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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 15.02.2012 |
Experte: Online-Spiele lösen das Fernsehen ab13.11.2008
12:47 Interaktive Inhalte werden immer attraktiver
Online-Rollenspiele wie "World of
Warcraft" werden nach Ansicht des Medienexperten Jörg Müller-Lietzkow
die Medienwelt verändern. Das Fernsehen als Leitmedium sei bedroht
und kämpfe, komme aber gegen die Attraktivität von Spielen kaum an,
sagte der Professor am Institut für Medienwissenschaft der
Universität Paderborn der Nachrichtenagentur ddp. Viele Menschen
seien es leid, sich einfach nur berieseln zu lassen. Gefragt seien
interaktive, nicht-lineare Inhalte, doch genau damit tue sich das
Fernsehen schwer.
Die Sendeanstalten hätten schätzungsweise noch zehn Jahre Zeit, um sich etwas einfallen zu lassen, sagte Müller-Lietzkow. Danach hätten Zwangsabgaben wie die GEZ-Gebühr keine Chance mehr. Die Menschen stellten ihren Fernseher einfach beiseite, weil es andere attraktive Angebote gebe. Der Werbemarkt werde zwar beim Fernsehen bleiben, aber die Ausgaben der Nutzer für Unterhaltung wanderten in den interaktiven Bereich ab. Der Reiz des AbenteuersOnline-Spiele wie "World of Warcraft" haben inzwischen Millionen Spieler weltweit. Das Reizvolle an ihnen sei nicht das Spiel an sich, sondern die besondere Herausforderung, mit oder gegen andere Menschen anzutreten, sagte der Experte. Die Spieler würden dazu gebracht, gemeinsam virtuelle Abenteuer zu bestehen und im Kollektiv zu handeln. Dabei kämen auch Menschen miteinander in Kontakt, die in der realen Welt nie etwas miteinander zu tun hätten. So spiele das Aussehen in der virtuellen Welt keine Rolle, und auch die Altersbarriere werde aufgeweicht. Online-Rollenspiele hätten durchaus positive Seiten, betonte Müller-Lietzkow. Die Spieler lernten, unter Zeitdruck gemeinsam zu agieren und komplexe Aufgaben gemeinschaftlich zu lösen. Die virtuelle Kommunikation werde gefördert, und genau diese Fähigkeit sei in der Berufswelt gefragt. Im Vordergrund stehe aber immer der Spaß, denn nur dann seien die Menschen bereit, Geld dafür auszugeben. Das ist in vieler Hinsicht der springende Punkt: Wie man die Menschen dazu bringt, für ein umfassenderes und komfortableres Fernsehangebot mehr Geld auszugeben, fragen sich in Deutschland nicht nur die Anbieter von Bezahl-Fernsehen, das seit Jahren vor sich hindümpelt. Auch die Anbieter von IPTV-Produkten, die im Paket mit hochwertigen (und teuren) Breitband-Internet-Anschlüssen verkauft werden, sind auf der Suche nach Kunden. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse zur Entwicklung der Mediennutzung scheint der Spaß bei diesen TV-Angeboten entweder zuwenig vorhanden oder nicht vermittelbar zu sein. Die enttäuschenden Verkaufszahlen für das Telekom-Produkt Entertain legen das jedenfalls nahe. Nebenwirkungen und UnverträglichkeitenDie neuen Online-Welten bergen aber auch Gefahren: In der dauerhaft bestehenden Parallel-Welt im Internet könne man sich auch verlieren. Online-Süchtige vereinsamen im realen Leben trotz der ständigen virtuellen Kommunikation. Der kritische Punkt sei erreicht, wenn der Betroffene sein tägliches Leben nicht mehr in den Griff bekomme. Hier seien vor allem die Eltern gefordert, ihren Sprösslingen Medienkompetenz vorzuleben. Einem Kind sei kaum zu vermitteln, dass es nicht stundenlang vor dem Computer sitzen dürfe, seine Eltern den Fernseher jedoch im Dauerbetrieb laufen ließen. ddp / Marie-Anne Winter
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