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Runder Geburtstag: Die CD wird 2517.08.2007
09:37 Die CD verdrängte andere Datenträger - und ist nun selbst ein Auslaufmodell
Mit Abbas letztem Album begann die technische Revolution: Die letzten Songs der schwedischen Superstars waren die ersten, die 1982 auf einen völlig neuen Tonträger gepresst wurden. Am 17. August 1982 begann in Langenhagen bei Hannover erstmals in Europa die industrielle Fertigung von zwölf Zentimeter großen und 1,1 Millimeter dünnen, silbernen Scheiben. Ein Laserstrahl rast im Tiefflug über den sechs Kilometer langen Laufstreifen hinweg und liest über eine Milliarde Informationen pro CD optisch aus.
Die CD versprach digitale Klangqualität ohne lästiges Umdrehen sowie Rausch- und Knisterfreiheit. Staub und Dreck können einfach abgewischt werden. Vor allem für die Freunde der klassischen Musik war das eine Verheißung. Trotzdem konnte die CD in den ersten Jahren nur mühsam gegen die etablierte Langspielplatte aus Vinyl Fuß fassen. Musik-Experten kritisierten ihren sterilen Klang, viele DJs greifen noch heute lieber zum Vinyl. Die ersten silbernen Scheiben waren zudem deutlich teurer als die LP - ganz zu schweigen von der ersten Generation der CD-Spieler, die im Oktober 1982 auf den Markt kam. So fristete die CD zunächst ein Nischendasein in den Plattenläden, als Zukunftsmusik in verschlossenen Vitrinen präsentiert. Noch 1984 äußerten sich die Musikverleger sehr pessimistisch über die Zukunft des neuen Tonträgers. Dass die CD einen Marktanteil von 50 Prozent erreichen werde, sei wohl Wunschdenken ihrer Erfinder, ätzte ihr Verband. Doch die Kritik verstummte bald und in den Plattenläden begann das große Umräumen. Der Siegeszug des Polycarbonats1990 - acht Jahre nach ihrem Start - hatte die CD bereits die Platzhirschen LP, Single und Musik-Kassette überholt. 1994 wurden doppelt so viele CDs verkauft wie alle übrigen Tonträger zusammen genommen. Die Preise für CD-Spieler sanken in den Keller und waren bald preiswerter als herkömmliche Plattenspieler. Bis heute sind an die 100 Milliarden CDs verkauft worden. Entwickelt wurde die Compact Disc vom Elektronikriesen Philips und Sony - der Grundstoff, ein Polycarbonat, kam vom Chemiekonzern Bayer aus seinem Werk in Krefeld-Uerdingen. Die Industrieriesen gewannen für ihr neues Produkt einen Fürsprecher der ersten Stunde: Star- Dirigent Herbert von Karajan wollte sein Werk möglichst schnell digital konserviert und auf den Markt gebracht sehen. Wie die CD zu ihrem Durchmesser von zwölf Zentimetern kam, darüber gibt es eine Legende mit mehreren Varianten: Ludwig van Beethovens "Neunte" sollte vollständig auf den neuen Tonträger passen - in ihrer 74-minütigen längsten Version entspricht das zwölf Zentimetern - obwohl eigentlich zehn Zentimeter geplant waren, was besser in die Hosen- und Anzugtaschen gepasst hätte. Welcher Beethoven-Liebhaber sich mit seinem Wunsch durchsetzte, darüber gehen die Meinungen auseinander: Mal soll es Maestro von Karajan selbst gewesen sein, dann der Sony-Chef - mehrere Quellen sagen hingegen, es sei die Frau des Japaners gewesen, die den Weltstandard der CD auf diese Weise definierte. Einigkeit herrscht bei einem anderen Maß der CD: Für ihr Loch in der Mitte legten die Tüftler bei Philips einfach die holländische Zehn-Cent-Münze als Maßstab an. Mit Jahren Verspätung gelang der CD auch als mobiler Datenträger für Personalcomputer ein eindrucksvoller Siegeszug, bis sie schließlich der unumstrittene mobile Ton- und Datenträger Nr. 1 war. Inzwischen gibt es auch ihre wiederbeschreibbare Variante und auch die DVD erscheint mit wesentlich mehr Daten äußerlich als CD. Halbwertzeit längst überschrittenWar die Welt zum 20. Jubiläum der CD noch in Ordnung und ihre Stellung schien unangreifbar, wackelt ihr Thron inzwischen deutlich. Mit dem Dateiformat MP3 emanzipiert sich die Musik von ihrem Speichermedium, kann auf beschreibbare CDs ebenso wie auf Festplatten geladen werden - aus dem Internet und ohne CD. Mit dem iPod wird der CD endgültig der Kampf angesagt - Festplatte gegen CD. Viele Jugendliche verzichten für ihre Musiksammlung heute auf die in die Jahre gekommenen Silberlinge - die sie allenfalls noch für die Sicherungskopien ihrer Computerprogramme brauchen. In Verruf gekommen sind die runden Silberlinge auch deshalb, weil sie keineswegs so lange halten, wie einst versprochen wurde. Häufige Nutzung, aber auch Temperaturunterschiede und vor allem eine unsachgemäße Beschriftung setzen den Datenträgern zu - wenn die Schutzschicht erstmal angegriffen ist, setzt der Zerfallsprozess ein und die Daten werden allmählich unlesbar. So fürchtet das Deutsche Musikarchiv, dass sein CD-Bestand von über 373 000 CDs mit der Zeit unbrauchbar wird. Vor allem bei den CDs der ersten Generation zeigen sich schon Zerfallserscheinungen. Es heißt zwar, dass die Lebensdauer einer CD unter idealen Lagerungsbedingungen bei 50 bis 80 Jahren liegen kann - das schließt aber eine Benutzung der Scheiben aus. Noch kurzlebiger sind selbstgebrannte CDs, diese können schon nach wenigen Jahren unlesbar werden. Experten empfehlen daher eine Datensicherung auf externen Festplatten, die allerdings auch nicht für längere Archivierungszyklen geeignet sind. dpa / Marie-Anne Winter
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