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Polizei schließt Hacker-Forum von Teenagern

Handel mit ausgespähten Daten im Internet boomt
Von dpa / Anja Zimmermann
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Die Staatsanwaltschaft Augsburg ist einem bundesweiten Hackerforum für Internetkriminalität auf die Spur gekommen. Nach Hausdurchsuchungen in sechs Bundesländern bei elf Internet-Administratoren wurde das Forum geschlossen. Gegen die Betroffenen wurden Verfahren wegen des Ausspähens und Abfangens von Daten eingeleitet. Es handelt sich nach heutigen Angaben der Kripo Augsburg um Verdächtige im Alter zwischen 15 und 22 Jahren aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hamburg und Niedersachsen. Ihnen wird vorgeworfen, Benutzerdaten und Kennwörter ausgespäht und für betrügerische Geschäfte angeboten zu haben.

In dem teils für jedermann frei zugänglichen Forum waren gültige Kreditkartendaten zum Kauf für Online-Geschäfte angeboten worden. Hinzu kamen detaillierte Angaben, wie Verschlüsselungen für drahtlose Übertragungen zu knacken seien oder wie über sogenannte Keylogger eingetippte Geheimdaten erfasst werden können. Für 75 Euro wurde der betrügerische Einkauf von Ware bis zu einem Wert von 1500 Euro angeboten. Ein täuschend echt aussehender, gefälschter Pass war für 550 Euro im Angebot, ein offenbar gestohlener Originalausweis für 750 Euro.

Kriminelle "Hilfsbereitschaft" ist groß

Zusätzlich wurden nach Ermittlungen der Polizei in dem Forum eine Fülle von ausgespähten Benutzerdaten einer Internet-Börse mit Namen und zugehörigem Passwort für betrügerische Geschäfte angeboten. Der Server für das ausschließlich deutschsprachige Forum stand zunächst in Deutschland und sei später in die Niederlande verlegt worden, hieß es auf einer Pressekonferenz der Ermittlungsbehörden weiter.

Die Augsburger Fahnder waren im November 2007 zufällig auf das Hackerforum gestoßen. Die Überwachung der Online-Aktivitäten ergab, dass sich dafür rund 33 000 Benutzer angemeldet hatten. Zu rund 70 000 Themen fanden die Ermittler rund 700 000 Beiträge. "99 Prozent davon waren strafbare Inhalte", sagte der Augsburger Kripochef Klaus Bayerl. Es sei erstaunlich, mit welcher "Dreistigkeit und Unbekümmertheit" die meisten Jugendlichen und Heranwachsenden auf die illegalen Angebote professioneller Krimineller zugriffen. Für betrügerisch eingekaufte Ware mit ausgespähten Kreditkarten boten anonyme Forumsteilnehmer an, die Ware verdeckt zu empfangen, umzupacken und zu versenden, um Nachforschungen der Polizei zu entgehen.

Die Mehrheit der Deutschen fürchtet keinen Datenmissbrauch

Trotz aller Meldungen über Schadprogramme hat mehr als die Hälfte der Internetnutzer keine Angst vor einem Missbrauch der eigenen Daten. Das geht aus einer Umfrage des Instituts Forsa für den Branchenverband BITKOM in Berlin hervor. Dabei gaben 57 Prozent der befragten Bundesbürger an, sie sorgten sich nicht um persönliche Daten im Netz. Lediglich knapp jeder dritte Nutzer (32 Prozent) gab an, sich "eher unsicher" zu fühlen. Und nur 7 Prozent sagten, Privatdaten im Internet seien "völlig unsicher". Die übrigen vier Prozent entschieden sich für die Antwortmöglichkeit "weiß nicht". An der repräsentativen Studie beteiligten sich gut 1 000 Personen.