eliten organisierten, sondern neue Clubs zu bestimmten Themen oder Interessen. Am deutlichsten sei diese Entwicklung bislang im Tourismus zu erkennen, wo die Ausschließlichkeit als Marketing-Instrument an Bedeutung gewinne, etwa in Hotels für bestimmte Zielgruppen. Aber auch viele Banken versuchten nach der Finanzkrise wohlhabende Privatkunden nicht mehr über bestimmte Produkte, wie Derivate, zu binden, sondern über Literatur, Kunst und Kultur. Menschen wollen keine Nummer seinHorx sieht zudem eine "Renaissance von bürgerschaftlichem Engagement". Als Beispiele nennt er zahlreiche Privatschulgründungen von Eltern, das wachsende Engagement von Bürgern in Stiftungen und Engagement-Portale im Internet etwa zur Verteilung von Spenden. Auch regionale Bürgerinitiativen nähmen zu, etwa in "Neuen Siedlungsbewegungen", in denen Mehrgenerationen-Wohnen mit ökologischer Architektur kombiniert werde. Die Verschiebung dieses sozialen Engagements zu mehr Individualität und Kreativität werde von der Politik und den Parteien noch nicht richtig wahrgenommen, sagte Horx. "Die Menschen wollen nicht mehr eine Nummer in einer großen Organisation sein, sondern ihren eigenen Stil entwickeln können." Andere Beispiele seien grüne Einkaufs-Portale im Internet und Reisen, bei denen Urlaub mit sozialem oder Engagement für die Umwelt verbunden werde. Der Bio-Trend entwickle sich zwar fort, gleichzeitig gerate die Bio-Branche aber aufgrund der immens gewachsenen Nachfrage in eine Krise. "Der Markt ist inzwischen so groß, dass sie Massenproduktion brauchen und damit verliert das einen Teil seines Charmes und seiner Nachvollziehbarkeit." Horx rechnet mit mehr Skandalen und Turbulenzen in der Bio-Branche. "Sie verliert an Glaubwürdigkeit, aber die Menschen haben weiterhin das Bedürfnis nach einer anderen Art von Ernährung und Lebensmittelproduktion." Eine Folge sei, dass immer mehr Verbraucher selbst Nahrungsmittel anbauten und einkochten. In den USA mieteten sich bereits Hunderte Stadtbewohner gemeinsam eine bäuerliche Kooperative, um für sich Biolebensmittel zu produzieren.
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