Spoerr bleibt

Show-Down bei freenet: Spoerr bleibt Vorstandschef

Nur 36 Prozent der Großaktionäre stimmten gegen Spoerr
Von dpa /
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Von einer Schlammschlacht, einem Show-Down und einem beispiellosen Akt war im Vorfeld die Rede. Eckhard Spoerr, Vorsitzender des Telekommunikationsunternehmen freenet, sollte gestern auf der Hauptversammlung in Hamburg gestürzt werden. Aber die Marathonsitzung nahm für den freenet-Gründer ein gutes Ende. Der Antrag der Großaktionäre United Internet und Drillisch, die 26 Prozent kontrollieren, fand keine Mehrheit. Nur knapp 36 Prozent der Aktionäre unterstützen den Antrag. Spoerr machte seinen Gegenspielern sogar ein Friedensangebot: "Wir können auch ein Bier gemeinsam trinken, so schlimm ist es doch nicht."

Der Redebedarf aufgebrachter Aktionäre war so groß, dass mitunter das Mikrofon abgestellt wurde. Zornige Aktionäre, die Klarheit beim milliardenschweren Kauf des Mobilfunkanbieters debitel fordern, Nachfragen, ob Spoerr einen Teil seines Vermögens nach Südafrika transferiert habe und nicht zuletzt Klagen über den ewigen Streit zwischen Vorstand sowie Drillisch und United Internet. "Diese ständigen Streitigkeiten um Macht und Geld gehören endlich beendet", ruft ein Aktionär.

Gibt Spoerr in den nächsten Monaten auf

Der 40-jährige Spoerr hatte alles getan, um eine Mehrheit zu organisieren. Ein Insider verrät: "Schon im Vorfeld wurde heftig in den Kulissen geschoben, damit Spoerr den Posten behalten kann." Und Drillisch-Vorstand Vlasios Choulidis greift schon am Morgen der Entscheidung voraus: "Ich glaube nicht, dass wir die nötige Mehrheit dafür erhalten werden." Das Anti-Spoerr-Lager hatte eine Armada an Anwälten aufgeboten, die das Aktionärstreffen mit Dutzenden Wortmeldungen und Nachfragen in die Länge zogen. So oder so: In Unternehmens- und Aktionärskreisen wird erwartet, dass Spoerr den Posten in den kommenden Monaten niederlegen könnte.

Wie kam es zu der Eskalation? Für United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth und Drillisch-Vorstand Choulidis war Ende 2007 die Zerschlagung von freenet beschlossene Sache. United Internet wollte die Internet-Sparte, Drillisch das Handygeschäft. Doch im Frühjahr holte der freenet-Chef zum Gegenangriff aus: Mit dem Kauf des doppelt so großen Mobilfunkanbieters debitel schaffte Spoerr den mit 19 Millionen Kunden drittgrößten Handy-Anbieter nach T-Mobile und Vodafone.

Die langfristige Entscheidung über den Verbleib Spoerrs fällt einer, der am Freitag gar nicht auftritt: der Investor Permira - der durch den Verkauf von Debitel nun 25 Prozent an Freenet hält. Dem Vernehmen nach stößt Spoerrs Vorgehen auch bei Permira auf Kopfschütteln - zumal keine Ergebnisverbesserung in Sicht ist.

Viele Aktionäre stehen hinter Spoerr

Die Aktionäre im Congress Centrum Hamburg sind sauer - viele stehen aber trotz allem hinter Spoerr. Einen solch "grotesken Versuch der Aktionärsverdummung" habe er in 30 Jahren auf Hauptversammlungen noch nicht gesehen, sagt ein Aktionär. Statt ein attraktives Übernahmeangebot zu machen, wollten United Internet und Drillisch die freien Aktionäre für ihre Abwahlpläne gewinnen und so versuchen, "ohne einen Cent zu zahlen" Freenet einfach zu übernehmen.

Der Freenet-Aufsichtsratsvorsitzende und frühere RTL-Manager Helmut Thoma macht klar, dass der Aufsichtsrat "keine wie auch immer geartete Grundlage" für eine Abwahl sehe. Hermes-Vertreter Stephan Howaldt fordert, sich wieder mehr ums Tagesgeschäft zu kümmern. Robert Weber, Anwalt der Drillisch AG hingegen geht scharf mit dem Vorstand ins Gericht: Ein strategisches Konzept fehle und die Aktie habe 55 Prozent an Wert binnen eines Jahres verloren.

Angesichts der scharfen Wortgefechte und vieler unzufriedener Aktionäre stellt sich die Frage, wie lange sich Spitzenverdiener Spoerr (ca. 4,4 Millionen Euro 2007) an der Spitze des 1999 gegründeten Unternehmens aus Büdelsdorf halten kann. Das Ergebnis schrumpft seit Quartalen. Ein Umsatzplus hält Spoerr erst in ein bis zwei Jahren für möglich. So sorgt seine Aussage, die Geschichte des Unternehmens sei "geprägt von kontinuierlicher Dynamik" bei so manchem für Kopfschütteln.