Offenbar rätselhafte Finanzgeschäfte vor Pleite von BenQ Mobile
21.03.2007 21:51
Insolvenzverwalter fordert Millionen aus Taipeh zurück
Vor der Insolvenz des Handy-Herstellers
BenQ Mobile ist es offenbar zu rätselhaften
Finanzgeschäften gekommen. Dabei soll nach einem Bericht der
Süddeutschen Zeitung
das taiwanesische Unternehmen, das 2005 von Siemens dessen Handy-Sparte übernommen hatte, das deutsche
Tochterunternehmen um Millionen gebracht haben. "Wir haben deutliche
Vermögensverschiebungen festgestellt", sagte Insolvenzverwalter Martin Prager.
Vor Gericht wolle er nun mehr als eine halbe Milliarde Euro aus Taipeh zurückfordern.
Zuvor hatte Prager mitgeteilt, dass rund 4 350 Gläubiger noch Geld von
BenQ Mobile wollen:
Ingesamt beliefen sich diese Forderungen auf 1,2 Milliarden
Euro, sagte er auf der
Gläubigerversammlung in München.
BenQ verfüge aber "nach
derzeitigem Kenntnisstand" nur noch über ein Vermögen von rund 300 Millionen
Euro. Von diesem Geld müssten auch noch die Kosten für die Transfergesellschaften,
die Auslaufproduktion und mögliche Gerichtsprozesse bezahlt werden. Offen sei
aber noch, inwiefern BenQ Mobile Ansprüche gegen den taiwanischen
Mutterkonzern geltend machen könne.
Die taiwanische BenQ hatte der deutschen Mobilfunktochter im September
vergangenen Jahres den Geldhahn zugedreht
und angekündigt, die ehemalige
Handysparte von Siemens nur knapp einem Jahr nach dem
Kauf dicht zu machen.
Da sich kein Investor fand, wird BenQ Mobile derzeit abgewickelt. Die
meisten Gläubiger, nämlich 3 500, seien ehemalige Mitarbeiter, sagte
Prager weiter. Sie fordern 27 Millionen Euro von ihrem ehemaligen
Arbeitgeber. Der Insolvenzverwalter hob hervor, dass seit September noch
1,7 Millionen Mobiltelefone gebaut und für rund
85 Millionen Euro verkauft werden konnten - zuletzt vor
allem nach Osteuropa.