Diskussion

sipgate: "Telefonkunden droht durch NGN neue Servicewüste"

Der VoIP-Provider kämpft weiter um den Ruf der Internet-Telefonie
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Der VoIP-Anbieter sipgate versucht mit aller Macht, den Ruf der Internet-Telefonie aufzupolieren. Nachdem das Unternehmen bereits vor wenigen Wochen der Deutschen Telekom vorwarf, mit Aussagen zu einer angeblich sinkenden Gesprächsqualität bei Voice over IP die Verbraucher zu verunsichern, kritisiert sipgate nun alternative Vollanschluss-Anbieter wie Arcor und HanseNet für ihre Werbeaussagen. Die Firmen würden darin den Kunden ihre über das Breitband-Netz bereitgestellten Telefonanschlüsse (Next Generation Network oder kurz NGN) als höherwertiger als klassische VoIP-Anschlüsse verkaufen, ihnen die Nachteile dieser Technologie aber verschweigen. Dabei drohe den Telefonteilnehmern mit NGN eine "neue Servicewüste".

"Verbraucher wissen in der Regel nicht, dass NGN gleich VoIP ist, NGN ihnen aber zentrale Vorzüge der Internet-Telefonie vorenthält", sagt Thilo Salmon, Geschäftsführer der indigo networks GmbH, dem Anbieter des VoIP-Dienstes sipgate. "NGN ist für Festnetz-Kunden ein Rückschritt." Errungenschaften wie die erst seit kurzem existierende Möglichkeit, den Breitband-Zugang unabhängig zum Telefonanschluss zu bestellen, würden mit NGN zunichte gemacht. Technischer Fortschritt und die mobile Nutzung des Anschlusses blieben ebenso außen vor wie die freie Wahl des Endgerätes. Nach Einschätzung von sipgate verfolgen die Netzbetreiber mit NGN das vorrangige Ziel, nicht den Service, sondern vor allem die Gewinnmarge deutlich zu verbessern.

Starke Abhängigkeit vom Breitband-Provider bei NGN

sipgate-Geschäftsführer Thilo Salmon Zu den Nachteilen von NGN gehört laut Salmon eine starke Abhängigkeit des Kunden vom Zugangs-Provider, da eine feste Kopplung des Telefondienstes an den Breitband-Anschluss und die Telefon-Tarife des Anbieters besteht und bei einer Kündigung des Vertrags sowohl Internetzugang als auch Telefondienst verloren gehen. Zudem ermöglichten NGN-Anschlüsse im Gegensatz zu klassischer Internet-Telefonie keine nomadische Nutzung des Telefonanschlusses. sipgate-Kunden sind auf Reisen an jedem Breitband-Anschluss weltweit per Telefon-Software oder VoIP-fähigem Handy unter ihrer Ortsrufnummer erreichbar. Da der Anschluss in Deutschland registriert ist, fällt für Telefonate aus dem Ausland in die Heimat nur der Tarif für Inlandsgespräche ins deutsche Festnetz an. Nicht unterstützt würden bei NGN auch VoIP-fähige Telefone, die über zusätzliche Quality-of-Service-Merkmale sowie deutlich mehr Funktionen verfügten.

sipgate kritisiert die NGN-Angebote weiterhin dafür, dass der Kunde auf die vom Anbieter herausgegebene Hardware angewiesen ist und nicht auf alternative Geräte zurückgreifen kann. Das bedeute auch, dass die NGN-Nutzer fürs Telefonieren auf die Betreiber-Technik angewiesen seien und so "nur" Festnetz-Qualität genössen. "Aufgrund des offenen Standards wird das von VoIP-Providern verwendete SIP-Protokoll und dessen Möglichkeiten weltweit weiterentwickelt. Davon profitiere auch die Audioqualität", heißt es in einer heutigen Mitteilung von sipgate. So erlaubten Wideband-Codecs bei VoIP inzwischen eine "Sprachgüte auf Hifi-Niveau".

Streit mit der Deutschen Telekom um Gesprächsqualität bei VoIP

Bereits vor einigen Wochen hatte sipgate eine Aussage eines Telekom-Sprechers zum Anlass genommen, eine Diskussion über die Gesprächsqualität von VoIP in Gang zu bringen, und versucht, deren Tenor zu beeinflussen. Der Telekom-Sprecher hatte erklärt, dass aufgrund der zunehmenden Netzbelastung die Qualität von Voice-over-IP-Gesprächen abgenommen habe. sipgate reagierte darauf mit einer Umfrage unter mehr als 2 000 eigenen Kunden zu ihrer Einschätzung der Gesprächsqualität bei der Nutzung des VoIP-Dienstes. Dem Anbieter zufolge, hätten die Umfrageteilnehmer bestätigt, dass die Gesprächsqualität bei sipgate konstant hoch sei und sich sogar verbessert habe. Fast 80 Prozent der Nutzer hätten auch zu "Stoßzeiten" im Internet keine Verschlechterung der VoIP-Qualität feststellen können.

Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg betonte zwar im Nachhinein, dass es der Deutschen Telekom bei der Aussage nicht darum gegangen sei, das Geschäftsmodell der VoIP-Provider schlecht zu reden, sondern nur darum, mit einer "realistischen Einschätzung von Entwicklungen in der Zukunft" einen "Denkanstoß" zu geben. Nach Ansicht von sipgate führe aber bereits das Hinterfragen der VoIP-Qualität ins Leere: "Probleme bei der Sprachqualität lassen sich zu fast 100 Prozent auf die Leistungsfähigkeit des vorhandenen Breitband-Anschlusses und/oder die fehlende Konfiguration bzw. die Ausstattung der VoIP-Endgeräte zurückführen", erklärte sipgate. Beides sei unabhängig von der Kapazität der IP-Netze. Die Deutsche Telekom will wie berichtet bis zum Jahr 2012 ihr Netz auf IP-Technik umstellen.

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