Menschen können so ständig am Alltagsleben anderer teilhaben
Das eigene Leben in aller Offenheit
im Internet zu präsentieren, liegt im Trend.
Mikro-Blogging heißt
eine junge Form von Online-Kurznachrichten, die besonders gut dazu
geeignet ist, andere Menschen permanent am eigenen Alltag teilhaben
zu lassen. Experten trauen dieser Art des Austauschs zu, bald
selbstverständlicher Bestandteil der digitalen Kommunikation zu
werden.
Mikro-Blogging vereint Eigenschaften aus verschiedenen Welten der
Kommunikation: Wie bei den herkömmlichen, Weblogs oder kurz Blogs
genannten Online-Tagebüchern erstellen sich mitteilungsbedürftige
Internetnutzer eigene Profilseiten bei einem Blog-Dienst und
veröffentlichen darauf Kurzbeiträge. Deren Umfang ist meist auf nicht
viel mehr als 140 Anschläge beschränkt und damit geringer als der
einer Standard-SMS.
Kurznachrichten heißen Tweet
Um die Mitteilungen zu verfassen und zu lesen, muss nicht zwingend
die Profilseite im Browser aufgerufen werden: Das Senden und
Empfangen funktioniert auch per Instant Messenger, per SMS, E-Mail
oder über spezielle Mikro-Blogging-Software für den Computer - je
nachdem, welche Verbreitungskanäle der jeweilige Dienst unterstützt.
Der bekannteste Dienst stammt aus den USA und heißt Twitter. Das
bedeutet so viel wie "Geschnatter" oder "Gezwitscher". Vor knapp zwei
Jahren gestartet, will er Familienangehörigen, Freunden und Kollegen
ermöglichen, sich gegenseitig jederzeit die Frage "Was machst du
gerade?" zu beantworten. Der Absender entscheidet dabei, ob nur
bestimmte Adressaten seine Kurznachrichten - Tweet genannt - lesen
dürfen oder aber alle Nutzer des Dienstes, die das wollen.
Wer genügend Tweets abonniert, hat Zugriff auf einen permanenten
Nachrichtenstrom und kann in das Leben anderer regelrecht eintauchen.
"Mikro-Blogging ist wie ein dauerhaftes Flurgespräch, bei dem es
ständig etwas Neues zu erfahren gibt und in das man sich beliebig
ein- und ausklinken kann", erklärt Benedikt Köhler,
Sozialwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr in München,
der sich mit soziologischen Internetphänomenen befasst.
Außerdem müsse sich der Nutzer interessante Neuigkeiten nicht erst
besorgen wie bei herkömmlichen Blogs: Einmal abonniert, kommen sie
von selbst zum Empfänger. Das mache ebenfalls den Reiz dieser neuen
Kommunikationsform aus, erklärt Köhler.
Twitter findet viele Nachahmer
Nach dem Vorbild von Twitter ist inzwischen eine Reihe weiterer
englischsprachiger Mikro-Blogging-Dienste entstanden:
Pownce,
Jaiku
oder auch
Friendfeed. Auch in Deutschland gibt es Nachahmer:
Frazr,
Wamadu und Niimo sind nur drei von einem ganzen Schwung. Sie locken
jeweils mit zusätzlichen Funktionen. Selbst populäre Sozialnetzwerke
wie Facebook, Myspace und
Xing haben das Prinzip mittlerweile
übernommen und bieten Mitgliedern die Möglichkeit, Statusmeldungen zu
erstellen.
Platzhirsch ist jedoch nach wie vor der Pionier:
"Twitter nimmt
eine Vorreiterrolle beim Mikro-Blogging ein und hat durchaus das
Potenzial, der neue digitale Kommunikationsdienst der nächsten Jahre
zu werden", urteilt IT-Experte Henning Behme. "Dann könnte es sein,
dass "twittern" ähnlich wie "googeln" in den Duden Eingang findet."
Benedikt Köhlers Einschätzung zufolge ist das "Twittern" bislang
vor allem unter besonders internetaffinen Zeitgenossen verbreitet.
Die Popularität der kurzen Mitteilungen dürfte aber auch über diese
Gruppe hinaus deutlich zunehmen, schätzt der Sozialwissenschaftler.
Von einem neuen Massenmedium sprechen, möchte Köhler jedoch nicht.
Mikro-Blogging werde für sich genommen eher eine Nische bleiben und
andere Kommunikationswege ergänzen.
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