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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 14.02.2012 |
Internetsucht: Wenn das Surfen zwanghaft wird01.06.2008
13:44 Viele Betroffene vereinsamen durch trügerische Kommunikation im Netz
Über das Internet buchen wir Flüge, zahlen Rechnungen, lesen Zeitung und melden uns für
Seminare an. Es ist das wichtigste Informationsmedium unserer Zeit und für eine ganze
Generation bereits eine Selbstverständlichkeit. Das Internet prägt das Leben und bestimmt
die sozialen Kontakte. Was aber, wenn man davon nicht mehr genug kriegen kann? Was,
wenn das Internet über unser Leben bestimmt?
Abschlussprüfung vergeigt, Kündigung und ein Gefühl der Machtlosigkeit, obwohl er selbst merke, wie er sein Leben kaputt mache - der Jugendliche, der anonym in einem Forum über Internetsucht seine Leiden beschreibt, ist kein Einzelfall. Die Betroffenen haben an die virtuelle Gemeinschaft im Internet alles verloren: überschuldete Häuser, zerbrochene Ehen, immense Telefonkosten. Nach einer Studie des Münchner Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. med. Oliver Seemann ist knapp jeder 21. deutsche Internetnutzer abhängig. Internationalen Schätzungen zufolge geht man von etwa 15 Prozent aus - Tendenz steigend. Betroffen sind vor allem junge Männer bis 20 Jahre, Frauen über 40 Jahre und Menschen, die bereits unter Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden. Sie verfallen Onlinespielen, zocken oder sind gar Onlinesex-süchtig. Der Grat zur Sucht ist schmalAndré Hahn, Psychologe an der Humboldt Universität in Berlin studierte einige Jahre das Verhalten von Internetnutzern. Er bewertet die Kommunikation im Internet grundsätzlich positiv. Doch der Grat zur Sucht sei schmal. Abhängige vernachlässigen ihre normalen Lebensgewohnheiten, um mehr Zeit im Internet zu verbringen. Familie, Freunde, Schlafen oder Essen? Fehlanzeige. Onlinesüchtige können die Dauer im Internet weder kontrollieren noch beschränken. Seine 38-jährige Frau "zocke" in jeder freien Minute, schreibt ein Hilfesuchender im Forum, sie lebe in einer Traumwelt und vernachlässige die zwei Töchter. Andere soziale Kontakte abseits des Internet fänden so gut wie nicht mehr statt. Ebenfalls typisch: Die Verleugnung des Problems. Ist der Computer einmal defekt, treten Entzugserscheinungen wie Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Schweißausbrüche auf. Und dennoch gibt es kaum Therapiemöglichkeiten. Der Grund: Internetsucht ist als Krankheit noch immer nicht anerkannt, da sie zu wenig erforscht ist. Laut Dr. Seemann kann man von Internetsucht ausgehen, wenn neben den Entzugserscheinungen fünf der folgenden Kriterien über länger als einen Monat auftreten: ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang zum Internetgebrauch, ein Kontrollverlust über die Zeit online, ein deutlicher sozialer Rückzug wegen des Internetgebrauchs, deutliche Probleme in der Partnerschaft, im Job oder in der Schule sowie das Fortsetzen des Verhaltens, obwohl man sich der negativen Folgen bewusst ist.
Trügerische KommunikationBetroffene und Hilfesuchende von Internet- oder Handy-Sucht treffen sich in Internetforen wie www.onlinesucht.de, www.online-sucht.de oder www.netaddiction.com, um sich auszutauschen. Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Motto. Doch auch hier sind die Betroffenen wieder allein, denn Internetsucht macht - wie auch Handy- bzw. SMS-Sucht - einsam und isoliert, auch wenn dies zunächst paradox erscheint, da der ursprüngliche Zweck des Nutzers ja das Gegenteil bewirken sollte: Kommunikation und Zugehörigkeit. Bei der Handy-Sucht geht es beispielsweise jedoch nur um eine trügerische Kommunikation. Das Telefonieren und SMS-Schreiben per Handy ist hier vielmehr ein Lückenfüller, ein Austausch von Belanglosigkeiten statt wirklicher Zuwendung. Am Ende bleibt nichts übrig. So wie für einem User, der in einem Internet-Forum klagt, er habe dadurch seine Frau und seine Kinder verloren und obendrein jetzt noch Schulden.
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