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Editorial: Sieger Lithium
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| Ein Element revolutioniert die Batterientechnologie |
23.11.2008 18:08 |
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Sie wurden entwickelt, um
Handys und Laptops leichter
bauen zu können, und dennoch einen vergleichbar langen Betrieb ohne
Nachladen zu ermöglichen:
Lithium-Ionen-Akkus. Doch die ersten
Generationen der Lithium-Ionen-Akkus waren problematische Zeitgenossen:
Zwar hatten sie eine deutlich höhere Kapazität als alle anderen
Akkutypen. Doch konnte man ihnen insbesondere im vollgeladenen Zustand
fast schon zusehen, wie sie ihre Kapazität verloren. Durch Nachladen
ließ sich nur ein kleiner Teil der verlorenen Ladung wieder ersetzen.
Es handelte sich dabei nicht um die auch von anderen Akkutypen im
vollgeladenen Zustand bekannte hohe Selbstentladung, sondern um schleichende
Selbstzerstörung. Und höhere Temperatur - etwa verursacht durch das
Tragen von Handys am Körper oder durch die Abwärme der leistungsfähigen
Chips bei Laptops - beschleunigte diesen Prozess weiter. Lade- und
Entlade-Vorgänge setzten dem Akku zusätzlich zu.
Und so war mancher Lithium-Ionen-Akku schon nach
gut einem Jahr unbrauchbar geworden.
Als ob das noch nicht genug war, fanden manche Lithium-Akkus ein
gar feuriges Ende. Durch Produktionsfehler
konnten interne Kurzschlüsse entstehen, die zum raschen Aufheizen der
betroffenen Zelle führten, worauf deren Bestandteile in unvorhergesehener
Weise aufs Heftigste miteinander reagierten. Am Ende zerriss das
Gehäuse explosionsartig.
Gute Seiten

Doch Lithium-Ionen-Akkus haben auch gute Seiten. So gibt es beim
Lade- und Entladevorgang keine unerwünschten Nebenreaktionen. Praktisch
der gesamte Strom, der beim Ladevorgang in den Akku fließt, kann beim
Entladen wieder entnommen werden. Maßvolle Lade- und Entladeströme
vorausgesetzt, ergibt sich heraus ein sehr hoher Wirkungsgrad. Der
Akku wird im Betrieb kaum warm.
Zudem lassen sich beim Lithium-Ionen-Akku verschiedene Materialien
für Anode, Kathode und Separator kombinieren. Dadurch lassen sich die
Akkus gezielt auf verschiedene Anwendungszwecke hin optimieren,
beispielsweise auf hohe Energiedichte, hohe Leistungsdichte, lange
Lebensdauer oder hohe Sicherheit.
Während anfangs sicher die Energiedichte im Blickpunkt der
Batterieentwickler stand, achten diese anscheinend zunehmend auch auf
die anderen Parameter. Und so ist es keine Seltenheit mehr, wenn ein
vor zwei Jahren erworbener Lithium-Ionen-Akku heute trotz intensiver
Benutzung immer noch über 80 Prozent seiner Nennkapazität aufweist.
Gegenüber der Anfangszeit ist das eine Verbesserung um Faktoren.
Leistungsprotz

In jüngster Zeit haben mehrere Hersteller Prototypen oder gar
Serienexemplare von Lithium-Ionen-Akkus vorgestellt, die zigtausend
Ladeyklen überstehen, voraussichtlich mindestens zehn Jahre halten
und auch dann nicht explodieren, wenn man einen Nagel durch den Akku
schlägt. Zwar ist deren Energiedichte niedriger, dafür erreicht die
Leistungsdichte Spitzenwerte von mehreren Kilowatt pro Kilogramm.
Damit sind Hochleistungsakku denkbar, die bei nur 20 kg Gewicht -
kaum schwerer als eine herkömmliche Starterbatterie im Auto -
bis zu 80 kW abgeben können. Zusammen mit einem leistungsfähigen
und effizienten Elektromotor wird daraus ein Hybridantrieb, der
für ca. eine Minute 100 PS an Zusatzleistung bringt. Danach ist
der Akku so weit entladen, dass der Innenwiderstand stark steigt
und die entnehmbare Leistung sinkt. Für normale Beschleunigungsvorgänge
zum Beispiel beim Überholen ist die genannte Zeitdauer aber mehr als
ausreichend.
Da im Gegenzug
Anlasser, Lichtmaschine und herkömmliche Starterbatterie entfallen
können, wird das Auto nicht einmal viel schwerer. Während eine
Verstärkung des Benzin- oder Dieselmotors um 100 PS unweigerlich
den Verbrauch erheblich nach oben treibt, kann der elektrische
Zusatzantrieb sogar zur Verbrauchssenkung beitragen, insbesondere
aufgrund der Rückgewinnung von Energie beim Bremsen. Zudem erlaubt
das Zusatzdrehmoment des Elektromotors, die Gänge höher zu übersetzen
und so die typischen Betriebsdrehzahlen des Benzin- oder Dieselmotors
verbrauchsmindernd zu senken. Entsprechend groß ist das
Interesse der Autohersteller, vor allem für die Fahrzeuge der
Oberklasse, wo die Kunden großzügige Leistungsreserven erwarten.
Hohe Kosten

Mit Preisen von derzeit typisch 1 000 Euro pro speicherbarer
Kilowattstunde sind Lithium-Ionen-Akkus leider alles andere als billig.
Werden tatsächlich 10 000 Zyklen erreicht, relativieren sich
die Kosten zwar auf 10 Cent pro genutzter Kilowattstunde, doch
bleibt es bei den hohen Investitionskosten. Es bleibt aber zu hoffen,
dass mit zunehmender Anwendungsvielfalt und weiter stark steigenden
Stückzahlen die Preise sinken werden. Damit werden
Lithium-Ionen-Akkus eine vollkommen neue Form der Mobilität
ermöglichen, weit über die tragbaren elektronischen Kleingeräte hinaus,
mit denen ihre Karriere begann.
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Kai Petzke
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