EU will Sekunden-Takt bei Handy-Telefonaten durchdrücken
28.08.2008 14:43
Ab Samstag niedrigere Höchstgrenzen für Roaming-Telefonate
Die EU-Kommission erwägt neue
Obergrenzen für die Gebühren der Handy-Nutzung im europäischen
Ausland. Weil viele Anbieter nicht sekundengenau abrechnen, müssen die Kunden nach
Auffassung der Brüsseler Behörde häufig zu viel bezahlen. Die Unternehmen berechneten
ihre Gebühren häufig nicht sekundengenau, sondern pro angefangener Minute. Deshalb
müssten die Kunden im Durchschnitt 24 Prozent mehr Minuten zahlen, als sie
tatsächlich telefonierten, hieß es.
Nationale Aufsichtsbehörden könnten gegen diese Mehrbelastung bei grenzüberschreitenden
Gesprächen nicht vorgehen, die EU hingegen schon. "Dies wird die Kommission in den
nächsten Wochen erwägen", sagte ein Sprecher von EU-Medienkommissarin Viviane Reding
heute in Brüssel.
Wie berichtet tritt ab kommenden Samstag eine neue Obergrenze für
Roaming-Telefonate in Kraft. Dann dürfen die deutschen
Mobilfunkanbieter höchstens 54,74 Cent pro Minute für ein abgehendes,
grenzüberschreitendes Handy-Gespräch in einem anderen EU-Land berechnen. Bislang lag
die Grenze bei 58,31 Cent. Für eingehende Anrufe dürfen sie maximal noch 26,18
statt wie bislang 28,56 Cent pro Minute berechnen. Nähere Informationen zum
EU-Tarif finden Sie auf
unserer Roaming-Themenseite.
Nächste Herausforderung der EU-Kommission: SMS und Datendienste
"Die nächste Herausforderung besteht jetzt darin, einen Binnenmarkt für
SMS und Datendienste bei Auslandsverbindungen zu schaffen",
sagte Reding. Sie hoffe auf Fortschritte noch in diesem Jahr. Die Aufsichtsbehörden
hatten laut Kommission festgestellt, dass die Kosten für die grenzüberschreitende
Datenübertragung in Mobilfunknetzen "für viele Verbraucher noch immer sehr hoch"
seien. Im ersten Vierteljahr 2008 zahlte ein Kunde demnach 2,05 Euro pro Megabyte,
wenn die Daten von Konzernpartnern seines Anbieters übermittelt werden. Bei
konzernfremden Unternehmen koste das im Schnitt sogar 5,40 Euro. Italienische und
slowakische Kunden müssten unter Umständen sogar mehr als 12 Euro je Megabyte
zahlen.
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