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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 15.02.2012 |
Editorial: Der Irrweg18.02.2007
18:55 Mobilfunkbranche rennt in die falsche RichtungInhaltsverzeichnis:1. 3GSM World Congress: Multimedia allerorten2. Der Irrsinn: Breitbandige Daten, schmalbandige Sprache 3. Warum nach Blei schürfen, wenn man auf einer Goldader sitzt?
Man stelle sich vor, man geht auf eine Hausbaumesse, und findet
dort gewagte Exponate über Luftschlösser, Zeichnungen von
überwältigenden Fassadengestaltungen oder schwindelerregende
Treppenkonstruktionen, aber kein einziges Exponat über
Ziegelsteine oder andere Baumaterialien.
Unwahrscheinlich? Vielleicht. Aber so oder zumindest so ähnlich
kam ich mir letzte Woche auf der Kongressmesse
3GSM World
in Barcelona vor.
nächste Seite: Der Irrsinn: Breitbandige Daten, schmalbandige Sprache
An allen Ecken und Enden sieht man Fotos und Werbetafeln für Smartphones. Die Messestände preisen den Datenturbo HSDPA oder die Alternative WiMAX an. Weitere Themen sind Navigation und andere Location Based Services per GPS, Synchronisation von Daten, mobile E-Mail, bessere Displays und Kameras, bessere Chips für die Grafik- und Videoverarbeitung. Multimedia allerorten. Man könnte auf der Handy-Messe glatt vergessen, dass Handys mal zum Telefonieren entwickelt worden sind. "Könnte" deswegen, weil man genügend Messegäste mit Handy am Ohr sieht, die ihr Gerät also allen großen Displays, Video-Funktionen und Tastaturen zum Trotz immer noch ausgiebig zum Original-Zweck verwenden. Und deswegen, weil ab und zu ein Redner auf einer der zahlreichen Kongressveranstaltungen daran erinnert, dass die Erträge der Branche zu über 80 Prozent mit Sprachtelefonie erzielt werden. "Neue" Datendienste mit geringen UmsatzanteilenSämtliche "neuen" Datendienste zusammengenommen, also WAP, E-Mail, GPRS, EDGE, UMTS und HSDPA, haben Umsatzanteile im Bereich einer "single digit number", also unter 10 Prozent. Genaue Zahlen werden von den meisten Netzbetreibern geheim gehalten - offiziell, um der Konkurrenz nicht allzu große Einblicke zu ermöglichen, inoffiziell aber sicher auch aus Gründen der Scham. Selbst mit den simplen SMS, die quasi als Abfallprodukt der digitalen Signalisierung entstanden sind und anfangs gar nicht als eigenständiges Produkt geplant waren, machen die Netzbetreiber den vielfachen Umsatz als mit den ganzen später eingeführten, ungleich aufwändigeren breitbandigen Datendiensten.
Dabei ist seit der
Vorstellung von WAP vor gut sieben Jahren eine lange Zeit vergangen.
Zeit, in der die Verbraucher die Gelegenheit hatten, so manchen
Datendienst zu testen, und sich dagegen entschieden haben. Aber
auch Zeit, in der die Netzbetreiber hätten merken müssen, dass
der Daten-Gaul lahmt, und sie schlicht und einfach aufs falsche
Pferd setzen, wenn sie weiterhin so massiv und vor allem exklusiv
in ihn investieren. Würde es nämlich gelingen, zum Beispiel durch
Verbesserungen der Sprachqualität die Umsätze mit mobilen Telefonaten
um nur 5 Prozent zu steigern, würde das wahrscheinlich mehr Umsatzzuwachs
bringen, als mobile Portale, UMTS, HSDPA, EDGE usw. zusammengenommen!
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