Deutsche Radiosender stehen der
Digitalisierung – trotz aller Probleme der Vergangenheit – generell sehr positiv
gegenüber. Das besagt eine von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien
(
BLM) bei der Goldmedia GmbH Media
Consulting & Research im September 2007 in Auftrag gegebene Studie mit dem Namen
„Geschäftsmodelle für den Hörfunk im digitalen Zeitalter“. Um die Einschätzung
der Hörfunkveranstalter zu den Auswirkungen, Chancen und Risiken der
Digitalisierung des Hörfunks zu erfassen, wurden im September 2007 standardisierte Fragebögen
an die Geschäftsleitungen von 100 deutschen Radiosendern
versendet. Befragt wurden alle bayerischen Radiosender bzw. -gruppen und
Funkhäuser, alle weiteren landesweiten privaten Radiostationen in Deutschland
sowie eine Zufallsauswahl lokaler privater Radioanbieter. Die Ausschöpfung lag
bei 43 Prozent.
Sender verlangen mehr Fördergelder

Die Untersuchung ergab, dass fast 90 Prozent der Befragten erwarten, dass sich der digitale
Hörfunk als zusätzliches Medienangebot etablieren wird. Erfolgversprechende
Übertragungsstandards für Hörfunk sind aus Sicht der Radioveranstalter vor allem
DAB+ (60 Prozent), DMB (44 Prozent) und DVB-H (44 Prozent). Selbst investieren
würden die befragten Sender zu 38 Prozent in DAB+, zu 33 Prozent in DMB und zu
29 Prozent in DVB-H. Dabei betonen über 80 Prozent der befragten
Radioveranstalter, Bund und Länder sollten die Digitalisierung der
Hörfunkübertragung stärker fördern. Fast die Hälfte der Befragten war aber auch
der Meinung, die Hörfunkanbieter selbst sollten die digitale Hörfunkübertragung
forcieren. Lediglich 22 Prozent aller teilnehmenden Sender gaben an, ihr
Programm bereits via DAB zu übertragen. Dagegen verbreiten bereits 80 Prozent
der Sender ein bzw. mehrere Programme im Internet. Zudem bevorzugen mehr als die
Hälfte der Befragten eine Simulcast-Ausstrahlung ihres Programms über DAB+.
Voraussetzung dafür wäre aber eine Marktdurchdringung von 20 Prozent. Als
passender Zeitpunkt wird das Jahr 2010 genannt. Die Simulcast-Phase müsste aus
Sendersicht eine Dauer von etwa fünf Jahren haben.
Fast 80 Prozent der befragten Veranstalter wollen sich an einer möglichen Ausschreibung für
Digitalradio beteiligen. Entsprechende Frequenzen werden aller Voraussicht nach
im Jahr 2009 zur Verfügung stehen. Die Anbieter würden sich zu 74 Prozent für
regionale und lokale Kapazitäten, zu 37 Prozent auf Ballungsräume bezogene, zu
43 Prozent auf landesweite und zu 37 Prozent auf bundesweite Kapazitäten
bewerben. Mehr als 70 Prozent gaben an, dass sie sich allein bzw. zusammen mit
anderen Hörfunksendern bewerben würden. Die Hörfunkveranstalter sehen sich
vorrangig als geeignete Plattformbetreiber für Digitalradio. Mehr als ein
Drittel bevorzugen als Betreiber einer Plattform für Digitalradio eine Gruppe
aus Hörfunksendern und 63 Prozent einen Hörfunksender allein.
Als geeignete regulative Ansätze zur Förderung der Digitalisierung des Hörfunks
sehen die Befragten eine ganze Reihe von möglichen Maßnahmen: die finanzielle
Förderung der Übergangsphase, die Erstellung eines Radio-Masterplans, Gespräche
und Kooperationen mit den Landesmedienanstalten sowie die Ausbaubeschränkung
der Verbreitung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks über das originäre
Sendegebiet hinaus.
Wachstumspotenziale: Online-Werbevermarktung und Events

Nur bedingt optimistisch sind die Veranstalter bei
der Frage nach der Einnahmeentwicklung und den Geschäftsmodellen. Deutliche
Wachstumspotenziale sehen sie langfristig (bis 2012) nur in den Bereichen
Online-Werbevermarktung und Events. Lediglich 30 Prozent erwarten steigende
Einnahmen aus kostenpflichtigen Online-Diensten. Eine Mehrheit der
Hörfunkveranstalter sieht bereits deutliche Zeichen des Wandels auch in Bezug
auf ihre Geschäftsmodelle: Fast 60 Prozent gaben an, dass sie ihre
Geschäftsbereiche verändern müssen und sich vom reinen Hörfunkveranstalter hin
zu Audio-, Video- und Info-Dienstleistern, Plattformbetreibern,
Eventveranstaltern bzw. Dienstleistern im Internet entwickeln werden. Als
weitere potenzielle Geschäfts- und Erlösmodelle nennen die Veranstalter auch
Pay-Radio (als Teil einer Pay-TV-Plattform wie z.B. Premiere), Shopping-Radio,
Corporate Radio, Abo-Dienste für Sonder-Programme sowie Interaktionserlöse durch
Rückkanalfähigkeit der Verbreitungswege.
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