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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 15.02.2012 |
Wer nur viel zockt, hat noch lange kein Suchtproblem28.09.2008
13:19 Zustand zeigt sich erst bei Bewältigung von Problemen im realen Leben
Wenn Inge Geißler ihrem Sohn den Zugang zum
Computer kappte, rastete der fast 18-Jährige aus. Der sonst
beherrschte Jugendliche zerriss sein Hemd oder warf einen Teller auf
den Boden. Für den Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für
Suchtfragen
(HLS), Wolfgang Schmidt, ein Verhalten, das er von
Drogen-, Tabletten- oder Alkoholabhängigen kennt. Das Suchtmittel
wegzunehmen "wird als existenziell erlebt und alles mobilisiert, um
diesen Zustand zu vermeiden". Weil
Computer- und
Internetsucht noch
wenig erforscht sind, die Anfragen von hilfesuchenden Eltern und
Lehrern aber stark zunehmen, hat die HLS mit Unterstützung der
Techniker Krankenkasse
(TK) das bundesweit einzigartige Projekt
"Netz mit Web-Fehlern?" ins Leben gerufen.
Computersucht ist nicht nur ein Jugendproblem"Wenn einer viel zockt, heißt das noch lange nicht, dass er ein Suchtproblem hat", sagt Projektleiter Thomas Graf. "Schwierig wird es, wenn man damit Probleme im realen Leben bewältigen möchte." Nach dem Motto: "Ich möchte nicht erwachsen werden, ich möchte Kind bleiben und spielen." Besonders anziehend für die - fast immer männlichen - Jugendlichen und jungen Erwachsenen seien Rollenspiele im Internet wie "World of Warcraft". Computersucht sei aber nicht nur "ein Jugend-, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem". Zwanghafte virtuelle Kontaktsuche und Cybersex-Abhängigkeit nennt Schmidt als Beispiele für die Internet-Obsession Erwachsener. Neun bis zwölf Prozent aller Bundesbürger, die regelmäßig im Internet spielen, seien Schätzungen zufolge süchtig, berichtet Schmidt. Laut anderen Studien sind drei bis vier Prozent aller Internetnutzer betroffen. Maßgebliche repräsentative Untersuchungen fehlten aber noch. Ungeklärt sei bislang auch, welche Therapieform die beste ist. Schmidt sieht Parallelen zur Glücksspielsucht, die erst seit wenigen Jahren als Krankheitsbild anerkannt ist. Betroffene kapseln sich vollständig abViele Jungen spielten bis zum Alter von etwa 16 Jahren recht intensiv, sagt Graf. Wenn die Leidenschaft danach aber nicht allmählich in den Hintergrund trete, sondern stärker werde, könne dies ein Indiz für ein Suchtproblem sein. "Die Betroffenen verbringen regelmäßig viele Stunden am Tag und oft auch in der Nacht mit Spielen und sind bereit, soziale Kontakte, Schule und Beruf völlig zu vernachlässigen", ergänzt Schmidt. Die Jugendlichen seien für Familie und Freunde nicht mehr richtig ansprechbar, nähmen nur selten an den Mahlzeiten teil und vernachlässigten auch die Körperhygiene. Als Warnzeichen nennt der Fachmann Kontrollverlust beim Spielen und Entzugserscheinungen wie etwa Gereiztheit. Meist seien intelligente Jungen betroffen, die aber schon als Kind soziale Schwierigkeiten hatten, besonders schüchtern, ängstlich oder depressiv waren. "Wir müssen den Kindern helfen, Normalität im Umgang mit Medien zu erreichen", betont Graf. Medienpädagogik werde in Schule und Jugendarbeit zu klein geschrieben. Viele Eltern seien angesichts der rasanten technischen Entwicklung überfordert. "Mich hat der Computer glattweg überrollt", erinnert sich Geißler.
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dpa / Anja Zimmermann
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