Funk-Flop

"Gnadenlos versagt": Ein WiMAX-Pionier packt aus

Freeman: Überzogene Erwartungen in die Funk-Technologie
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Wird der Funkstandard WiMAX die in ihn gesetzten Erwartungen enttäuschen? Laut einem Bericht des Internet-Portals Telecom.tv hat in Australien Hervey Bay, einer der weltweit ersten kommerziellen WiMAX-Netzbetreiber, sein Funknetzwerk abgeschaltet. Der Vorstandsvorsitzende Garth Freeman habe zudem auf einer internationalen WiMAX-Konferenz in Bangkok die Technologie als "Katastrophe, die gnadenlos versagt hat" bezeichnet. Probleme wie die schlechte Latzenz und Phasenverzerrungen ("Jitter") machten die Technik unbrauchbar und für viele Internetanwendungen unakzeptabel, speziell für VoIP sei die hochgelobte Technik absolut nicht zu gebrauchen.

Die Reichweite sei schlechter als die optische Sicht, sagte Freeman, der Wert von bis zu zwei Kilometern übertrieben. Selbst innerhalb von 400 Metern vom Sender entfernt müsse man schon mit Latenzzeiten von 1 000 Millisekunden rechnen. "WiMAX wird nicht funktionieren, weil in die Technik völlig überzogene Erwartungen gesetzt worden sind", so Freemann weiter. Er wies darauf hin, dass die meisten WiMAX-Netze nie über ein Beta-Test-Stadium hinaus gekommen seien. Genutzt werde die Technik nur von "Startup-Gesellschaften", die von "zweitklassigen Lieferanten" dazu getrieben worden seien.

Neue Wege

Die Bekenntnisse von Freemann sind erstaunlich, denn zwölf Monate zuvor soll er dem Bericht zufolge noch überschwenglich die WiMAX-Technologie gefeiert haben. Stimmt, gab Freeman in Bangkok zu, damals habe seine Firma gerade zehn Prozent seiner 55 000 Kunden in zwei Monaten gewonnen und die Marktanteile seien auf 25 Prozent gestiegen, weil man auf günstige VoIP-Telefonie-Tarife hingewiesen habe.Er und sein Team hätten aber lernen müssen, dass die WiMAX-Technik massive Probleme bei der Inhouse-Versorgung habe. Das zeigten auch Erfahrungen anderer WiMAX-Pioniere, die inzwischen über Probleme klagten.

In Australien setzt der Anbieter jetzt auf die TD-CDMA-Technik bei 1,9 GHz und eine Technologie-Plattform, die "Wireless DOCSIS" genannt wird. Der DOCSIS-Standard kommt auch bei den Telefonie-Angeboten der deutschen Kabelfernseh-Anbieter zum Einsatz, die drahtlose Lösung setzt auf die sogenannte MESH-Technologie, wo jeder Teilnehmer zugleich als Repeater und Router von Signalen (für andere Teilnehmer) dient. Damit sollen sich leistungsfähige ad-hoc-Netze aufbauen lassen. Wireless DOCSIS funkt im 3,5-GHz-Bereich - also der Bereich, in dem hierzulande WiMAX angeboten werden kann -, erlaubt Datenübertragungsraten von bis zu 38 MBit/s und verspricht "hohe Reichweiten und Abdeckung".