CAT-iq ist ein neuer Standard für schnurlose Endgeräte und deren Sendestationen im
Heimanwender-Bereich und soll den bisherigen Standard
DECT ablösen. Während
DECT aber als reiner Telefonie-Standard verwendet wird, bietet CAT-iq neben der
stark verbesserten Audioqualität beim Telefonieren die Möglichkeit zur
Datenübertragung und damit auch die Anbindung ans Internet. Dadurch können in
Zukunft CAT-iq-fähige Endgeräte zu kleinen Multimedia-Gadgets für zu Hause werden.
Allerdings hat sich in diesem Anwendungsbereich schon der
WLAN-Standard etabliert, so dass es sicher einiger
Anstrengungen der Hersteller bedarf, diese neue Technik zu vermarkten. Als einer der
ersten Anbieter hat Siemens zwei Endgeräte im Programm. AVM bietet eine
CAT-iq-fähige Version (Beta-Version im
FRITZ!Labor)
der Firmware für die
FRITZ!Box Fon WLAN 7270
an.
CAT-iq setzte auf DECT auf


Siemens Gigaset S685 IP
Foto: Siemens
CAT-iq steht für "Cordless Advanced Technology - Internet and Quality" und wurde
von der ITU im Dezember
2006 ins Leben gerufen. Vorangetrieben wird CAT-iq durch das
DECT Forum, in dem alle
größeren Produzenten von Endgeräten und Chiphersteller vertreten sind. Im Anhang
des Kürzels ("iq") stecken schon zwei der wesentlichen Merkmale des neuen
Schnurlos-Standards: Zum einen das Internet, also Datenübertragung direkt zum
Endgerät, und zum anderen die verbesserte Qualität, was sich auf die Sprachübertragung
(HD-Audio) bezieht.
Technisch gesehen setzt CAT-iq auf den DECT-Standard auf. Es wird dasselbe
Frequenzband im Bereich um 1,9 GHz verwendet. Damit ist CAT-iq auch
abwärtskompatibel zu DECT. Ein gleichzeitiger Betrieb von Sendestationen beider
Techniken im selben Raum führt jedoch zu Störungen.
Die treibende Kraft - Das DECT Forum

Das DECT Forum teilt den Heimanwender-Bereich in drei so genannte
Schlüsselanwendungen auf. Dazu zählen "Musik und TV (Internet Radio, IPTV)",
"Telefonie und Breitband (unter anderem DECT,
DSL und VoIP)" sowie
"PC und Gaming". Schwerpunkt bei CAT-iq soll natürlich die Kategorie "Telefonie und
Breitband" sein, aber eine Überschneidung mit den beiden anderen Anwendungsgebieten
wird ebenfalls angestrebt. Die Realisierung von CAT-iq erfolgt in drei Stufen:
Stufe 1 definiert nur Breitband-Audio über die Codecs G.726 (bis 40 kBit)
und G.722 (bis 64 kBit), Stufe 2 zusätzlich das Streaming von Audio- und
Internetdaten, und Stufe 3 mit weiteren Leistungsmerkmalen.
Übertragung von Sprache


AVM FRITZ! Mini
Foto: AVM
Für die verbesserte Übertragung von Sprache finden sich bei CAT-iq verschiedene
Begriffe wie Wideband Audio, HD-Audio oder bei Siemens das Kürzel HDSP (High
Definition Sound Performance). Dahinter steckt im Prinzip eine verdoppelte Bandbreite
bei der Übertragung der digitalen Sprachdaten. Während es bei DECT noch
32 kBit (etwa 3,1 kHz Bandbreite für Sprache) sind, werden bei CAT-iq
64 kBit (etwa 7 kHz Bandbreite) benötigt. Bei Verwendung eines üblichen
1-MBit/s-ADSL-Anschlusses tritt hierbei das Problem auf, dass aufgrund der Asymmetrie
für den Datenversand des Nutzers (Upload) nur eine Bandbreite von 128 kBit/s
zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass in diesem Fall nur maximal zwei Gespräche
gleichzeitig möglich sind; entsprechend mehr natürlich dann bei höheren Upload-Raten.
Endgeräte und Gateways

Das weltweit erste CAT-iq zertifizierte Gerät war das
Gigaset S675 IP. Es wurde im vergangenen
Dezember von Siemens vorgestellt. Frühe Geräte wie dieses nutzen nur die verbesserten
Audio-Fähigkeiten von CAT-iq. Inzwischen ist auch ein Nachfolger, das
Gigaset S685 IP erhältlich, beide Geräte kosten rund 140 Euro. Diese
beiden Geräte sind laut den Angaben auf der Website
www.cat-iq.org im Moment
die einzigen für offiziell für CAT-iq zertifizierten Endgeräte.
Einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie ein Endgerät mit zusätzlichen Datenfeatures aussehen
könnte, gibt das FRITZ! Mini von AVM, das rund
90 Euro kostet: Neben der verbesserten Audio-Qualität bietet es Datenfeatures wie
E-Mail, Audio-Streaming (MP3) oder Nachrichten per RSS-Feed direkt am Endgerät, ohne
dass man einen PC dafür einschalten muss. Allerdings handelt es sich beim FRITZ! Mini um
ein WLAN-Endgerät, also quasi ein Konkurrenzprodukt zum CAT-iq Standard.
AVM bietet auch erste CAT-iq-fähige Gateways in Form einer erweiterten Firmware für die
FRITZ!Box Fon WLAN 7270 an. Denn ohne Gateway ist auch das beste Endgerät
"sprachlos", schließlich braucht man für eine komplette Verbindung auf beiden Seiten sowohl
einen CAT-iq-Gateway und ein CAT-iq-Endgerät.
CAT-iq versus WLAN


AVM FRITZ!Box Fon WLAN 7270
Foto: AVM
Wie man schon am Beispiel des FRITZ! Mini sieht, wären auch alle Features von CAT-iq
mit dem bereits etablierten WLAN-Standard machbar. Das DECT-Forum hebt jedoch
Nachteile des WLAN-Standards hervor: WLAN habe mit knapp 15 Metern nur die
Hälfte der Reichweite von DECT. WLAN-Endgeräte wiesen zudem einen höheren
Strombedarf und damit kürzere Akkulaufzeiten auf. Außerdem seien die
Sicherheitsmechanismen bei WLAN nicht zuverlässig, und eine durchgängige Datenverbindung
mit geringer Latenz sei nicht immer garantiert. Und schließlich seien WLAN-Endgeräte für den
Massenmarkt zu teuer.
Diese Argumentation ruft jedoch Zweifel hervor. WLAN hat mit
WPA2 eine recht gute Verschlüsellungstechnik, und
auch das Kostenargument wird durch den Vergleich von FRITZ! Mini und
Siemens S675 IP widerlegt. Außerdem hat WLAN einen weiteren großen
Vorteil: Es hat im Markt einen Vorsprung von einigen Jahren, die erforderlichen Gateways
(FRITZ!Box) sind bereits in vielen Haushalten vorhanden . CAT-iq ist hingegen schon vom
Begriff her so gut wie unbekannt. Es sind also noch erhebliche Marketinganstrengungen
notwendig, um die Technik massenmarkttauglich zu machen.
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